Der bunte Plastikreifen war 1958 ein Riesen­-Mar­ketingerfolg: In nur vier Monaten verkaufte der Hersteller 25 Millionen Stück seiner Erfindung. Schnell schwappte der Trend nach Europa. Bald hatte so gut wie jede Familie einen solchen Hula­-Hoop parat. Viele Kinder wurden kleine Meister darin. Sie schafften es, beim „Hullern“ vier bis fünf Reifen auf einmal kreisen zu lassen oder schwan­gen sie sich um Arme, Beine und Hals.

Wie es geht

Das Reifenkreisen erfordert viel Rhythmus aus der Körpermitte. „Deswegen stellt es auch eine ideale Vorbereitung fürs Tanzen dar“, sagt Sportwissenschaftler Professor Kuno Hottenrott. Die Verletzungsgefahr ist zwar äußerst gering. Aber wer Becken und Rumpf schon länger nicht mehr gefordert hat, sollte erst­ mal ohne Reifen beginnen, sie in Bewegung zu bringen, und dann aufgewärmt mit dem Hula­-Hoop starten. Hottenrott: „Dann zunächst mit großen Rumpfbewegungen beginnen.“

Was es bringt

Hula­Hoop macht nicht nur Spaß, sondern lässt ganz nebenbei auch Rücken­schmerzen verschwinden. Das Schwingen des Beckens kann nämlich Spannungen im Rumpf lösen und die Muskeln im Bauch und unteren Rücken kräftigen. Eingerostete Hüften werden sozusagen geölt und wieder beweglicher. „Es ist ein toller Ausgleichssport für Büro-Sitzer. Und die leichtere und angenehmere Alternative zu spezieller Bauch-und-Rücken-Gymnastik“, meint Sporthis­toriker Dr. Berno Bahro von der Universität Pots­dam.

«Hula-Hoop sorgt für eine Festigung im Core-Bereich, stärkt also Bauch, Rücken und Taille», pflichtet Hula-Hoop-Expertin Corinna Loroff aus Dachau bei. Wer den Reifen schwingt, richtet sich automatisch gut auf - das ist nach langen Schreibtischtagen eine Wohltat und kann die Haltung verbessern.

Wann Hullern problematisch ist

Wer allerdings einen Bandscheibenvorfall oder Versteifungen im Rücken habe, solle es vorsichtig angehen oder auf andere Sportarten ausweichen, schränkt Trainingswissenschaftler Professor Lars Donath von der Deutschen Sporthochschule in Köln ein.

Hullern unter anderen Umständen

Sogar in der Schwangerschaft ist Hullern möglich. Zumindest, wenn keine Beschwerden oder Kontraindikationen - also medizinische Gründe, die das verbieten - vorliegen. Auch in diesem Fall sollte man es langsam angehen und nicht ohne ärztliche Rücksprache loslegen.

Wie man den passenden Reifen findet

Reifen ist nicht gleich Reifen. Mittlerweile ist das Sportgerät in zahlreichen Durchmessern und Gewichten zu haben, viele sind auch mit Extras wie Massage-Noppen ausgestattet.

«Die Auswahl des Reifens ist entscheidend», sagt Fitnesstrainerin Saskia Richardt aus Mülheim an der Ruhr. Wählt man ein Gerät, das nicht optimal passt, kann einem das schnell die Motivation verhageln. Entweder weil das Lernen der Technik schwerer fällt oder weil es schmerzhafte blaue Flecken gibt. «Am besten fängt man mit einem Gewicht von 1 oder 1,2 Kilogramm an», rät Corinna Loroff. Wer mehr als 85 Kilogramm wiegt, kann auch mit einem etwas schwereren Reifen von 1,5 bis 1,8 Kilogramm einsteigen.

Der optimale Durchmesser hängt von der Körpergröße ab. Reicht der Reifen im Stehen bis zum Bauchnabel, stimmt die Größe. Im Zweifel sollte man zunächst eher den größeren Reifen wählen, erklärt Saskia Richardt: «Je größer der Umfang ist, desto langsamer schwingt der Reifen - das ist für den Anfang einfacher.»

Von Reifen mit Noppen raten die Expertinnen zunächst ab. Sie üben mehr Druck auf den Bauchraum aus, was gerade bei Ungeübten schnell für blaue Flecken sorgt.

Wie man die Technik lernt

Ein erfolgreicher Einstieg ins Hula-Training beginnt schon mit der Wahl der Sportkleidung. «Auf nackter Haut haftet der Reifen besser als auf Stoff», sagt Corinna Loroff. Für die ersten Versuche ist für Frauen daher die Kombination aus Leggings und Sport-BH am besten geeignet. Und Männer? Lassen das T-Shirt weg.

Entscheidend ist die Technik. «Wichtig ist, dass man nicht in Versuchung gerät, die gleiche Bewegung zu machen wie der Reifen», sagt Saskia Richardt. Wer glaubt, einfach nur die Hüfte ausladend kreisen zu müssen, irrt. «Es ist eher eine Links-Rechts- oder eine Vor-Zurück-Bewegung der Hüfte», so die Fitnesstrainerin. Dabei kann man entweder im hüftbreiten Stand stehen oder in Schrittstellung.

Wichtig ist zunächst, die Körpermitte anzuspannen und dem Reifen so viel Schwung zu geben, dass er ohne großes Zutun etwa zweimal um den Körper kreist. «Übrigens ist es normal, dass es nicht bei jedem mit der Technik superschnell klappt - einfach dranbleiben», sagt Hula-Hopp-Instruktorin Loroff.

Hat man endlich den Dreh raus, sollte man es nicht direkt übertreiben: Für den Anfang reichen zwei bis fünf Minuten am Stück, damit es keine blauen Flecken gibt. Mit der Zeit kann man sich langsam steigern. «Nach oben ist dann keine Grenze gesetzt: Ich schaue manchmal einen Film und hullere die ganze Zeit», erzählt Loroff. «Allerdings sollte man darauf achten, den Reifen auch mal in die andere Richtung zu schwingen, damit die Rumpfmuskulatur gleichmäßig trainiert wird.»

Wie man das Hullern noch anstrengender gestaltet

Wer mag, kann den Reifen in Workouts einbauen. «Man kann ihn super als Gewicht benutzen, indem man ihn etwa bei Kniebeugen über den Kopf hält», schlägt Saskia Richardt vor. Auf diese Weise lässt sich das Sportgerät in viele Fitness-Übungen integrieren, zum Beispiel bei Sit-ups oder Hampelmännern. Hula-Hoop lässt sich zudem mit Tanz kombinieren: In vielen Studios, aber auch online, werden Hoop-Dance-Kurse angeboten.

Etabliert sich der Trendsport?

Trainingswissenschaftler Donath ist bei dieser Frage skeptisch: «Der Hula-Hoop-Reifen erscheint mir eher als Trendgerät, das vor allem dadurch funktioniert, dass es durch soziale Medien gepusht wird.» Man dürfe zudem, wenn es ums Abnehmen geht, nicht allzu viel erwarten, so Donath. «Aber natürlich kann Hula-Hoop bei einem Einstieg in einen gesünderen und aktiveren Lebensstil unterstützend wirken, sollte aber eher als Ergänzung dienen.»

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