Fleisch, Milch und Milchprodukte

„Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir den Verbrauch von tierischen Produkten um 70 bis 80 Prozent reduzieren“, sagt Professor Dr. Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

„Stellen Sie so weit wie möglich auf pflanzliche Alternativen um.“ Wer häufig Fleisch isst, kann viel bewirken, wenn er sich am Prinzip „Sonntagsbraten“ orientiert. Auch die Auswahl spielt eine Rolle: Geflügel ist klimafreundlicher als Rind. Wenn es doch mal ein Rindersteak sein muss, stammt das Fleisch am besten aus regionaler Bio-Weidehaltung. Trotzdem gilt: selten essen!

Klimafreundliche Ernährung: Weniger tierische Produkte, mehr Regionales und Saisonales

Klimafreundliche Ernährung: Weniger tierische Produkte, mehr Regionales und Saisonales

Saisonalität

Ein Kilo regionale Tomaten verursacht im Sommer 0,2 Kilogramm CO2 – Gewächshausware im Winter fünf Kilogramm. „Selbst im Winter gibt es eine reiche Auswahl an saisonalem Gemüse. Beim Obst kann es auch mal importierte Ware sein“, so der Tipp von Diplom Ökotrophologe Stephan Weigt vom Verband für unabhängige Gesundheitsberatung (UGB). Gemüsekisten erleichtern den saisonalen Einkauf. Saisonkalender zeigen, welches Obst und Gemüse frisch verfügbar ist.

Regionalität

Regionales spart Transportwege und Treibhausgase. Besonders schlecht schneidet Flugware ab: Ein Kilogramm Spargel, das im Winter per Luftfracht zu uns kommt, schlägt mit 30 Kilogramm CO2 zu Buche! In der Saison kommt Spargel per Lkw in den Supermarkt und verursacht bei einer Strecke von 100 Kilometern etwa 19 Gramm pro Kilo. Deutsche Äpfel, die im Sommer im Kühlhaus lagern, schneiden aber unter Umständen schlechter ab als solche, die per Schiff aus Neuseeland kommen.

Fisch

Verglichen mit Fleisch hat Fisch zwar eine recht gute Klimabilanz, ist aber vor dem Hintergrund der überfischten Meere problematisch. Auch Aquakulturen sind nicht immer besser: „Lachse beispielsweise sind Raubtiere“, sagt Jana Fischer von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Sie werden teils mit Fischabfällen, teils aber auch mit Beifang gefüttert. Der wiederum fehlt dann in den Ökosystemen.“ Entscheidend sind Bestände, Region und Fangmethoden. Fische aus europäischer Zucht, etwa Karpfen, gelten als wenig problematisch.

Der Online-Fischratgeber des WWF ist eine Orientierungshilfe. Insgesamt raten die Umweltschützer vom WWF, Fisch nur gelegentlich zu essen. Für die Zufuhr an gesunden Fettsäuren können Sie außerdem zu hochwertigen Pflanzenölen und Produkten aus Algen greifen.

Fairness

„Solange der Gesetzgeber die Nachverfolgbarkeit nicht verpflichtend macht, ist eine informierte Kaufentscheidung leider nur begrenzt möglich“, sagt Stefan Weigt. Was hilft? „Auf Fairtrade-Siegel achten und auf Wochenmärkten bei Bauern aus der Region einkaufen.“

Bio-Produkte

In Bezug auf Treibhausgas-Emissionen macht bio kaum einen Unterschied. Bei einigen Produkten sind sie sogar etwas höher. Dafür sind die anderen Emissionen in Luft, Boden und Wasser geringer als im konventionellen Anbau. Immer wieder liest man von Bio-Betrieben, die gegen Richtlinien verstoßen. Trotzdem sei bio oft die bessere Wahl, so Jana Fischer: „Was bei einzelnen Bio-Betrieben als Missstand auffällt, ist in der konventionellen Landwirtschaft oft erlaubt.“

Einkaufen

Es zählt nicht nur, was im Kochtopf landet – sondern auch, wie es dorthin gelangt: Verzichten Sie daher beim Einkauf auf unnötige Autofahrten. Achten Sie auch darauf, möglichst keine Lebensmittel zu verschwenden. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens GfK landeten im Jahr 2020 in 86 Prozent der deutschen Haushalte noch genießbare Lebensmittel im Müll. Helfen kann ein Speiseplan: So lassen sich Einkäufe gut planen und bereits Vorhandenes verwerten.

Grundsätzlich gilt: „Fangen Sie mit Änderungen an, die Ihnen leichtfallen“, sagt Jana Fischer. „Nicht jeder und jede muss 100 Prozent geben, sondern alle gemeinsam einen großen Schritt machen.“ Klar ist auch: Die Verbraucherinnen und Verbraucher allein können die Klimakatastrophe nicht aufhalten. Es liegt an Politik und Wirtschaft, vernünftige Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

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