Baby und Familie

Während giftige Pflanzen, Putzmittel oder Medikamente allgemein als Gefahrenquelle im Haushalt bekannt sind, gibt es im Alltag von kleinen Kindern zahlreiche andere Dinge, die sich langfristig auf die Gesundheit auswirken können. Ob Möbel, Textilien oder Spielzeug: Immer wieder werden bei Test problematische Stoffe gefunden, die eigentlich nicht ins Kinderzimmer gehören. Wie kommt das und was ist wirklich schädlich?

Kritische Substanz bedeutet nicht gleich Risiko

Grundsätzlich gilt: „Jeder Stoff kann schaden, wenn die Aufnahmemenge zu hoch ist“, sagt Dr. Ariane Lenzner vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die Fachleute der wissenschaftlich unabhängigen Einrichtung bewerten im Auftrag der Bundesregierung unter anderen Spielzeugmaterialien. Die Behörde berät, wenn zum Beispiel neue Regulierungen für Grenzwerte innerhalb der Europäischen Union (EU) erarbeitet werden sollen.

Dass eine kritische Substanz in einem Spielzeug vorkomme, sei nicht zwangsläufig ein Hinweis darauf, dass auch ein gesundheitliches Risiko bestehe. „Entscheidend ist: Löst sich der Stoff aus dem Material, und falls ja, wie viel davon kann beim Spielen in den Körper des Kindes gelangen?“, sagt die Toxikologin. Die im Material enthaltene Menge einer Chemikalie allein reicht daher nicht für die Abschätzung des gesundheitlichen Risikos aus.

Bestimmte Weichmacher sind in der EU in Spielzeug verboten

Vor 20 Jahren wurde über bestimmte, zum Teil hormonähnliche Weichmacher viel diskutiert. Das BfR hatte damals handelsübliche Kinderplanschbecken getestet, vor denen gewarnt worden war. „Ergebnis: Die Menge an Stoffen, die ins Badewasser überging und folglich über geschlucktes Wasser oder die Haut theoretisch aufgenommen werden könnte, war nicht gesundheitsgefährdend für Kleinkinder.“

Mittlerweile hat sich die gesetzliche Grundlage mit der im Jahr 2009 überarbeiteten EU-Spielzeugrichtlinie deutlich verändert. Die Regeln wurden verschärft. Bestimmte Weichmacher sind in der EU im Spielzeug verboten, für andere Stoffe in Spielzeug wurden die Grenzwerte deutlich abgesenkt. Eltern, die ihre Kinder vor gesundheitsschädlichen Substanzen schützen wollen, sollten daher darauf verzichten, älteres Spielzeug aus Weichplastik an ihre Kinder weiterzugeben.

Föten und Kleinkinder sind besonders empfindlich für Umwelteinflüsse

Grenzwerte sind dazu da, um die Bevölkerung vorsorglich zu schützen. Manchmal können aber auch schon geringe Dosen Risiken bergen. Dr. Tobias Polte ist Immunologe am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und erforscht, welche Rolle Umweltschadstoffe bei Erkrankungen des Immunsystems oder Stoffwechselstörungen spielen. „Wir wissen, dass Föten und Kleinstkinder besonders empfänglich für Umwelteinflüsse sind“, sagt er. Bereits im Mutterleib könnte durch geringe Schadstoffkonzentrationen ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten angelegt werden.

„Nutzen Schwangere Cremes oder Körperlotion mit Parabenen als Konservierungsmittel, kann das zur Folge haben, dass das Kind später im Leben übergewichtig wird“, sagt Polte. Und das, obwohl die Hersteller der Kosmetika vorgeschriebene Grenzwerte eingehalten haben. Er rät Schwangeren deshalb, auf Cremes mit Parabenen zu verzichten.

Erhöhtes Allergierisiko bis hin zu Intelligenzminderung möglich

Einen Zusammenhang zwischen Allergien und Weichmachern konnten die Forscher in einer Langzeitstudie ebenfalls nachweisen. „Werden bei der Mutter während der Schwangerschaft hohe Phthalat-Werte im Urin gemessen, kann sich das Risiko, dass der Nachwuchs ein allergisches Asthma entwickelt, erhöhen“, sagt Polte. Versuchsergebnisse aus dem Labor deuteten darauf hin, dass Phthalate offenbar die DNA so verändern können, dass die Aktivität entscheidender Gene verringert wird, die normalerweise die Entstehung einer Allergie unterdrückten.

Bei Schwermetallen sind die Expertinnen und Experten besonders wachsam. „Selbst kleinste Mengen Blei können bei Kindern offenbar zu Intelligenzminderungen, Aufmerksamkeits- oder Verhaltensstörungen führen“, sagt Toxikologin Ariane Lenzner. Ein Schwellenwert, unter dem die Gesundheit durch Blei nicht beeinträchtigt wird, könne daher nicht definiert werden. „Auch geringe Mengen stellen für Kinder ein Gesundheitsrisiko dar“, sagt sie.

Bestimmte Farbpigmente oder Füllstoffe, die in Buntstiften, Spielkreide, Knete oder in Lacken eingesetzt werden, können mit Blei oder Cadmium verunreinigt sein. „Das sieht man den Produkten aber nicht an. Erst eine chemische Analyse zeigt, ob sie kritische Stoffe enthalten oder nicht.“ Sagt Lenzner. Das BfR ist der Auffassung, dass die Gehalte an Schwermetallen wie Blei oder Arsen so niedrig wie technisch machbar sein sollten. Die stichprobenartigen Untersuchungen der Überwachungsbehörden zeigten, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren deutlich verbessert habe und die auf dem Markt befindlichen Spielzeuge die gesetzlichen Vorschriften in der Regel einhalten würden. „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es natürlich nie“, sagt Lenzer.

Prüfzeichen und Gütesiegel helfen Eltern beim Einkauf

Bei der Kaufentscheidung können Prüfzeichen und Gütesiegel eine gute Unterstützung sein. In Deutschland gibt es zum Beispiel das Siegel „Geprüfte Sicherheit“ (GS). Hersteller können es freiwillig zusammen mit dem Hinweis auf die Prüfeinrichtung, wie etwa der TÜV, auf ihre Produkte drucken und bestätigen dadurch, dass ihre Ware von einem unabhängigen Labor auf die gesetzlichen Vorgaben hin untersucht worden ist. Das Prüfsiegel für maximal fünf Jahre an einen Hersteller vergeben, dann muss es erneuert werden. Während das GS-Symbol ausschließlich zeigt, dass von dem Produkt keine Gefahr ausgeht, haben andere Prüfinstitute weitere Dinge im Blick.

Gute und gesunde Qualität? Das hilft beim Einkauf

Geprüfte Sicherheit“ (“GS“): Hersteller können das Siegel freiwillig zusammen mit dem Hinweis auf die Prüfeinrichtung auf ihre Produkte drucken. Sie bestätigen dadurch, dass ihre Ware von einem unabhängigen Labor auf die gesetzlichen Vorgaben hin untersucht worden ist. Das Prüfsiegel für maximal fünf Jahre an einen Hersteller vergeben, dann muss es erneuert werden. Das GS-Symbol zeigt ausschließlich, dass von dem Produkt keine Gefahr ausgeht.

„Blauer Engel“: Das Umweltzeichen gibt an, ob ein Gegenstand umweltverträglich ist. Dabei spielen neben geringer Schadstoffmenge, die häufig strenger sind als die gesetzlichen Vorgaben, auch soziale Kriterien eine Rolle: Kann das Spielzeug gut repariert werden und ist es unter humanen Arbeitsbedingungen hergestellt worden?

Standard 100 by Öko-Tex“: Das Siegel gibt für Textilien an, dass darin etwa keine Farbstoffe enthalten sind, die als krebserregend eingestuft worden sind oder Allergien begünstigen können. Es ist weltweit anerkannt.

Tox-Fox“: Die App vom Bund Naturschutz kann im Supermarkt eine gute Hilfestellung sein: Mit ihr können 80.000 Kosmetika sowie andere Alltagsgegenstände über den Barcode eingescannt und auf schädliche Inhaltsstoffe überprüft werden.

Das deutsche Umweltzeichen „Blauer Engel“, zum Beispiel, gibt an, ob ein Gegenstand umweltverträglich ist. Dabei spielen neben geringer Schadstoffmenge, die häufig strenger sind als die gesetzlichen Vorgaben, auch soziale Kriterien eine Rolle: Kann das Spielzeug gut repariert werden und ist es unter humanen Arbeitsbedingungen hergestellt worden?

Für Textilien ist der „Standard 100 by Öko-Tex“ weltweit anerkannt. Das Siegel gibt an, dass in Stoffen und Kleidung etwa keine Farbstoffe enthalten sind, die als krebserregend eingestuft worden sind, oder Allergien begünstigen können. „Im Supermarkt kann die Tox-Fox-App des Bund Naturschutz eine gute Hilfestellung sein“, sagt Immunologe Polte. Mit ihr können 80.000 Kosmetika sowie andere Alltagsgegenstände über den Barcode eingescannt und auf schädliche Inhaltsstoffe überprüft werden.

Kein Siegel? Im Zweifel der eigenen Nase vertrauen

Ist auf Spielzeugen oder Textilien überhaupt kein Siegel aufgedruckt, sollten Eltern diese eingehend prüfen, bevor sie diese an ihre Kinder weitergeben. Riecht das Produkt unangenehm? Fallen bereits Teile ab oder sind Nähte unzureichend verarbeitet? Vor allem, wenn ein ölartiker, starker Geruch von dem Produkt ausgeht, sollte es nicht mit Kinderhaut in Kontakt kommen, rät das Umweltbundesamt.

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