Baby und Familie

Ob als Zutat in der Breikost oder als knuspriger Waffelsnack zwischendurch: Reis gehört in den meisten Familienküchen zur Grundausstattung. Gleichzeitig sind viele Eltern verunsichert wegen der Arsenbelastung der Körner. Wie kann man Reis trotzdem sicher genießen?

Arsen und seine Folgen

Arsen kommt als sogenanntes anorganisches Arsen natürlicherweise im Boden vor und kann über die Wurzeln in Pflanzen gelangen. „Insbesondere das anorganische Arsen wird als toxikologisch relevant angesehen“, sagt Dr. Ulrike Pabel vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin. „Es erhöht das Risiko für Lungen-, Haut- und Blasenkrebs.“ Durch den Anbau auf gefluteten Feldern lagert Reis mehr anorganisches Arsen im Korn ein als andere Pflanzen. Die Werte hängen vom Boden, der Bewässerung und der Düngung ab. „Für anorganisches Arsen lässt sich keine tägliche Aufnahmemenge bestimmen, die nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen kann“, sagt Pabel. Es gilt: Je weniger Arsen wir aufnehmen, desto besser. Umso wichtiger sind Arsen-Höchstgehalte.

Ob Brei, Waffel oder Cracker, viele Lebensmittel für die Kleinen enthalten Reis. Daher sind die Grenzwerte für diese Altersgruppe besonders streng: 0,1 Milligramm Arsen je Kilogramm erlaubt eine EU-Verordnung für Reis, aus dem Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder hergestellt werden. Zum Vergleich: Doppelt so viel dürfen es in weißem Reis sein, der nicht ausdrücklich als Kinder-Reis deklariert ist. Und Reiswaffeln, -kekse und -cracker ohne Altersangabe dürfen gar bis zu 0,3 Milligramm Arsen je Kilo enthalten.

Mädchen mit Trinkpäckchen

Viele Kinderlebensmittel zu ungesund

Ein Großteil der für Kinder beworbenen Lebensmittel ist ungesund: Laut einer Analyse der Verbraucherorganisation Foodwatch enthalten viele dieser Produkte zu viel Zucker, Fett oder Salz

Die Menge macht’s

Trotz des Arsenproblems rät Pabel davon ab, Reis ganz vom Speiseplan zu streichen. Es handele sich grundsätzlich um ein wertvolles Nahrungsmittel mit zahlreichen wichtigen Nährstoffen. Auch Schwangere und Stillende könnten bedenkenlos eine Reismahlzeit genießen. Nur von einem sehr einseitigen Verzehr werde abgeraten. Und das gelte für alle, noch mehr aber für Kinder. „Sie sollten nicht ausschließlich Reismilch erhalten oder einseitig reisbasiert ernährt werden“, so Pabel. Zudem können Eltern für den Nachwuchs speziell gekennzeichnete Produkte für Säuglinge und Kleinkinder kaufen – wegen der strengeren Höchstgehalte.

Reiswaffeln? Lieber nicht!

Doch wie sieht die Realität aus? Das Magazin Ökotest hat für die Novemberausgabe 2022 Reiswaffeln getestet. Im Regal für Säuglinge und Kleinkinder gab es sie nur mit Fruchtgeschmack. Deshalb wurden pure Reiswaffeln ohne Altersangabe mitgetestet, aber bei allen Produkten die strengen Maß­stäbe für Kinderprodukte angelegt. Ergebnis: Von 20 Produkten lagen sieben über dem Arsenwert, den Reis für die Herstellung von Kinderlebensmitteln nicht überschreiten darf, zehn schöpften den zulässigen Wert zu über der Hälfte aus. Da gibt es andere, gesündere Snacks.

Das bestätigt auch die Freiburger Ernährungswissenschaftlerin Dagmar von Cramm: „Reiswaffeln sind aus Ernährungssicht grundsätzlich keine tollen Lebensmittel. Weder für die Gesundheit und erst recht nicht für die Zähne. Sie werden durch die klebrige Masse anfälliger für Karies.“ Weil sie so fad schmecken, förderten sie auch die Geschmacksentwicklung nicht.

Was Reis in der Küche angeht, weiß von Cramm: „Reis ist dank seiner schnellen und einfachen Zubereitung ­eine attraktive Zutat für die Familienküche. Zudem ist er kaliumreich und gleichzeitig natriumarm, was als günstige Nährstoffkombination gilt.“ Dennoch bewertet die Buchautorin und Youtuberin den Reis zurückhaltend: „Es gibt wertvollere und interessantere heimische Alternativen wie etwa Hafer.“ Von Cramm selbst nutzt gern Gerstengraupen. Selbst Menschen, die wegen Zöliakie Gluten meiden müssen, sollten nicht einseitig auf Reis setzen. Alternativ bieten sich Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth oder Quinoa an.

So regional wie möglich

Und wenn es doch mal ein Reisgericht sein soll? Dann könnte europäischer Reis die bessere Wahl sein. Er ist laut Verbraucherzentrale meist weniger mit Arsen belastet als asiatischer. Aller­dings steht das Herkunftsland oft nicht auf der Verpackung. Wichtig ist auch die Sorte: Ökotest fand 2020 in einem Reis-Check in Basmatireis Arsen nur in Spuren.

Ernährungsprofi von Cramm findet ganz grundsätzlich: „Ist die Kost vielseitig, gesund und ausgewogen, spricht nichts gegen ein oder zwei Reisgerichte pro Woche.“ Die wenigen ­Male nimmt sie selbst dann sogar Vollkornreis, auch wenn sich in seiner Schale bekanntermaßen mehr anorganisches Arsen sammelt: „Hier stecken zumindest noch mehr Nähr- und Ballaststoffe drin als im geschälten Reis.“ Wer die Belastung beim Zubereiten mindern möchte: Reis in viel Wasser waschen, garen, dann überschüssiges Wasser abgießen. Leider gehen damit auch Nährstoffe verloren. Aber ohne Kompromiss geht es nicht.

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