Das bedeuten die Messwerte

Gerinnt unser Blut zu schnell, kann das verstopfte Gefäße zur Folge haben. Gerinnt es hingegen zu langsam, kann es zum Beispiel bei Operationen zu schwer kontrollierbaren Blutungen kommen. Beteiligt an der Blutgerinnung sind Blutplättchen (Thrombozyten) sowie zahlreiche Gerinnungsfaktoren. Andere Substanzen wiederum behindern die Gerinnung. Laboranalysen des Blutes können Hinweise darauf geben, ob etwas nicht stimmt.

Der aPTT-Wert (aktivierte partielle Thromboplastinzeit) gibt einen Hinweis auf Gerinnungsstörungen. Er wird auf dem Laborzettel oft als PTT bezeichnet. In Prozent angegeben wird der Quick-Wert. Je niedriger dieser ist, desto schlechter ist die Gerinnungsfähigkeit des Bluts. Der Quick-Wert fällt aber je nach Messmethode von Labor zu Labor unterschiedlich aus. Deshalb errechnen die Analysegeräte daraus den besser vergleichbaren INR-Wert (International Normalized Ratio).

Wann es sinnvoll ist, die Werte zu ermitteln

Der INR-Wert muss vor allem bei Patienten regelmäßig gemessen werden, die das gerinnungshemmende Mittel Phenprocoumon einnehmen, besser bekannt unter dem Handelsnamen Marcumar. Die Tablettendosis muss so eingestellt sein, dass bestimmte INR-Werte erreicht werden.

„Selbstmesser unter den Patienten sollten im Marcumar-Pass unbedingt auch den INR- statt nur den Quick-Wert eintragen“, sagt Professor Hermann Eichler, Direktor des Instituts für Klinische Hämostaseologie und Transfusionsmedizin an der Uniklinik des Saarlandes.

Immer mehr Patienten nehmen anstatt Phenprocoumon Mittel aus der Gruppe der sogenannten direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK). „Hier muss man die Gerin­nung nur in bestimmten Situationen messen, etwa vor einer Notoperation“, erklärt Eichler.

Vor Operationen wird in der Regel standardmäßig die Blutgerinnung getestet. Auch bei Menschen, die bisher keine Probleme damit hatten.

Ein Warnzeichen für eine erhöhte Gerinnungsneigung ist zum Beispiel eine Thrombose. Dabei bildet sich ein Gerinnsel, das Blut staut sich im Gefäß. Wenn keine erklärbare Ursache vorliegt, kann es im Einzelfall nötig sein, nach angeborenen Gerinnungsstörungen zu suchen.

Umgekehrt kann eine höhere Blutungsneigung auf eine Störung hindeuten. Ein Anzeichen können spontane blaue Flecken oder häufiges Nasenbluten sein. In solchen Fällen sucht der Arzt nach Störungen der Blutgerinnung.

Auch Medikamente wie Azetylsalizylsäure und verwandte Schmerzmittel verzögern die Gerinnung. Gerinnungsstörungen könnten aber auch auf eine schwere Leber­erkrankung hinweisen, sagt Professor Ulrich Sachs, Leiter der Sektion Hämostaseologie an der Uniklinik Gießen. In dem Organ werden die meisten Gerinnungsfaktoren produziert.

Das sind die Normalbereiche

Gerinnungsstörungen können erblich sein, sind aber auch oft durch Krankheiten oder bestimmte Arzneimittel bedingt. Bisweilen müssen Patienten ihr Leben lang vorbeugend gerinnungshemmende Medikamente nehmen, etwa bei Vorhofflimmern oder künstlichen Herzklappen.

Oder vorübergehend nach Operationen. Doch man kann noch mehr tun, um sein Risiko für verstopfte Gefäße zu senken. Diabetiker etwa sollten ihren Blutzucker gut einstellen. Zweierlei hebt Ulrich Sachs besonders hervor: Rauchen und Übergewicht erhöhen die Gefahr für Thrombosen. Frauen mit genetisch bedingter Gerinnungsstörung sollten keine östrogenhaltige Anti­­babypille wählen.