Welche Werte werden gemessen?

Bei einem Verdacht auf eine Osteoporose ist vor allem die Knochendichtemessung wichtig. „Die Diagnose einer Osteoporose stützt sich vor allem auf den Nachweis einer erniedrigten Knochendichte“, sagt Professor Peter Luppa, Leitender Oberarzt am Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie der TU München. Daneben gebe es keine weiteren Parameter, die spezifisch auf eine Osteoporose hinweisen könnten.

Die knochenspezifische alkalische Phosphatase (AP) kann beim Verdacht auf ein Knochenleiden ebenfalls Hinweise geben. Sie ist oft erhöht, wenn eine sogenannte Osteomalazie vorliegt. Dabei handelt es sich um eine Knochenerweichung, die häufig durch einen Vitamin-D-Mangel ausgelöst wird. „Vitamin D ist ein zentraler Faktor für eine gute Knochenqualität und häufig der erste Anlaufpunkt, um den Knochenstoffwechsel zu verbessern“, sagt Professor Florian Barvencik, Leitender Oberarzt am Institut für Osteologie und Biomechanik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Phosphatkonzentration im Blutserum. Phosphat sorgt, gemeinsam mit Kalzium, für feste Knochen. Ein Kalziummangel kann ein Risikofaktor für eine Osteoporose sein. Wenn man über einen längeren Zeitraum zu wenig Kalzium aufnimmt, baut der Körper Knochenmasse ab. Die Knochen werden instabil und brechen leichter.

Liegt bereits eine Kalziumstörung vor, wird häufig das Parathormon (PTH) gemessen. Dabei handelt es sich um ein Hormon der Nebenschilddrüse, das den Kalziumspiegel reguliert. Die Konzentration von Parathormon im Blut steigt immer dann an, wenn der Kalziumspiegel erniedrigt ist. Allerdings können erhöhte und erniedrigte Kalziumwerte auch andere Ursachen haben. Auch eine nicht erkannte Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) kann, vor allem bei Jugendlichen, zu einer erniedrigten Knochendichte führen, weil die Kalziumaufnahme im Dünndarm vermindert ist.

Liegen weitere unspezifische Symptome vor, sollte man auch an andere mögliche Ursachen einer Osteoporose denken. Dazu gehört der Ausschluss einer Schilddrüsenüberfunktion durch TSH-Bestimmung.

Wichtig: Die Laborwerte können zwar dabei helfen, mögliche Ursachen für Knochenleiden zu finden. Um ein Knochenleiden einzugrenzen, sind aber oft noch weitere Untersuchungen nötig.

Wann sollte man die Werte messen lassen?

In der Regel werden die Werte nur dann gemessen, wenn ein konkreter Verdacht auf Osteoporose oder ein anderes Knochenleiden wie Osteomalazie besteht oder es Risikofaktoren für eine Osteoporose gibt. So können Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder eine Schilddrüsenüberfunktion das Osteoporoserisiko erhöhen.

Gleiches gilt für rheumatologische Krankheiten wie entzündliches Gelenkrheuma oder Magen- Darm-Erkrankungen wie Zöliakie. Auch bei starken Knochenschmerzen oder dem Verdacht auf Knochentumore kann eine Labormessung Aufschluss geben.

Was sind Normalwerte?

Der Vitamin-D-Spiegel sollte über 30 Mikrogramm pro Liter Blut liegen.

Bei Erwachsenen liegt die Phosphatkonzentration im Blutserum normalerweise zwischen 2,5 und 4,0 mg/dl.

Der Referenzwert beim Parathormon liegt bei 11 bis 67 ng/l.

Bei der Kalziumkonzentration im Blutserum liegt der Normbereich etwa zwischen 2,20 mmol/l und 2,65 mmol/l.

Ein normaler TSH-Wert liegt zwischen 0,4 und 4 Milli- units pro Liter (mU/l).

„Wenn die Knochenstoffwechselwerte im Rahmen einer Osteoporose stark erhöht sind, kann das ein erhöhtes Knochenbruchrisiko anzeigen“, sagt Dr. Volker Ziller, Leiter des osteologischen Schwerpunktzentrums am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Nach einem Knochenbruch sei es aber völlig normal, über einige Wochen bis Monate stark erhöhte Werte zu haben.

Wichtig: Die Werte variieren je nach Labor, das die Untersuchung durchführt.

Was, wenn die Werte abweichen?

Man kann selbst einiges tun, um seine Knochen gesund zu halten. Mit der richtigen Ernährung beispielsweise kann man häufig einem Kalziummangel vorbeugen.

Weil Vitamin D die Kalziumaufnahme im Darm unterstützt, sollte man darauf achten, den Körper ausreichend mit Sonnenlicht zu versorgen (siehe auch Seite 92/93). Im Sommer reicht es meist aus, sich etwa 20 bis 30 Minuten täglich im Freien zu bewegen, damit über die Haut ausreichend Vitamin D gebildet wird. In manchen Fällen können auch Vitamin-D-Präparate sinnvoll sein. Diese Nahrungsergänzungsmittel sollten allerdings nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt eingenommen werden.

„Eine wichtige Säule der Osteoporosebehandlung ist Sport“, sagt Florian Barvencik. Bewegung helfe dabei, knochenaufbauende Zellen zu aktivieren und die Knochen zu stärken. Verzichten sollte man hingegen auf Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum. Diese beiden Faktoren können das Osteoporoserisiko erhöhen.

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Laborwerte-Serie: Übersichtsseite

Auf dieser Seite finden Sie die bisherigen Folgen der Serie aus dem Heft über die Bedeutung der wichtigsten Laborwerte, die man durch Blutproben erhält