Die Mukormykose ist eine Infektion durch Pilzorganismen der Ordnung Mucorales und kommt am häufigsten bei Menschen mit stark geschwächten oder unterdrückten Immunsystem oder Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes vor. Auch Intensiv-Patienten mit Virus-Infektionen wie Covid-19 können gefährdet sein.

Bisheriges Vorkommen in Verbindung mit Covid-19

Nachdem die Krankheit auffällig häufig in Indien aufgetreten ist, wurden nun auch erste Fälle in Südamerika nachgewiesen. Aus einer Mitteilung des bolivianischen Gesundheitsministeriums geht hervor, dass bei einem von Covid-19 genesenen Patienten die seltene Erkrankung «Schwarzer Pilz» (Mukormykose) erstmals in Bolivien aufgetreten ist.

Bislang wurden verstärkt in Indien Fälle der seltenen Pilzerkrankung unter Covid-19-Patienten und Genesenen registriert. Nachdem das Land besonders von Covid-19 betroffen ist, sei dies eine weitere Herausforderung, sagte Indiens Premierminister Narendra Modi. Allein im Bundesstaat Maharashtra sind bislang mehr als 1200 Menschen an Mukormykose gestorben, zeigen Daten des indischen Gesundheitsministeriums.

Beschwerden durch den «Schwarzen Pilz»

Die seltene Pilzerkrankung Mukormykose kann Gewebe innerhalb kurzer Zeit dunkel verfärben oder absterben lassen und wird daher auch «Schwarzer Pilz» genannt.

Mögliche Hinweise sind Symptome einer akuten Nebenhöhlenentzündung mit Fieber, verstopfter Nase, eitrigem Ausfluss aus der Nase oder Nebenhöhlenschmerzen. Weitere Symptome sind Sehstörungen, Kopf- und Brustschmerzen oder Atembeschwerden. Breitet sich die Pilzinfektion mit dem Blutstrom systemisch aus, kann es zu einer Entzündung der Lunge und weiterer Organe kommen.

Die Erkrankung wird durch bestimmte Schimmelpilze verursacht, die weltweit verbreitet sind. Wer die Schimmelpilzsporen einatmet oder sie über eine Hautverletzung, wie einem zentralen Venenkatheter bei Intensivpatienten, aufnimmt, kann an Mukormykose erkranken. Wird die Krankheit nicht rechtzeitig behandelt, ist sie in etwa der Hälfte der Fälle tödlich, so die Weltgesundheitsorganisation.

Risikofaktoren für Mukormykose

Laut Professor Steinmann, Ärztlicher Leiter des Instituts für Klinikhygiene, Medizinische Mikrobiologie und Klinische Infektiologie des Klinikum Nürnberg, sind besonders Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem oder Diabetiker, insbesondere Diabetes Typ 1, mit schwerer Stoffwechselentgleisung gefährdet. Auch können Intensivpatienten mit Covid-19 oder chronischen Lungenerkrankungen betroffen sein. Ein weiterer Risikofaktor für die seltene Pilzerkrankungen stellt zudem ein starker Einsatz von Kortisonpräparaten im Zuge der Covid-19-Behandlung dar. Die Verwendung des Medikaments verringert die Immunabwehr und begünstigt so das Auftreten der Pilzinfektion bei bereits stark geschwächten Personen.

Warum gibt es so viele Fälle in Indien?

Insgesamt tritt der «Schwarze Pilz» sehr selten auf. Statistisch trifft er in westlichen Ländern etwa einen von einer Million Menschen. Indien verzeichnete jedoch bereits vor der Covid-19-Pandemie eine vergleichsweise hohe Quote mit 140 Betroffenen pro Million. Ein Hauptgrund ist in Indien die hohe Zahl an Diabeteserkrankten und deren schlechte Versorgung.

So berichtet eine aktuelle Übersichtsarbeit, dass etwa 83 Prozent der untersuchten Covid-19-Patienten, die sich zusätzlich mit dem «Schwarzen Pilz» infiziert haben, auch an Diabetes litten und Diabetes somit als häufigster Risikofaktor im Zusammenhang mit Mukormykose in Indien gilt. Problematisch ist zudem, dass Diabetes das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf erhöht und viele Menschen in Indien keine adäquate Gesundheitsversorgung erhalten. Überlastete Krankenhäuser und der verbreitete Gebrauch von Steroiden und Breitbandantibiotika zur Bekämpfung von Covid-19 können die auffällig starke Verbreitung der Erkrankung in Indien weiter verschärfen. Auch kommt die Pilzinfektion laut Steinmann in wärmeren Ländern wie Indien oder Südamerika eher vor als in Mitteleuropa.

Therapeutisches Vorgehen

Behandelt wird primär mit speziellen Anti-Pilzmitteln (Antimykotika) und einer operativen Entfernung befallenen Gewebes. Auch sollte die Grunderkrankung, die das Immunsystem schwächt, behandelt werden. Trotz chirurgischer und medikamentöser Therapie führt die Mukormykose, beeinflusst von der zugrundeliegenden Erkrankung, nicht selten zum Tod.

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