Was ist ein Hagelkorn? Wie behandelt man es?

Ein Hagelkorn ist ein Knoten am Auge, der normalerweise nicht schmerzt, aber ziemlich stören kann. Wie er entsteht, was hilft

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 05.07.2018

Aus einem entzündeten Augenlid kann ein Hagelkorn entstehen


Hagelkorn – kurz zusammengefasst

  • Ein Hagelkorn ist ein teils geröteter Knoten am Augenlid, der normalerweise nicht schmerzt
  • Im Unterschied zum Gerstenkorn ist keine Infektion die Ursache, sondern verstopfte Drüsengänge
  • Der Arzt stellt die Diagnose meist anhand der Symptome. Es gibt keine speziellen Labortests
  • Das Hagelkorn verschwindet häufig von selbst. Hausmittel können helfen, ebenso wie Augensalben. Manchmal wird ein kleine Operation nötig

Was ist ein Hagelkorn?

Ein Hagelkorn – medizinisch Chalazion genannt – entsteht, wenn die Drüsengänge von Talgdrüsen im Augenlid verstopft sind und sich anschließend Sekret staut. Dadurch entwickelt sich ein fester Knoten und das umliegende Gewebe entzündet sich anhaltend. Hagelkörner kommen häufiger bei Erwachsenen als bei Kindern vor.

Hagelkörner können sowohl in den Meibom-Drüsen wie auch in den Zeis-Drüsen der Augenlider entstehen. Die Meibom-Drüsen produzieren den Fettanteil (Talg) der Tränenflüssigkeit und sorgen dafür, dass der Tränenfilm länger auf der Augenoberfläche verweilen kann. Die Zeis-Drüsen bilden den Talg im Bereich der Haarfollikel.

Welche Ursachen hat es?

Ein Hagelkorn kann entstehen, wenn – beispielsweise bei einer chronischen Lidrandentzündung (Blepharitis) – die Ausführungsgänge einer Drüse verstopfen. Dann staut sich Sekret und das angrenzende Gewebe entzündet sich.

Zudem können Hautkrankheiten mit einer Fehlfunktion der Meibom-Drüsen (Akne vulgaris, Akte rosacea) sowie Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus die Ursache sein. Auch ein Gerstenkorn kommt als Auslöser infrage. In sehr seltenen Fällen kann ein Lidtumor dahinterstecken.

Symptome: Wie erkennt man ein Hagelkorn?

Im Gegensatz zu einem Gerstenkorn, das einen akuten Verlauf nimmt und oftmals zu starken Schmerzen führt, entwickelt sich ein Hagelkorn eher langsam und schleichend. Hauptsymptom ist ein charakteristischer, bis zu hagelkorngroßer Knoten an der Ober- oder Unterseite des Augenlides.

Ein Hagelkorn schmerzt gewöhnlich nicht, stört aber ziemlich. Denn die Schwellung kann ein unangenehmes Druckgefühl am Auge verursachen. Teilweise ist die Stelle gerötet und warm.

Liegt ein kleinerer Knoten am Lidrand nahe den Wimpern vor, ist eine Zeis-Drüse betroffen. Ist der Knoten größer und befindet sich weiter vom Lidrand entfernt, ist eine Meibom-Drüse betroffen.

Größere Hagelkörner können durch Druck auf den Augapfel sogar die Sehfähigkeit beeinträchtigen. Der Druck verstärkt auch die Reibung zwischen Lid und Bindehaut, wodurch sich diese entzünden kann. Ein vermehrtes Tränen und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit können die Folge sein.

Hagelkorn oder Gerstenkorn?

  • Beide treten am Lidrand auf, es entsteht ein Knötchen, die Stelle kann anschwellen und sich röten. Es entsteht eine Entzündung. Das Hagelkorn schmerzt im Normfall nicht, das Gerstenkorn schon
  • Ein Gerstenkorn wird durch eine Infektion mit Keimen hervorgerufen, weshalb der Knoten meist mit Eiter gefüllt ist
  • Ein Hagelkorn wird nicht durch Keime ausgelöst
  • Ein Gerstenkorn ist ansteckend, ein Hagelkorn nicht
  • Ein Gerstenkorn entwickelt sich rasch, ein Hagelkorn langsam über einen längeren Zeitraum

Diagnose: Wie erkennt der Arzt ein Hagelkorn?

Die Symptome sind recht eindeutig: Am Lidrand oder etwas davon entfernt befindet sich ein Knoten. Dieser schmerzt nicht, kann aber gerötet und warm sein. Der Arzt erkennt das Hagelkorn also meist anhand des Aussehens und den Beschwerden, die der Patient schildert.

Selten können größere Hagelkörner nach außen durch die Haut oder nach innen durch die Bindehaut durchbrechen und dann zu einer Sekundärinfektion führen.

Sehr selten kann auch eine Krebserkrankung der Meibom-Drüsen (Adenokarzinom der Meibom-Drüse) zu einem schmerzlosen Knoten im Lid führen.

Grundsätzlich gilt: Bildet sich ein Hagelkorn nicht vollständig zurück oder tritt es wiederholt auf, sollten Sie ein Augenarzt aufsuchen.

Therapie: Hausmittel, Medikamente, Operation

Vor allem kleinere Hagelkörner bilden sich häufig innerhalb weniger Wochen von selbst zurück.

Hausmittel: Wärme

Wärme, vor allem feuchte Wärme, kann den Heilungsprozess unterstützen. Sie wirkt schmerzlindernd und hilft, den Sekretstau aufzuheben. Tränken Sie dazu zum Beispiel einen sauberen Waschlappen oder eine Kompresse in heißem Wasser. Legen Sie den warmen (nicht heißen) Waschlappen auf das geschlossene Lid. Warten Sie, bis dieser abkühlt und wiederholen Sie den Vorgang ein paar Mal.

Auch eine Rotlichtlampe erzeugt Wärme und kann das Abheilen beschleunigen.

Medikamente

Spezielle Augensalben oder –tropfen, die entzündungshemmende Wirkstoffe enthalten, lindern die Entzündung. Antibiotikahaltige Tropfen oder Salben kommen nur selten zum Einsatz. Und zwar dann, wenn in die entzündete Stelle Keime eindringen und es zu einer Infektion kommt. Bei besonders hartnäckigen Hagelkörnern müssen Sie unter Umständen mehrere Wochen lang ein Antibiotikum in Tablettenform einnehmen.

Operation

Reichen die oben genannten Maßnahmen nicht aus, muss der Augenarzt eine kurze Operation unter örtlicher Betäubung durchführen. Mithilfe eines kleinen Schnitts wird das Hagelkorn eröffnet und das entzündete Gewebe entfernt.

Wichtig: Ein Hagelkorn nicht selbst aufstechen oder ausdrücken! Sonst können Keime ins Gewebe eindringen und die Wunde infizieren.

Was tun, wenn ein Hagelkorn immer wieder kommt?

Treten Hagelkörner öfters auf, empfiehlt es sich, die Augenlider einschließlich der Wimpern täglich zu reinigen. Am einfachsten gelingt dies vor einem Vergrößerungsspiegel mithilfe von sauberen und mit warmem Wasser angefeuchteten Wattestäbchen. Rät der Augenarzt dazu, können Sie per Wattestäbchen zusätzlich eine pflegende Augensalbe auftragen.

Kontaktlinsenträger sollten bei einer Lidrandentzündung und bei gehäuft auftretenden Hagelkörnern besondere Hygienemaßnahmen einhalten.

Prof. Schönfeld

Beratender Experte

Professor Dr. med. Carl-Ludwig Schönfeld ist Facharzt für Augenheilkunde. Er habilitierte sich an der Augenklinik der Universität München, wo er viele Jahre als Oberarzt tätig war. Seit 2007 ist er Partner in der operativen Gemeinschaftspraxis an der Augenklinik Herzog Carl Theodor in München. Seit 2016 ist er außerplanmäßiger Professor an der Ludwig-Maxilimians-Universiät München. Professor Schönfeld widmet sich schwerpunktmäßig der Behandlung von Netzhauterkrankungen, denen auch sein wissenschaftliches Interesse gilt, und der Glaskörperchirurgie. Außerdem wirkt der Experte als Prüfer bei Ärztlichen Staatsexamina im Fach Augenheilkunde an der Universität München mit. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit führt er zahlreiche Fortbildungskurse im In- und Ausland durch, insbesondere an osteuropäischen Hochschulen, an der Kenyatta-Universitätsklinik in Nairobi sowie in Pakistan.

Quellen

Patient Education: Chalazion. UpToDate 2018

Leitlinie Hordeolum/Chalazion, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft: http://augeninfo.de/leit/leit10.pdf (Stand: 2011)

Grehn F: Augenheilkunde, 31. Auflage 2012, Berlin Heidelberg, Springer Verlag

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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