Nasenpolypen: Therapie

Zur Therapie von Nasenpolypen verschreibt der Arzt zunächst meist Medikamente, zum Beispiel in Form von Nasensprays. Bringen Arzneien keine Besserung, kommt eventuell eine Operation infrage, bei der die Polypen entfernt werden

aktualisiert am 13.11.2014

Kortison-haltiges Nasenspray kann bei Nasenpolypen helfen


Nasenpolypen bilden sich oft auf dem Boden einer Nasennebenhöhlenentzündung. Leidet der Patient an einer akuten Infektion, wird der Arzt zunächst diese akute Erkrankung gezielt behandeln. Hier wird meist zunächst ein Nasenspray verordnet. Bei ausbleibendem Erfolg oder einer schweren Erkrankungen kommen Antibiotika zum Einsatz. Erst dann folgen weitere Therapieschritte.

Medikamente zur Behandlung von Nasenpolypen

Gegen Nasenpolypen helfen oft Medikamente, die dem körpereigenen Hormon Kortisol ("Kortison") nachempfunden sind. Solche Glukokortikoide können vor allem kleinere Nasenpolyen zum Schrumpfen bringen.

Üblicherweise verschreibt der Arzt den Wirkstoff zunächst in Form eines Nasensprays. Vorteil: Weil es nur örtlich wirkt, bleiben auch mögliche Nebenwirkungen auf den Einsatzort beschränkt. Im Gegensatz zu abschwellenden Nasensprays (mit Wirkstoffen wie Xylometazolin, Oxymetazolin) setzt der Effekt des Kortikoid-Sprays erst nach einigen Tagen ein. Wichtig ist die korrekte Anwendung: Das Spray soll in der Nase nicht in Richtung Nasenscheidewand, sondern nach außen gesprüht werden!

Bleibt der Erfolg aus, kann der Arzt alternativ Kortison-Tabletten verschreiben. Bei dieser Therapie treten manchmal unerwünschte Wirkungen auf. Sie sollte deshalb engmaschig ärztlich überwacht werden.

Ist eine Allergie der Wegbereiter für die Nasenpolypen, muss sie entsprechend behandelt werden. Der Arzt empfiehlt dann zum Beispiel Medikamente gegen die allergische Reaktion, sogenannte Antihistaminika. Der Patient sollte den Allergieauslöser nach Möglichkeit meiden. Oft kommt eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) infrage. Mehr zum Thema erfahren Sie im Ratgeber Allergie.

Bei Schmerzmittel-Unverträglichkeit kann durch eine adaptive Desaktivierung eine Besserung zu erzielen (mehr zu dieser Behandlung lesen Sie weiter unten auf dieser Seite im Abschnitt "Therapie bei Schmerzmittel-Unverträglichkeit").

Operation von Nasenpolypen

Bleibt die Medikamenten-Therapie erfolglos oder sind die Polypen bereits sehr groß, ist ein chirurgischer Eingriff in Betracht zu ziehen. Patienten lassen sich zu den Erfolgsaussichten und den möglichen Risiken am besten ausführlich individuell beraten. Denn obwohl es "nur" um Nasenpolypen geht, gilt die Operation durchaus als anspruchsvoll.

Die Entfernung einzelner, kleiner Polypen (Polypektomie) kann eventuell unter örtlicher Betäubung ambulant in einer Praxis erfolgen. Die Polypen in der Nase sind aber in der Regel nur die "Spitze des Eisbergs" – denn die Polypen entstammen ja den Nasennebenhöhlen. Deshalb ist die Polypektomie meistens keine dauerhafte Lösung.

Ausgedehnte Eingriffe finden üblicherweise unter Vollnarkose in einer Klinik unter stationären Bedingungen statt.

Bei der Operation entfernt der Arzt die Polypen "minimalinvasiv", also ohne größere Schnitte. Nahezu immer kann die OP direkt durch die Nase erfolgen. Unter endoskopischer oder mikroskopischer Sicht werden die Polypen abgetragen. Eventuell kann dazu ein rotierendes Messer (Shaver) verwendet werden.

Oft nimmt der Arzt gleichzeitig eine sogenannte Sanierung der Nasennebenhöhlen vor: Er beseitigt zum Beispiel weitere Schleimhautwucherungen. Oder er vergrößert die Öffnungen zwischen Nasennebenhöhlen und Nasenhöhle, so dass die Nebenhöhlen wieder besser belüftet werden. Manchmal kann es außerdem angebracht sein, eine schiefe Nasenscheidewand zu begradigen oder vergrößerte Nasenmuscheln zu verkleinern.

Alle Maßnahmen haben das Ziel, den Atemfluss durch die Nase zu verbessern und dafür zu sorgen, dass Sekret wieder problemlos aus Nebenhöhlen und Nase abfließen kann. Das soll einerseits Symptome wie eine erschwerte Nasenatmung lindern, andererseits neuen Polypen vorbeugen.

Wie ist die Prognose nach der OP?

Nach der Operation erfolgt eine Nachbehandlung durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Üblicherweise wird er dazu raten, noch eine Weile kortisonhaltiges Nasenspray zu verwenden, um erneuten Polypen vorzubeugen.

Bei den meisten Patienten bessern sich die Symptome durch die Operation merklich. Bei gleichzeitig bestehendem Asthma bronchiale lässt sich häufig die Dosis der Asthma-Medikamente reduzieren.

Allerdings kommt es bei nicht wenigen Patienten auf lange Sicht zu einem Rückfall. Das passiert vor allem, wenn zugrunde liegende Risikofaktoren nicht ausgeschaltet werden können.

Therapie bei Schmerzmittel-Unverträglichkeit

Auch bei einer Schmerzmittel-Unverträglichkeit wachsen Nasenpolypen nach einem Eingriff häufig wieder nach. Generell müssen die Betroffenen alle Schmerzmittel meiden, die bei ihnen unerwünschte Wirkungen hervorrufen könnten. Am besten erstellen sie gemeinsam mit ihrem Arzt eine Liste aller fraglichen Arzneien sowie eine Liste von Ausweichpräparaten.

Daneben gibt es für die Betroffenen eine Therapie-Option – die adaptive Desaktivierung. Basis dieser Behandlungsmethode ist folgende Beobachtung: Kommt es in den ersten Stunden und Tagen nach einer Unverträglichkeits-Reaktion erneut zu einem Kontakt mit dem Schmerzmittel, erleiden die Patienten meist weniger heftige Symptome als beim ersten Mal.

Dieses Zeitfenster nützen Ärzte, um den Stoffwechsel des Patienten – vereinfacht gesagt – an ansteigende Dosen des Medikaments zu gewöhnen. Ob die Behandlung im Einzelfall infrage kommt, sollte individuell mit dem Arzt besprochen werden. Die Therapie muss gut geplant und engmaschig ärztlich überwacht werden. Sie erfordert ein hohes Maß an Mitarbeit durch den Patienten. Und sie muss dauerhaft erfolgen, Nebenwirkungen sind selten.