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Acetylsalicylsäure (ASS): Wie die Arznei wirkt, wichtige Hinweise

ASS ist ein Schmerzmittel, das unter anderem Kopfschmerzen lindert und zur Vorbeugung von Blutgerinnseln (Thrombosen) dient. Mehr zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 09.09.2019

Das Wichtigste zu ASS – kurz erklärt

  • Acetylsalicylsäure, kurz: ASS, ist ein Schmerzmittel, das zudem entzündungshemmend und fiebersenkend wirkt.
  • Da es auch die Blutgerinnung hemmt, wird es in niedriger Dosierung eingesetzt, um einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen.
  • Am häufigsten ruft ASS im Magen-Darm-Trakt Nebenwirkungen hervor.
  • Wer den Arzneistoff zusammen mit bestimmten anderen Mitteln einnimmt, sollte wissen: die Gefahr von Blutungen im Körper nimmt zu.

Wofür wird ASS angewendet?

Acetylsalicylsäure lindert unter anderem Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen. Bei einer Erkältung senkt der Wirkstoff zudem Fieber.

In niedriger Dosierung – häufig 100 Milligramm – verschreiben Ärzte und Ärztinnen ASS, um einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen, wenn Sie dafür ein erhöhtes Risiko haben. ASS wird auch bei einem akuten Infarkt, zusammen mit anderen Medikamenten, als Notfallmittel eingesetzt.

Wie wirkt Acetylsalicylsäure?

ASS gehört zu den sogenannten nichtsteroidalen Antiphlogistika, kurz: NSAIDs (Non-Steroidal Anti-Inflammatory Drugs). Das bedeutet so viel wie: ASS ist ein entzündungshemmendes Mittel, das aber kein Steroid ist, also kein Kortison. Es wirkt auch schmerzstillend und fiebersenkend.

Seine Wirkungen entfaltet Acetylsalicylsäure, indem der Stoff das Enzym Cyclooxygenase hemmt. Mithilfe dieses kleinen Eiweißes entstehen im Körper unter anderem bestimmte Gewebshormone, die Prostaglandine. Sie spielen bei Schmerz und Entzündung eine zentrale Rolle, schützen aber auch die Schleimhäute und lösen beispielsweise die Wehen mit aus.

ASS verhindert darüber hinaus, dass die Blutplättchen (Thrombozyten) miteinander verklumpen. Es wirkt blutgerinnungshemmend, umgangssprachlich auch "blutverdünnend" genannt, und kann so einem Blutgerinnsel (Thrombose) vorbeugen. Wieder dient das Enzym Cyclooxygenase als Angriffspunkt. Denn über das Eiweiß wird ein Stoff hergestellt, der die Blutgerinnung beeinflusst. ASS blockiert das Enzym unwiderruflich, weshalb der Effekt auf die Blutgerinnung mehrere Tage anhält – bis die Thrombozyten neu gebildet werden.

Was ist bei der Anwendung zu beachten?

ASS wirkt normalerweise rasch, nach circa 10 bis 30 Minuten. Den Wirkstoff gibt es in verschiedenen Arzneiformen, meistens als Tablette oder Brausetablette. Tabletten nehmen Sie am besten mit einem Glas Wasser ein, die Brause lösen Sie vorher in Wasser auf. Wenden Sie ASS nach Möglichkeit nicht auf nüchternen Magen an. So vertragen Sie es besser. ASS steckt auch in Medikamenten, die weitere Wirkstoffe enthalten, zum Beispiel in bestimmten Erkältungsmitteln.

Nehmen Sie ASS als blutgerinnungshemmendes Mittel dauerhaft ein, dann weisen Sie den Arzt oder das Krankenhaus unbedingt daraufhin, wenn Sie operiert werden sollen. Das gilt auch, wenn es sich nur um einen kleinen Eingriff handelt, zum Beispiel beim Zahnarzt. Da ASS das Blut "verdünnt", kann dies bei Operationen zu Problemen führen.

Wichtig: Wenden Sie rezeptfreie Schmerzmittel wie ASS, die Sie wegen Fieber oder Schmerzen einnehmen, nicht länger als drei bis vier Tage an – es sei denn, der Arzt oder die Ärztin hat explizit etwas anderes empfohlen!

Häufige Schmerzen sollten Sie vom Arzt abklären lassen. Wenn Sie an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzen haben, welche die Einnahme von ASS nötig machen, sollten Sie zum Arzt gehen. Außerdem: Wer ASS zu häufig anwendet, kann sogar durch das Mittel Kopfschmerzen bekommen.

Welche Nebenwirkungen kann ASS hervorrufen?

Pharmazeutische Hersteller müssen im Beipackzettel alle bekannt gewordenen Nebenwirkungen auflisten. Deshalb ist dieser Abschnitt oft sehr lang und wenig vertrauenserweckend.

"Sehr häufig" bedeutet zum Beispiel: Bei zehn oder mehr als zehn Prozent der Anwender stellen sich Nebenwirkungen ein. "Häufig" heißt: Bei einem oder mehr als einem Prozent der Menschen, aber bei weniger als zehn Prozent von ihnen, kommt es zu Nebenwirkungen. Mit "gelegentlich" ist gemeint: Im Schnitt verspüren 0,1 Prozent oder mehr der Behandelten, aber weniger als ein Prozent von ihnen, unerwünschte Begleiterscheinungen.

Dieser Text führt vor allem die "sehr häufigen", "häufigen" und "gelegentlichen" unerwünschten Wirkungen auf und weist auf besonders gefährliche hin. Er ersetzt nicht den Beipackzettel und gibt diesen nicht vollständig wieder.

Am häufigsten löst ASS Nebenwirkungen im Verdauungstrakt aus. Zum Beispiel: Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall. Häufig kommt es zu winzigen Blutungen in der Schleimhaut von Magen und Darm, teilweise auch zu einer Entzündung der Magenschleimhaut oder im Zwölffingerdarm.

Der Grund: Das Schmerzmittel verringert die Bildung der Prostaglandine, die unter anderem einen schleimhautschützenden Effekt besitzen. Ist die Schleimhaut lädiert, kann die aggressive Magensäure diese eher schädigen. Um dem vorzubeugen, verschreiben Ärzte und Ärztinnen oft ein Mittel, das die Magensäurebildung hemmt, wenn Sie ASS zum Beispiel wegen akuter Schmerzen einnehmen müssen.

Das Risiko für Blutungen im Verdauungstrakt und anderen Organen nimmt zu, wenn Sie zusätzlich zu Acetylsalicylsäure eine weitere blutgerinnungshemmende Arznei anwenden. Dazu gehören Wirkstoffe wie Phenprocoumon, Clopidogrel und Ticagrelor. Blutungen, die ASS und die anderen Mittel auslösen, kommen selten vor, können aber lebensgefährlich werden.

Gelegentlich kann die Einnahme von ASS allergische Reaktionen auf der Haut hervorrufen. Durch die Arznei kann es zudem zu Kopfschmerzen und Schwindel kommen.

Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt "wer ASS nicht anwenden sollte".

 

Mögliche Wechselwirkungen von ASS

Wenn Sie Acetylsalicylsäure zusammen mit anderen Blutgerinnungshemmern einnehmen, erhöht sich die Gefahr von Blutungen (siehe Abschnitt Nebenwirkungen). Diese Kombination sollten Sie vermeiden. Also beispielsweise nicht ASS bei akuten Schmerzen oder einem Infekt anwenden, wenn Sie gleichzeitig ein Mittel wie Clopidogrel einnehmen. Achten Sie bei Erkältungsmitteln darauf, ob Acetylsalicylsäure als Inhaltsstoff aufgeführt wird.

Das Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Trakt nimmt zu, wenn Sie gleichzeitig ASS und ein weiteres Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAIDs (siehe Abschnitt Wirkung) nehmen. Dazu zählen unter anderem Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen. Die gemeinsame Gabe von ASS und Ibuprofen empfiehlt sich aus einem weiteren Grund nicht: Ibuprofen schwächt wahrscheinlich den blutverdünnenden Effekt von ASS ab. Nehmen Sie die Arznei dauerhaft in geringer Konzentration ein, um einem Herzinfarkt vorzubeugen, kann die Wirkung von ASS daher möglicherweise nachlassen.

Unerwünschte Effekte im Verdauungstrakt erhöhen sich auch, wenn Sie Kortisonpräparate mit ASS kombinieren oder Alkohol trinken. Sie sollten den Arzneistoff meiden, wenn Sie das Mittel Methotrexat anwenden, da dessen Wirkung durch ASS verstärkt wird. Umgekehrt kann Acetylsalicylsäure die Wirkung von blutdrucksenkenden Präparaten wie Furosemid oder Captopril abschwächen, ebenso die von Gichtmitteln. Das spielt aber vermutlich nur eine Rolle, wenn Sie die Medikamente längere Zeit gemeinsam anwenden.

Weshalb Sie ASS und Ibuprofen nicht gemeinsam anwenden sollten:

Wer sollte/darf ASS nicht anwenden?

Menschen mit einem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel dürfen ASS nicht einnehmen. Bei dieser Krankheit handelt es sich um einen angeborenen Enzymdefekt, der vor allem in Afrika vorkommt und zu einer Blutarmut führt. Durch ASS können sich im schlimmsten Fall die roten Blutkörperchen auflösen – eine sehr seltene, aber lebensgefährliche Nebenwirkung.

Wer Asthma hat oder auf Acetylsalicylsäure allergisch reagiert, darf die Arznei nicht anwenden. Dies gilt auch für Menschen mit einer erhöhten Neigung zu Blutungen sowie mit akuten Blutungen, vor allem im Verdauungstrakt. Wer an einer schweren Herzmuskelschwäche leidet oder an einer stark eingeschränkten Leber- oder Nierenfunktion, sollte die Einnahme von ASS unbedingt vorher mit dem Arzt abklären.

Für Kinder unter 12 Jahren darf ASS bei fiebrigen Infekten nicht angewendet werden. In sehr seltenen Fällen kann es zum sogenannten Reye-Syndrom kommen. Das ist eine Erkrankung, bei der Gehirn und Leber Schaden nehmen und die sich unter anderem durch starkes Erbrechen, Fieber und getrübtes Bewusstsein äußert. Das Syndrom tritt vor allem auf, wenn Kinder einen akuten Infekt haben und ASS bekommen.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft sollten Sie auf ASS verzichten. In den ersten beiden Dritteln sollten Sie sich genau mit der Frauenärztin abstimmen, ob Sie den Arzneistoff nehmen können oder besser auf ein anderes Mittel ausweichen.

Hinweis: Dieser Text enthält nur allgemeine Informationen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Lesen Sie sich unbedingt die Packungsbeilage Ihres Medikaments genau durch und lassen sich von Ihrem Arzt und Apotheker beraten.

Quellen:

Fachinformationen zu Acetylsalicylsäure. Online: https://www.fachinfo.de/

Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité Berlin: Acetylsalicylsäure, 2018. Online: https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/acetylsalicylsaeure/ (Abgerufen: 08/2019)

Hinneburg I: Interaktionen in der Selbstmedikation, 2. Auflage, Deutscher Apotheker Verlag 2013

Morck H, Strehl E: Unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Govi-Verlag 2014

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Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS): S2k Leitlinie Gastrointestinale Blutung, Leitlinie 05/2017. Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-028l_S2k_Gastrointestinale_Blutung_2017-07.pdf (Abgerufen 09/2019)