Konisation

Frühformen und bestimmte Vorstufen eines Gebärmutterhalskrebses behandeln Ärzte mit einer Konisation. Dabei tragen sie einen kegelförmigen Anteil vom Gebärmutterhals ab

von Dr. med. Dagmar Schneck, aktualisiert am 23.04.2015

Konisation: Entnahme eines Gewebekegels (Konus) aus dem Gebärmutterhals


Wie entstehen Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals?

Der Gebärmutterhals verbindet die Gebärmutter mit der Scheide. Er öffnet sich im äußeren Gebärmuttermund zur Scheide hin. Der Gebärmuttermund ist ein sehr empfindlicher Übergangsbereich zwischen der drüsenhaltigen Schleimhaut des Gebärmutterhalskanals und der Schleimhaut, welche die äußeren Anteile des Gebärmutterhalses überzieht. In diesem Bereich bilden sich besonders leicht Zellveränderungen, vor allem, wenn eine Infektion mit bestimmten humanen Papillomviren (HPV) vorliegt. Dabei handelt es sich um sogenannte Hochrisikotypen von HPV, die eine dauerhafte Infektion am Gebärmutterhals verursachen können und wesentlichen Anteil an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs haben (Vorbeugung einer HPV-Infektion siehe letzter Absatz).

Die Veränderungen an der Schleimhaut des Muttermundes können unterschiedlich stark ausfallen. Sind die Zellveränderungen bösartig, spricht man von Gebärmutterhalskrebs. Dieser Krebs ist der vierthäufigste Krebs bei Frauen weltweit und kann auch junge Frauen befallen. Anfangs machen ein Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstadien meist keine Beschwerden. Erst in weiter fortgeschrittenen Stadien treten öfter Symptome wie Schmierblutungen, Ausfluss und Schmerzen im Unterleib, im Beckenbereich oder beim Sex auf.

Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs und seiner Vorstufen

Um Gebärmutterhals und seine Vorstufen möglichst frühzeitig zu entdecken, zahlen die gesetzlichen Versicherungen Früherkennungsuntersuchungen. Diese können alle Frauen ab dem zwanzigsten Geburtstag einmal jährlich wahrnehmen, eine Altersobergrenze gibt es nicht. Auch private Krankenversicherungen übernehmen grundsätzlich die Kosten für die Krebsfrüherkennung. Privat versicherte Frauen sollten im Zweifelsfall bei ihrer Krankenkasse nachfragen, welche Leistungen im Einzelnen laut Vertrag bezahlt werden.

Zur Früherkennung beim Frauenarzt gehört ein Abstrich vom äußeren Muttermund und Gebärmutterhalskanal, der sogenannte Pap-Test. Findet der Arzt in diesem Abstrich bestimmte Veränderungen der Zellen, ist der nächste Schritt eine Lupenbetrachtung des Muttermundes mit Hilfe einer Art Mikroskop, eine sogenannte Kolposkopie. Diese Untersuchung lässt sich auf einem angeschlossenen Bildschirm verfolgen. Außerdem entnimmt der Arzt aus auffälligen Bereichen eine Gewebeprobe. Diese Proben, von Medizinern Biopsien genannt, werden anschließend im Labor untersucht. Manchmal nimmt der Arzt auch gleich eine Konisation vor zur Abklärung eines auffälligen Pap-Ergebnisses, das eine schwere Zellveränderung (Dysplasie) zeigt.

Einteilung von Veränderungen in Gewebeproben

In der entnommenen Gewebeprobe können Spezialisten sehen, ob Gebärmutterhalskrebs oder eine Vorstufe vorliegt. Die Vorstufen heißen in der Fachsprache Cervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN) Grad 1 bis 3. Ab einer CIN Grad 3 bestehen teils fließende Übergänge zu einem sogenannten Carcinoma in situ. Das ist eine sehr frühe Stufe des Gebärmutterhalskrebses: Er hat noch nicht die Grenze der Schleimhaut überschritten.

Manche Vorstufen können sich im Laufe der Zeit wieder zurückbilden. Ungefähr sechzig Prozent der erstgradigen Dysplasien, die CIN 1, bilden sich zurück, und vierzig Prozent der CIN Grad 2. Wie wahrscheinlich eine Rückbildung ist, hängt unter anderem vom Alter ab: Sie ist bei Frauen vor dem dreißigsten Lebensjahr deutlich häufiger als nach dem dreißigsten Lebensjahr (nach der aktuellen Münchner Nomenklatur III werden diese Dysplasien jetzt der Befundgruppe IIID1 und IIID2 zugeordnet: Dysplasien mit größerer Rückbildungsneigung).

Bleiben die Veränderungen auch nach einer entzündungshemmenden Behandlung und weiteren Kontrolluntersuchungen bestehen, oder nimmt der Grad der Veränderung sogar noch zu, wird der Arzt vorschlagen, sie abzutragen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie sich zu einem Gebärmutterhalskrebs weiterentwickeln. Ein übliches Verfahren, die Veränderungen zu entfernen, ist die Konisation.

Frühe Stadien eines Gebärmutterhalskrebses behandeln die Ärzte je nach Situation der betroffenen Frau ebenfalls mit einer Konisation. Oder sie entfernen die Gebärmutter vollständig oder teilweise.

Wie läuft eine Konisation ab?

Mögliche Operationsinstrumente sind Skalpell, Laser oder Elektroschlinge. Am häufigsten setzen Ärzte aktuell die Schlinge ein. Damit können sie leichter gesundes Gewebe erhalten. Die Schlingenkonisation ist in geübter Hand ein kleiner Eingriff, der meist ambulant und entweder in Vollnarkose, örtlicher Betäubung oder Rückenmarknarkose (Spinalanästhesie) erfolgen kann.

Zuerst desinfiziert und spreizt der Arzt die Scheide und bringt ein Kolposkop in Stellung. Dann entfernt er unter kolposkopischer Sicht ein kegelförmiges Stück (Konus) aus dem Gebärmutterhals. Dabei entfernt er vor allem bei Frauen, die ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen haben, möglichst wenig Gewebe. Deshalb wählt er in solchen Fällen einen flachen Kegel. Denn je weniger Gewebe er abträgt, desto geringer ist das Risiko einer Frühgeburt in einer späteren Schwangerschaft. Andererseits ist es aber wichtig, dass der Arzt das veränderte Gewebe vollständig erfasst.

Bei Frauen nach den Wechseljahren entstehen die Veränderungen oft verstärkt innerhalb des Gebärmutterhalses. Deshalb führen die Ärzte im Normalfall statt einer eher flachen Konisation eine spitze, tiefere Konisation durch.

Häufig wird der Eingriff mit einer Ausschabung der Schleimhaut im Gebärmutterhals kombiniert.

Was sind mögliche Komplikationen einer Konisation?

Komplikationen bei der Operation sind selten. Gelegentlich kommen Verletzungen von Scheide und Gebärmutter durch die Operationsinstrumente vor, noch seltener ist ein Durchstoßen von benachbarten Organen und Strukturen wie Darm, Blase, Harnleiter oder Blutgefäßen. Nur in wenigen Einzelfällen ist im Verlauf einer Konisation eine Bauchoperation zur Blutstillung nötig.

Ebenfalls selten treten Wundinfektionen oder Entzündungen von Gebärmutter, Eileiter oder Harnblase auf. Diese Infektionen lassen sich in aller Regel durch Antibiotika gut beheben. Falls der Muttermund nach der Konisation verklebt, können sich Blut oder Flüssigkeit in der Gebärmutter ansammeln und Schmerzen verursachen. Diese Verklebungen muss der Frauenarzt dann gegebenenfalls durch einen weiteren Eingriff lösen.

Wie geht es nach der Konisation weiter?

Bei einem komplikationslosen Verlauf haben die Patientinnen normalerweise wenig Schmerzen. Im Rahmen der Heilung der Operationswunde können leichte Blutungen oder hellroter Ausfluss auftreten. Bei stärkeren Blutungen suchen Sie bitte Ihren Frauenarzt auf. Nachblutungen treten am häufigsten etwa eine Woche nach der Konisation auf, weil sich dann der Wundschorf abstößt.

Auch wenn alles nach Plan läuft, sollte nach etwa vier Wochen eine Kontrolle beim Frauenarzt erfolgen. Bis dahin ist auch die histologische (feingewebliche) Untersuchung des Operationsmaterials abgeschlossen und Sie erfahren, welche Nachuntersuchungen nötig sind.

Verhaltensregeln nach einer Konisation

Nach einer Konisation raten Frauenärzte für etwa drei bis vier Wochen von Vollbädern und Schwimmbadbesuchen ab. Nicht zu empfehlen ist auch die Benutzung von Tampons sowie Geschlechtsverkehr in diesem Zeitraum.

Kontrollen nach der Konisation

Im Idealfall konnte der Arzt das veränderte Gewebe vollständig (medizinisch: "im Gesunden") entfernen. Dann sind drei Kontrollabstriche im Abstand von vier bis sechs Monaten nötig. Denn auch wenn das veränderte Gewebe vollständig entfernt wurde, kann die Dysplasie neu auftreten. Waren die Kontrollabstriche alle in Ordnung, können Sie wieder zu der üblichen Kontrolle einmal im Jahr übergehen.

Bei bis zu 15 Prozent der Konisationen reichen die Gewebeveränderungen bis an den Rand des entnommenen Gewebekegels hin. Ärzte nennen das einen "positiven Absetzungsrand". In diesem Fall besteht ein gewisses Risiko, dass es weiterhin verändertes Gewebe am Gebärmutterhals gibt. Deshalb sind hier häufigere und intensivere Nachuntersuchungen wichtig. Das bedeutet, dass zusätzlich zu den Abstrichen alle drei bis vier Monate eine Kontroll-Kolposkopie erfolgen sollte. Sind in den folgenden 12 bis 18 Monaten alle Untersuchungen unauffällig, sind auch hier regelmäßige Abstriche einmal im Jahr ausreichend.

Generell gilt, dass das Risiko für erneute Gewebeveränderungen (Dysplasien) höher ist, wenn eine Infektion mit Hochrisikotypen des HPV-Virus (inbesondere Typ 16 und 18) stattgefunden hat. Diese Frage lässt sich mit Hilfe von Zellproben klären, die der Arzt per Abstrich entnimmt. Lassen Sie sich von Ihrem Frauenarzt beraten, wann der Test sinnvoll ist und wann die Krankenkasse die Kosten erstattet.

Spätfolgen nach Konisation

Einer Schwangerschaft steht nach einer Konisation nichts im Wege. Allerdings verändert dieser Eingriff Form und Weite des Muttermundes. Daraus können sich unterschiedliche Folgen für eine Schwangerschaft ergeben. Zum einen sind zum Beispiel Frühgeburten häufiger. Andererseits ist durch Narben am Muttermund aber auch ein verzögerter Geburtsverlauf möglich. Betroffene Schwangere wird der Frauenarzt engmaschig betreuen.

Wie lässt sich Gebärmutterhalskrebs vorbeugen?

Gehen Sie regelmäßig zur Krebsfrüherkennungsuntersuchung und halten Sie nach einer Konisation die vorgesehenen Kontrolltermine ein. Für weitergehenden Beratungsbedarf gibt es auch spezialisierte Dysplasiesprechstunden und -ambulanzen.

Der wichtigste Auslöser, damit Gebärmutterhalskrebs entsteht, ist vermutlich eine HPV-Infektion. Um einer Infektion mit HPV-Viren vorzubeugen, empfiehlt die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren. Auch Frauen ab 18 sowie Jungen und Männer profitieren vermutlich von der Impfung. Allerdings müssen sie die Impfung in der Regel selbst bezahlen.

Als weiterer Faktor für die Entstehung von Gewebeveränderungen gilt das Rauchen. Ein Rauchstopp kann sich deshalb günstig auswirken.

Beratende Experten: Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Quellen:
1. Beckmann M, Mallmann P: 2K-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Zervixkarzinoms Stand 2008, Online: www.frauenarzt.de/1/2008PDF/08-06/2008-07-06-zervixkarzinom.pdf (Abgerufen am 09.05.2014)
2. Interdisziplinäre S 2-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie des Zervixkarzinoms Stand 2009. Online: www.ago-online.de/fileadmin/downloads/leitlinien/uterus/s2_leitlinie_cx_ca_240104.pdf (Abgerufen am 09.05.2014)
3. Hefler L: Information zur Konisation. Online: http://www.konisation.at/seiten/konisation_2.html (Abgerufen am 09.05.2014)
4. Operation von Gebärmutterhalskrebs, Information der Klinik für Gynäkologie der Charité Berlin. Online: http://frauenklinik.charite.de/behandlung/gebaermutterhalskrebs/therapie/operation (Abgerufen am 09.05.2014)
5. Zentrum für Krebsregisterdaten des RKI, Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) Stand 09.05.2014. Online: www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Gebaermutterhalskrebs/gebaermutterhalskrebs.html (Abgerufen am 09.05.2014)
6. Deutsches Krebsforschungszentrum: Gebärmutterhalskrebs: Ursachen und Risikofaktoren. Online: www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/gebaermutterhalskrebs/risikofaktoren.php (Abgerufen am 23.06.2014)
7. Griesser H, Breinl H, Jordan B: Gynäkologische Dysplasien: Münchner Nomenklatur III. Deutsches Ärzteblatt Jg. 111, Heft 15, 11. April 2014

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.