Hodenkrebs

Hodenkrebs ist ein bösartiger Tumor. Vor allem Männer zwischen 20 und 40 Jahren erkranken an dieser Krebsart, die gute Heilungschancen hat

aktualisiert am 27.11.2017
Hodenkrebs

Hodenkrebs kann man oft ertasten


Hodenkrebs - kurz zusammengefasst

Vor allem Männer zwischen 20 und 40 Jahren erkranken an Hodenkrebs. Zwischen 14 und 45 ist eine monatliche Selbstuntersuchung der Hoden daher besonders wichtig. Hodenvergrößerungen, -verhärtungen und ähnliche Veränderungen sollten immer zum Arzt führen. Denn Hodenkrebs lässt sich gut behandeln: Die Heilungsraten liegen bei über 90 Prozent.

Was ist Hodenkrebs?

Insgesamt gehört Hodenkrebs zu den eher seltenen Tumoren. Dennoch ist er bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren die häufigste Krebsart. Gut 90 Prozent aller Hodentumore entstehen aus entartetem Keimzellgewebe (germinale Tumore) und lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: in sogenannte Seminome und Nicht-Seminome.

Reine Seminome bestehen nur aus einer Gewebeart. Nicht-Seminome sind bösartige Hodentumoren, die nicht zu den reinen Seminomen zählen, die also aus verschiedenen Gewebearten bestehen können. Zu diesen gehören embryonales Karzinom, Chorionkarzinom, Dottersacktumor, undifferenziertes Teratom oder eine Kombination dieser Gewebearten (auch mit Seminomanteilen).

Hoden (Schematische Darstellung)

Der männliche Hoden ist ein etwa pflaumengroßes, eiförmiges paariges Organ. Er liegt im Hodensack (Skrotum) und wiegt 25 bis 30 Gramm. Der Hoden ist von einer festen Bindegewebskapsel umgeben und besteht aus bis zu 300 pyramidenförmigen Läppchen.

Darin verlaufen mehrere, stark verknäuelte Hodenkanälchen, die in ein System von Ausführungsgängen münden (Hodennetz, Rete testis). Zwischen den Hodenkanälchen liegen die Leydig-Zwischenzellen, die das männliche Sexualhormon Testosteron bilden. Der Hoden gehört zu den Keimdrüsen (Gonaden). Er produziert Spermien sowie männliche Geschlechtshormone (Androgene, vor allem Testosteron).

Prognose

Je früher Hodenkrebs erkannt und behandelt wird, umso besser ist die Prognose. Wird ein Seminom in frühem Stadium entdeckt, liegen die Heilungschancen bei nahezu 100 Prozent. Auch fortgeschrittene Seminome haben normalerweise eine gute Prognose. Bei zeitig erkannten Nicht-Seminomen ist die Chance auf Heilung ebenfalls sehr gut, sie beträgt insgesamt über aller Tumorarten und -stadien hinweg über 90 Prozent.

Hodenhochstand

Ursachen und Risikofaktoren

Welche Ursachen dieser Tumor hat, wissen Experten momentan noch nicht genau. Vermutlich spielen sowohl erbliche Faktoren als auch Umwelteinflüsse eine Rolle bei der Enstehung von Hodenkrebs. Einige gesicherte Risikofaktoren sind jedoch bekannt:

  • Hodenhochstand: Männer mit angeborenem Hodenhochstand haben ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken. Dieses Risiko bleibt auch bestehen, wenn der Hodenhochstand nur eine gewisse Zeit vorlag oder entsprechend behandelt wurde.
  • Hodenkrebs in der Familie: Hodenkrebs kommt familiär gehäuft vor, was für eine genetische Veranlagung spricht. Ist ein Bruder oder der Vater betroffen, so ist das Hodenkrebs-Risiko für den entsprechenden Verwandten deutlich erhöht
  • Hodenkrebs an einem Hoden, Krebsvorläuferzellen im Hoden: Wissenschaftler gehen davon aus, dass Krebs-Vorläuferzellen bereits in der vorgeburtlichen Entwicklungsphase (Embryonalphase) entstehen. Aus diesen sogenannten TIN-Zellen (TIN = Testikuläre Intraepitheliale Neoplasie) können sich später – vor allem unter hormonellem Einfluss ab der Pubertät – Krebszellen entwickeln.
  • Fruchtbarkeitsprobleme

Symptome

Kleine Hodentumore bereiten normalerweise keine Beschwerden. Eine tastbare, nicht schmerzende Verhärtung im Hodensack kann jedoch auf Hodenkrebs hinweisen. Auch wenn sich ein Hoden vergrößert beziehungsweise anschwillt, kann das ein Anzeichen für einen Tumor sein. 

Schmerzen treten – wie gesagt – eher selten auf. Einige Betroffene klagen allerdings über ziehende Schmerzen in einem Hoden. Dieser fühlt sich manchmal auch schwerer an als der andere Hoden. Dies kann durch den Tumor selbst, aber auch durch eine Flüssigkeitsansammlung im Hodensack bedingt sein.

 

Untersuchung der Hoden

Selbstuntersuchung: Hodenkrebs ertasten

Wer regelmäßig seine Hoden selbst untersucht, erhöht die Chance, den Hodenkrebs in einem frühen und gut behandelbaren Stadium zu erkennen. Urologen empfehlen Jungen und Männern zwischen 14 und 45 Jahren, ihre Hoden einmal monatlich abzutasten. Am besten im Stehen unter der warmen Dusche, damit die Haut des Hodens entspannt ist.

So geht die Selbstuntersuchung der Hoden:

  • Betrachten Sie zunächst Ihre Hoden mithilfe eines Spiegels: Haben sich diese oder einer von ihnen in Größe, Form oder Aussehen verändert? 
  • Tasten Sie Ihre Hoden anschließend vorsichtig ab: Zuerst die Handfläche der leicht geöffneten Hand von unten an den Hodensack legen. Die Hoden von dort vorsichtig abtasten und leicht auf und ab bewegen. Fühlt sich einer schwerer an als der andere? Spüren Sie Schmerzen?
  • Dann erst den einen und anschließend den anderen Hoden zwischen Daumen und Zeige- sowie Mittelfinger abtasten. Dabei leicht hin und her rollen und auf Unebenheiten, Knoten und Verhärtungen achten.

Oben auf den Hoden können Sie auch den etwas weicheren Nebenhoden ertasten (siehe Bild).

Gehen Sie umgehend zum Arzt, wenn Sie Veränderungen oder Auffälligkeiten am Hoden bemerken!

Hodenkrebs

Diagnose

Liegt ein Verdacht auf Hodenkrebs vor, untersucht der Urologe zunächst die Hoden und klärt mögliche Risikofaktoren des Patienten ab. 

Daran schließt sich eine schmerzlose Ultraschall-Untersuchung des Hodens und der Bauchorgane an, mit der der Arzt einen möglichen Tumor bildlich darstellen kann.

Eine Blutabnahme kann unter anderem Auskunft über sogenannte Tumormarker geben. Viele Hodentumore produzieren verstärkt das Eiweiß Alpha-Fetoprotein (AFP). Daneben können erhöhte Blutwerte des Hormons Beta-Humanes Chorion-Gonadotropin (ß-HCG) und der Laktatdehydrogenase (LDH) auf Hodenkrebs hindeuten.

Nicht alle Betroffene bilden solche Tumormarker und nicht jede Erhöhung dieser Werte weist tatsächlich auf einen Hodentumor hin. Trotzdem sind Tumormarker bei Hodentumoren ein wichtiges Instrument zur Diagnosestellung und Verlaufskontrolle.

Nur eine Gewebeprobe kann die Diagnose Hodenkrebs eindeutig bestätigen oder ausschließen. Meist erfolgt die Gewebeentnahme im Rahmen eines operativen Eingriffes. Bestätigt sich der Verdacht auf Hodenkrebs, wird der Arzt dann direkt den betroffenen Hoden einschließlich des Samenstrangs entfernen.

Bei klinischem Verdacht auf eine Ausbreitung der Erkrankung in andere Organe (Metastasenbildung) sind weitere bildgebende Verfahren (z.B. CT, MRT) erforderlich. Diese können vor oder nach der Operation stattfinden.

Kurzfassung der Stadieneinteilung

Auf Basis der TNM-Klassifikation und der Entwicklung der Tumormarker nach der Operation erfolgt eine Einteilung in sogenannte klinische Stadien – benannt nach dem englischen "Clinical Stage" = CS.

 

CS I kein Hinweis auf Lymphknotenmetastasen oder Absiedelung in andere Organe (Fernmetastasen) und Normalisierung der Tumormarker im Blut nach der Hodenentfernung
CS II A Lymphknotenmetastasen, die hinter dem Bauchfell liegen bis maximal zwei Zentimeter im größten Durchmesser
CS II B Lymphknotenmetastasen, die hinter dem Bauchfell liegen und im größten Durchmesser zwischen zwei und fünf Zentimter messen
ab CS II C bis CS III C Lymphknotenmetastasen über fünf Zentimeter Durchmesser und/oder Fernmetastasen

 

Im Krankenhaus: Ein Patient bekommt eine Infusion

Therapie

Um das bösartige Gewebe zu entfernen, muss ein Chirurg in der Regel den kompletten Hoden durch eine Operation entnehmen. Diesen Eingriff bezeichnet man als Orchiektomie.

Welche Therapiemethoden sich an die Operation anschließen, hängt zum einen von der Art des Hodentumors ab, also davon, ob es sich also um ein Seminom oder Nicht-Seminom handelt. Zum anderen davon, wie weit die Krebserkrankung fortgeschritten ist. In jedem Fall sollte ein entsprechender Spezialist den Behandlungsplan erstellen. Zusätzliche Sicherheit kann die Einholung einer Zweitmeinung geben. Bitten Sie Ihren behandelnden Arzt darum oder wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse oder entsprechende Zweitmeinungszentren.

Prinzipiell kommen als Nachbehandlung bei Seminomen eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie infrage. Manchmal kann man auch erst einmal noch unter genauer ärztlicher Kontrolle abwarten, ob überhaupt eine weitere Therapie angezeigt ist. Bei Nicht-Seminomen ist die übliche Nachbehandlung eine Chemotherapie. Aber auch hier gibt es Fälle, in denen erst einmal unter ärztlicher Kontrolle abgewartet werden kann, ob eine solche Maßnahme überhaupt notwendig ist.

Bei der Hälfte der Hodenkrebspatienten liegt zum Zeitpunkt der Diagnose bereits eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit vor, die durch Operation und Chemotherapie, eventuell auch durch Strahlentherapie noch weiter eingeschränkt werden kann. Deshalb sollte jeder Patient vor der Behandlung darauf hingewiesen werden, dass die Möglichkeit besteht, den eigenen Samen in einer Samenbank tiefgefroren zu konservieren.

Manchmal kann es – bedingt durch den Krebs – zu einer erniedrigten Testosteronproduktion kommen, die im Einzelfall die Lebensqualität einschränken und zu weiteren gesundheitlichen Störungen führen kann. In diesen Fällen kommt eine Testosterongabe infrage.

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Weitere Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.: Hodenkrebs (Hodenkarzinom). Online: http://www.urologenportal.de/patienten/patienteninfo/patientenratgeber/hodenkrebs-hodenkarzinom.html?_ga=2.268220942.1490220023.1505378241-1585776592.1502283758 (Abgerufen am 27.11.2017)

Deutsche Krebsgesellschaft: Hodenkrebs. Online: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/hodenkrebs.html (Abgerufen am 27.11.2017)

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.: Keimzelltumoren des Mannes. Online: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/keimzelltumoren-des-mannes (Abgerufen am 27.11.2017)

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.: www.hodencheck.de. Online: http://www.hodencheck.de (Abgerufen am 27.11.2017)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.