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FFP2-Masken für Privatpersonen: Sinnvoll?

Immer häufiger trifft man auf Maskenmuffel. Um sich selbst zu schützen, möchten viele Menschen darum beim Einkaufen oder im Bus FFP2-Masken tragen. Wir erklären, wie vernünftig das ist

von Christian Wolf, aktualisiert am 04.09.2020
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FFP2-Masken müssen gut sitzen, damit sie den Träger schützen


Die Infektionszahlen steigen wieder in Deutschland. Einen der möglichen Gründe dafür kann man tagtäglich selbst erblicken. Immer wieder sieht man Maskenmuffel, – selbst in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen, wo eigentlich Maskenpflicht herrscht. Beliebt ist auch der schlechte Kompromiss: Maske über dem Mund, die Nase unbedeckt.

Um sich selbst vor den Maskenverweigerern zu schützen, überlegen sich immer mehr Menschen zu den so genannten FFP2-Masken zu greifen. Diese Filterpartikelmasken sind eigentlich für Pflegekräfte oder Ärzte gedacht, wenn sie infizierte Patienten behandeln. Man atmet dabei über einen Filter, der größere Partikel wie die Tröpfchen, die die Viren enthalten, aus der Atemluft entfernt.

Beim Selbstschutz effektiver als Alltagsmasken

Die FFP2-Masken dienen primär dem Eigenschutz des Trägers , wie etwa die Seite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) deutlich macht.  In Tests werden die Masken dahingehend geprüft, wie viel Aerosol und kleinere Tröpfchen einer mittleren Größe von 0,6 Mikrometern durch die Maske gelangen. Ihre Schutzfunktion ist europaweit durch die Norm DIN EN 149:2009-08 normiert. Entsprechend dieser Norm müssen die FFP2-Masken 95 Prozent der Partikel abfiltern.

"Für den Selbstschutz beim Einatmen sind diese Masken also effektiver als Alltagsmasken", sagt Dominic Dellweg, Chefarzt für Pneumologie am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft. "Die Alltagsmasken müssen überhaupt keiner Norm entsprechen. Und sie variieren in ihrer Filterleistung auch stark", wie Dellweg in einer noch unveröffentlichten Studie zeigte.

FFP2 Maske Schutzmaske COVID19

Masken mit Ausatmungsventil bieten zu wenig Fremdschutz

Auch wenn sie primär dem Selbstschutz dienen, bieten die FFP2-Masken auch mehr Fremdschutz als Alltagsmasken. Das legte eine kürzlich im Fachblatt "Science Advances" veröffentlichte Studie nahe.  In der Untersuchung schlugen sich die in den USA für das Krankenhauspersonal reservierten Atemschutzmasken vom Typ N95 am besten. Sie entsprechen den FFP2-Masken in Europa. Die von einem Sprecher ausgestoßenen Tröpfchen wurden bei diesen Masken auf weniger als 0,1 Prozent der Menge ohne Maske reduziert.

Allerdings galt das nur, wenn die Masken kein Ventil für das Ausatmen hatten. Denn die eher seltenen Masken mit Ausatmungsventil filtern nur die eingeatmete Luft und bieten daher weniger Fremdschutz. In der Studie schnitten chirurgische Masken insgesamt am zweitbesten ab. Dahinter kamen die Alltagsmasken aus Materialien wie Baumwolle mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Das Atmen mit FFP2-Masken ist anstrengend

Es gibt noch andere wichtige Gründe, die gegen einen breiten Einsatz der Masken sprechen: Für die Atmung stellen sie auf Grund des Filters einen erhöhten Widerstand dar. Die zusätzliche Anstrengung der Atemmuskulatur ist dem Atmen durch einen Strohhalm vergleichbar und mit Luftnot verbunden. Deswegen sollte man sich genau überlegen, welche Aktivität man mit der Maske vor dem Gesicht bewältigen will und über welchen Zeitraum.

Möchte man fünf Minuten zum Bäcker einkaufen gehen, erträgt man den Widerstand beim Atmen natürlich leichter als wenn man die Maske acht Stunden als Verkäuferin im Einzelhandel trägt. "Und im Fitnessstudio bei einem Ausdauertraining würde die Maske einen wahrscheinlich ausbremsen bevor man überhaupt einen Trainingseffekt hat", so Dellweg.

Wiederverwendete FFP2-Masken sind weniger dicht

Außerdem kann man die Masken nicht wiederverwenden – das geht langfristig ins Geld. Denn die Masken haben eine zusätzliche Filterleistung durch elektrostatische Kräfte auf der Oberfläche. Sie sind also geladen. Sobald diese Masken feucht werden, beispielsweise durch Atmung oder durch einen Waschvorgang, verringert sich ihre Filterleistung. Auf Erstattung der Kosten durch die Gesetzlichen Krankenkassen kann man auch nicht hoffen. So schreibt etwa die AOK auf Anfrage: "FFP2-Masken zur Coronavirus-Prävention sind keine Hilfsmittel im Sinne der Vorgaben für die Gesetzliche Krankenversicherung."    

Wenn, dann beim Kauf auf die DIN-Kennzeichnung achten

Wenn man sich dennoch eine FFP2-Maske zulegen möchte, wird man zum Beispiel in Online-Shops fündig. Man sollte aber unbedingt auf die erwähnte DIN-Kennzeichnung (DIN EN 149:2009-08) achten. Ist keine DIN-Kennzeichnung vorhanden, bleibt unklar, ob der Vliesstoff filtert und ob nicht das Atmen zu anstrengend ist. Ernst nehmen sollte man auch die Warnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin derzufolge zunehmend Plagiate bzw. gefälschte Schutzmasken mit verminderter Qualität in Verkehr gebracht werden.

Bei Bartträgern sitzt die Maske schlechter

Beim Tragen sollte man darauf achten, dass die Maske auf das Gesicht passt. Bartträger müssen sich rasieren. Denn die FFP2-Masken funktionieren nur, wenn sie wirklich dicht sind. Ähnlich wie Wasser nimmt auch Luft den Weg des geringsten Widerstands. Und wenn die Maske an den Seiten durch eine schlechte Passform eine Lücke aufweist, geht die Luft nicht durch das Vlies, sondern durch das Leck: Die Filterleistung geht damit rapide nach unten.