Darmpolypen: Wie gefährlich sind sie?

Aus Darmpolypen kann Darmkrebs entstehen. Da sie kaum Symptome auslösen, werden sie meist zufällig bei einer Darmspiegelung entdeckt. Was Sie wissen sollten

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 25.01.2017

Darmpolypen sind Vorwölbungen, die aus der Darmschleimhaut ins Darminnere ragen (siehe vergrößertes Detail rechts im Bild)


Darmpolypen sind keine Seltenheit. Sie finden sich im Durchschnitt bei jedem Zehnten. Je älter ein Mensch wird, desto häufiger kommen Polypen vor. Schätzungen zufolge hat knapp jeder dritte über 60-Jährige mindestens einen Polypen im Darm. Mehr als 90 Prozent der Darmkrebsfälle sind auf Darmpolypen zurückzuführen. Damit kommt der Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung eine entscheidende Bedeutung zu: Durch die Untersuchung entdeckt der Arzt Polypen im Darm und kann sie sofort entfernen.

Definition: Was sind Darmpolypen? Welche Formen gibt es?

Darmpolypen sind Schleimhautvorwölbungen, die aus der Darmschleimhaut ins Darminnere (das Darmlumen) hineinragen. Sie kommen in den meisten Fällen im Dickdarm vor. Je nachdem, wie sie aussehen und wie das Gewebe unter dem Mikroskop erscheint, unterscheiden Ärzte Polypen in verschiedene Formen: adenomatöse Polypen (Adenome), hyperplastische und hamartöse Polypen. Am häufigsten kommen Adenome vor, die sich ihrerseits in eine tubuläre, villöse und tubulovillöse Form unterteilen lassen – je nachdem, wie sie aus der Darmschleimhaut herausragen.

Auslöser: Welche Faktoren erhöhen das Risiko für Darmpolypen?

Neben dem Alter gibt es weitere Faktoren, die wohl Polypen im Darm begünstigen. So kommen die Schleimhautgebilde in Europa, den USA und Australien deutlich häufiger als in Asien und Afrika vor. Folglich vermuten Experten, dass Lebensstil und Ernährung eine Rolle spielen. Studien zeigen, dass übergewichtige Menschen, aber auch Diabetiker häufiger Darmpolypen haben. Ebenso wirken sich anscheinend zu wenig Bewegung sowie ballaststoffarmes und fettiges Essen negativ aus. Wer raucht und regelmäßig Alkohol trinkt, hat ebenfalls ein höheres Risiko für Darmpolypen. Darüber hinaus beeinflussen die Gene, ob jemand zu Polypen neigt: Hat ein naher Verwandter Darmpolypen, treten die Schleimhautwucherungen auch bei den Familienmitgliedern gehäuft auf. Es gibt sogar spezielle familiäre Syndrome, wie die sogenannte familiäre adenomatöse Polyposis, bei der im Dickdarm mehr als 100 Polypen vorkommen.

Darmkrebs-Risiko: Sind Darmpolypen gefährlich?

Bei adenomatösen Polypen, also Adenomen, handelt es sich um eine Neoplasie. Das Fachwort steht für neugebildetes Gewebe, also für einen Tumor. Es muss nicht automatisch bösartig sein. Jedoch entarten solche Adenome und gelten damit als Vorläufer von Dickdarmkrebs. Über 90 Prozent der Kolonkarzinome entwickeln sich aus dieser Darmpolypen-Form ("Adenom-Karzinom-Sequenz"). Je mehr Adenome sich im Dickdarm befinden und je größer sie sind, desto höher ist das Krebsrisiko. Wer an einer familiären adenomatösen Polyposis leidet, für den liegt die Wahrscheinlichkeit an Darmkrebs zu erkranken (ohne frühzeitige Vorsorge), bei fast 100 Prozent. Ob hyperplastische und hamartöse Darmpolypen mit einer erhöhten Krebsgefahr einhergehen, lässt sich derzeit nicht genau sagen.

Beschwerden: Rufen Darmpolypen Symptome hervor?

In den meisten Fällen bereiten Darmpolypen keine Beschwerden. Manchmal kann ein Polyp bluten, was sich durch hellrote Blutbeimengungen im Stuhl bemerkbar machen kann. Verbleibt das Blut länger im Darm, wird es zersetzt, was zu einem schwarzbraun verfärbten Stuhl führen kann. Experten gehen allerdings davon aus, dass nur etwa fünf Prozent aller Adenome sichtbare Blutbeimengungen hervorrufen. Selten kann ein größerer Polyp auch die Verdauung stören. Dies äußert sich dann durch Verstopfung. Andere Polypen können gelegentlich Durchfall begünstigen.

Diagnose: Wie entdeckt der Arzt Darmpolypen?

Darmpolypen werden meistens zufällig entdeckt, wenn der Arzt eine Darmspiegelung vornimmt. Ab einem Alter von 55 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für diese Krebsvorsorgeuntersuchung. Mit Hilfe eines Endoskops – einer Art dünnem Kunststoffschlauch – untersucht der Gastroenterologe das Innere des Dickdarms. Dabei kann er Polypen erkennen. Auch wenn sich die meisten dieser Schleimhautvorwölbungen im Enddarm befinden, raten Experten zu einer kompletten Darmspiegelung – also des gesamten Dickdarms. Denn: Findet der Arzt einen Polypen, kommen recht häufig weitere vor. Den einfachen Test auf Blut im Stuhl (Guajak-Test) bezahlt die gesetzliche Krankenkasse ab einem Alter von 50 Jahren. Allerdings gilt der Test – bezogen auf Darmpolypen – als recht unsicher, denn die meisten Polypen bluten nicht ausreichend, damit dieser Test positiv wird. Moderne immunlogische Stuhltests sind deutlich genauer.

Therapie: Wie werden die Polypen behandelt?

Darmpolypen entfernt der Arzt während der Darmspiegelung. Er verwendet dabei spezielle Instrumente, die über das Endoskop eingeführt werden. Anschließend wird das Gewebe in einem Labor untersucht, um zu überprüfen, ob es gut- oder bösartig ist. Stellt der Arzt fest, dass der Patient bereits Darmkrebs hat, veranlasst er eine passende Therapie, meist eine Operation. Ansonsten muss sich der Untersuchte in bestimmten Zeitabständen erneut einer Darmspiegelung unterziehen, da sich Polypen von Neuem entwickeln können. Die Zeitspanne beträgt normalerweise zehn Jahre, kann aber individuell schwanken.

Die Darmspiegelung dient der Krebsfrüherkennung, aber auch der Vorsorge. Experten sagen, dass sich das Risiko für Darmkrebs um bis zu 90 Prozent senken lässt, wenn Patienten die Untersuchung wahrnehmen und dabei Polypen entdeckt und beseitigt werden. Für Menschen mit einem erhöhten Krankheitsrisiko, zum Beispiel nahe Verwandte mit Darmkrebs, ist die Darmspiegelung unter Umständen schon vor dem Alter von 55 Jahren ratsam.

Vorbeugen: Kann man sein Risiko für Darmpolypen senken?

Studien haben ergeben, dass Menschen, die sich regelmäßig körperlich betätigen, weniger Polypen im Darm haben. Bereits 30 bis 60 Minuten moderate Bewegung am Tag reichen, um das Risiko für Polypen und Darmkrebs zu senken. Auch eine ausgewogene Ernährung, die sich aus reichlich Gemüse und Obst zusammensetzt sowie ballaststoffreich ist, schützt vor Darmpolypen. Rotes Fleisch sollte möglichst selten auf dem Speiseplan stehen. Wer zusätzlich auf sein Gewicht achtet, nicht raucht und nur ab und zu ein Glas Wein oder Bier trinkt, kann ebenfalls Darmpolypen entgegenwirken. Darüber hinaus sollten alle Menschen ab einem Alter von 55 Jahren die Darmspiegelung zur Krebsvorsorge wahrnehmen.

Unser Experte: Dr. Andreas Leodolter, Gastroenterologe und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Herne

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen:

Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin, Elsevier, 6. Auflage

S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom"

Patientenleitlinie "Vorbeugen und Früherkennung von Dickdarmkrebs"