Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit): Therapie, Selbsthilfe

Die Behandlung der Laktoseintoleranz zielt mehrheitlich auf eine Umstellung der Ernährung ab. Sie berücksichtigt aber auch andere Auslöser
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 26.04.2016

Bei Laktoseintoleranz kommt es auf die richtige Wahl der Lebensmittel an

W&B/Markus Dlouhy

Erst die Diagnose, dann die Diät

Bei Laktoseintoleranz sind Milch, Milchspeisen und Milchprodukte im Allgemeinen kritisch. Der beste Weg zur Beschwerdefreiheit ist es daher, nur so viel Milchzucker (Laktose) zu verzehren, wie man verträgt. Toleriert jemand praktisch keinen Milchzucker, läuft das strenggenommen darauf hinaus, ihn weitgehend zu vermeiden. Voraussetzung ist immer die zutreffende Diagnose. Dazu dient in erster Linie der Nachweis der verminderten Laktaseaktivität im Wasserstoffatemtest (siehe Kapitel "Diagnose"). Erst danach ist es sinnvoll, definitiv mit der Umstellung der Ernährung zu beginnen.

Denn: Eine milchzuckerarme Kost einzuhalten, kann in unserem Kulturkreis durchaus belastend sein – man denke nur an die logistischen Herausforderungen bei der Ernährung im Familienkreis und Berufsalltag. Wer gesund ist, braucht auch keine entsprechend ausgerichtete Kost oder laktosefreien Nahrungsmittel. Außerdem kann es zu einem Kalziummangel kommen, wenn man nicht aufpasst.

Gut beraten schonen Sie nachhaltig Ihren Geldbeutel

Damit die Umstellung bald klappt, sollten Sie sich bei einer professionellen Ernährungsberatung Hilfe holen. Das hat auch den Vorteil, dass Sie sich genauer über die Grund- und Vorzüge einer gesunden, ausgewogenen Ernährungsweise informieren können. Sie lernen, gleich die richtige Richtung einzuschlagen – ohne problematischen Verzicht und ohne dass der Genuss auf der Strecke bleibt. Außerdem erfahren Sie auch, was Sie nicht unbedingt kaufen müssen. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie die Beratung finanziell unterstützt. Empfehlungen hierzu wird Ihnen auch Ihr Hausarzt geben.

Laktosearm genügt häufig

Fakt ist: Wer Verdauungsbeschwerden aufgrund einer Laktoseintoleranz vermeiden möchte, sollte möglichst wenig Milchzucker verzehren. Tatsächlich kommen viele Betroffene mit kleinen Mengen Laktose ganz gut zurecht: zirka zehn bis zwölf Gramm pro Einzeldosis, etwa zusammen mit anderen geeigneten Nahrungsmitteln verzehrt oder über den Tag verteilt. Es genügt dann, die Ernährung entsprechend anzupassen. Das heißt auch, dass eine sozusagen laktosefreie Diät häufig gar nicht notwendig ist. Manchmal kann das Limit jedoch deutlich niedriger sein, etwa weniger als ein bis fünf Gramm Laktose am Tag.

Am Ausprobieren führt leider kein Weg vorbei. Aber man wird, dem persönlichen Wohlergehen zuliebe, bei Laktoseintoleranz viel schneller als gedacht zu seinem eigenen Ernährungsexperten. Dann ist es auch bald kein Problem mehr, Lebensmittel mit versteckter Laktose zu erkennen und zu wissen, welche Speisen man verträgt und welche nicht.

Ohne Kontrolle geht es nicht, denn Milchzucker ist bei uns allgegenwärtig. Daher empfiehlt sich routinemäßig der Blick auf die Zutatenliste. Allerdings muss bei der Angabe, dass Milch, Milchprodukte oder Milchbestandteile enthalten sind, nicht extra auf Laktose hingewiesen werden.

Praktische Tipps

Säuerlicher Naturjoghurt ohne Zusätze, Dickmilch, Kefir und bestimmte Käsesorten können verträglich sein, da zur Herstellung Lactobazillen und Propioni-Bakterien eingesetzt werden, die während der Reifung Milchzucker zu Milchsäure umsetzen. Lang gereifter Käse (Schnitt- und Hartkäse) ist praktisch laktosefrei. Industriell hergestellten Produkten wird, wie schon mehrmals in diesem Beitrag erwähnt, jedoch vielfach Milchzucker hinzugefügt, sodass er sich versteckt in zahllosen Fertiggerichten findet, selbst da, wo man es nicht erwarten würde zum Beispiel in Fleisch- und Wurstwaren. Auch viele Süßigkeiten, Brot- und Backwaren, Soßen, Instant- und Tiefkühlgerichte sowie Konserven enthalten Laktose.

Der Handel bietet mittlerweile eine gute Auswahl "alternativer" Produkte an, etwa laktosefreie Milch, laktosefreien Käse, laktosefreien Quark, laktosefreien Pudding und laktosefreien Joghurt, auch in fettarmen Varianten. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass ein Restgehalt an Laktose zulässig ist, auch wenn "laktosefrei" auf der Verpackung steht. Derzeit lautet die Empfehlung für Produkte, die als laktosefrei deklariert sind, dass sie nicht mehr als die gemeinhin verträglichen zehn Milligramm (10 mg) Laktose pro 100 Gramm (100 g) Lebensmittel enthalten sollen. Es fehlt derzeit aber noch an standardisierten Nachweisverfahren. Eine bundes- beziehungsweise europaweite Regelung zur Kennzeichnungspflicht soll in absehbarer Zeit kommen.

Wichtig: Milch und Milchprodukte, auch laktosefreie, sind wichtige Kalziumquellen. Tierische Milch kann durch pflanzliche Erzeugnisse wie Hafermilch, Kokosmilch, Reismilch, Sojamilch und Tofu ersetzt werden. Mit Kalzium angereicherte Produkte helfen, einen Kalziummangel zu vermeiden. Rohmilch wäre allerdings keine empfehlenswerte Alternative, wie eine Studie zeigte.

Denn: Wer sich milcharm ernährt, sollte auf jeden Fall auf die ausreichende Versorgung mit dem knochenfreundlichen Mineralstoff achten. Das ist wichtig, um nicht auch noch einer Osteoporose Vorschub zu leisten. Gute Kalziumlieferanten sind unter anderem grüne Gemüse wie Brokkoli, Spinat und Grünkohl (Kohl kann allerdings auch wieder blähend sein), außerdem Fenchel, Obst, etwa Apfelsinen oder Kiwis, sodann mit Kalzium angereicherte Fruchtsäfte, und natürlich kalziumreiche Mineralwässer.

Nahrungsergänzung mit Laktasepräparaten

Bei einer primären (erblichen) Laktoseintoleranz ist es bislang nicht möglich, die Darmzellen zur Laktaseproduktion anzuregen, beispielsweise mit Medikamenten. Doch lässt sich das Enzym heute biotechnologisch durch Mikroorganismen herstellen. Die so gewonnene Laktase ist zum Beispiel in Form von Pulvern, Kautabletten oder Kapseln erhältlich. Das Enzym spaltet den aufgenommenen Milchzucker und macht Milchprodukte und andere laktosehaltige Speisen verdaulich(er). Insgesamt gibt es eine große Zahl von rezeptfreien, jedoch nicht von der Krankenkasse erstatteten Präparaten. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt, bei der Ernährungsberatung und in Ihrer Apotheke informieren. Erkundigen Sie sich auch nach den jeweils enthaltenen Zusatzstoffen. Es empfehlen sich beispielsweise Varianten ohne Süßstoff- und Zuckeraustauschstoffe.

Das Präparat nimmt man in ausreichend hoher Dosierung immer zusammen mit der (laktosehaltigen) Mahlzeit ein, oder man verteilt das Pulver über die Speise. Als Faustregel für die Anwendung gilt, dass die Menge der Laktase dem Laktosegehalt der verzehrten Speise angepasst werden sollte. Da dieser bei außer Haus zubereiteten Mahlzeiten aber selten nachvollziehbar ist, richtet man sich am besten nach der Gebrauchsanweisung. Zu wenig Enzym hilft wenig, zu viel kann nichts schaden (oder höchstens dem Geldbeutel). Vollständige Beschwerdefreiheit ist aber auch nicht zu erwarten.

Dennoch: Bei der außerhäuslichen Ernährung können Laktasepräparate hilfreich sein. Doch sind sie kein Ersatz für die grundsätzlich empfehlenswerte Umstellung auf eine individuell angepasste Ernährung mit wenig oder sehr wenig Laktose bei gesicherter Intoleranz.

Was sind Probiotika?

Mitunter werden auch probiotische Substanzen eingesetzt. Probiotika sind bestimmte lebende Bakterien und Pilze, die zum Beispiel in milchsauren Erzeugnissen wie Naturjoghurt (den es natürlich auch laktosefrei gibt, siehe oben) vorkommen und die Darmflora günstig beeinflussen sollen. Die Mikroben können dank eigener, allerdings sehr unterschiedlich ausgeprägter Laktase-Aktivität Milchzucker verdauen. Schon normaler Naturjoghurt wirkt probiotisch. Die sogenannte mikrobielle Laktase ist auch in Form von arzneilichen Zubereitungen verfügbar. Ob ein solches Präparat für Sie infrage kommen kann, sollten Sie wiederum mit Ihrem Arzt besprechen.

Sekundäre Laktoseintoleranz

Eine Laktoseintoleranz lässt sich ursachenbezogen prinzipiell dann behandeln, wenn eine sekundäre Form mit einer therapierbaren Grundkrankheit, etwa einer Darmentzündung, vorliegt. Klingt sie ab, kann sich auch der Laktasemangel beziehungsweise die Laktoseintoleranz bessern. So werden zum Beispiel nach erfolgreicher Diätbehandlung einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) mit einer gluten-, eventuell zunächst auch laktosearmen Ernährung Milchprodukte häufig wieder vertragen.
Auch vor einer glutenfreien Auslassdiät sollte immer die Diagnose feststehen. Denn ohne Notwendigkeit schwer einzuhaltende und belastende Diäten durchzuführen, macht natürlich keinen Sinn.


  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Zum Thema

Gratinierter Fenchel mit Petersilienreis

Gut essen trotz Laktoseintoleranz

Hier finden Sie passende Rezept-Ideen »

Video: Milchzucker- und Fruchtzuckerunverträglichkeit

Nahrungsmittelunverträglichkeit

Laktose und Fruktose im Essen können einigen Menschen Verdauungsprobleme bereiten »

Symptome-Check

Symptome

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages