Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit): Diagnose

Eine Laktoseintoleranz kann mittels eines Wassestoffatemtests festgestellt werden. Bei entsprechenden Anhaltspunkten schließen Ärzte andere Ursachen, zum Beispiel eine Darmerkrankung, aus

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 26.04.2016
Beratung Sprechstunde

Laktoseintoleranz: Beschwerden und Ernährungsprotokolle erhärten den Verdacht, ein Wasserstoffatemtest führt zur Diagnose


Fest steht: Primärer Laktasemangel ist häufig bei Erwachsenen – auch in Europa und in Deutschland. Ein Teil der Betroffenen hat dadurch Beschwerden, also eine Laktoseintoleranz.

Auf eine Milchzucker-Unverträglichkeit lässt sich eventuell schon durch genauere Beobachtung der Beschwerden schließen (siehe aber auch weiter unten: "Weg zur Diagnose"... und Wasserstoffatemtest").

Ernährungstagebuch: Erste Hinweise?

Achten Sie eine Zeit lang auf die Ernährung und führen Sie Buch: Treten Symptome (welche?) zum Beispiel immer nach dem Verzehr von Milch oder Milchprodukten auf? Bessern sich die Beschwerden, wenn konsequent auf Milchzucker verzichtet wird (Laktosekarenz)?

Nehmen Sie also etwa zwei Wochen lang möglichst wenig Milchzucker – also keine Milch und milchzuckerhaltigen Lebensmittel, Quark, Sahne oder Schokolade und andere laktosehaltigen Produkte – zu sich. Naturjoghurt und lang gereifte Käsesorten, zum Beispiel Parmesan, enthalten höchstens Spuren von Milchzucker, da dieser bei der bakteriellen Fermentierung weitgehend abgebaut wurde. Butter ist laktosefrei. Viele Nahrungsmittel werden jedoch aus lebensmitteltechnischen Gründen, etwa einer cremigen Konsistenz zuliebe, mit Laktose versetzt.

In Sahne, häufig auch in Kuchen, steckt reichlich Milchzucker. Ebenso in vielen Süßigkeiten und Gebäck. Kontrollieren Sie auch die Zutatenlisten der Fertiglebensmittel, die Sie verzehren möchten.

Was geschieht aber nun, wenn Sie nach der Karenz wieder schrittweise mehr Milchzucker verzehren, anfangs zum Beispiel ein Glas Milch am Tag trinken (Laktosebelastung)? Protokollieren Sie auch in dieser Phase genau, welche Nahrungsmittel Sie gegessen und getrunken haben und wie es Ihnen dabei ging.

Verhält es sich so, wie oben beschrieben, und treten nach erneutem Milchzuckerangebot an Ihren Darm wieder vergleichbare Beschwerden wie vor der Karenz auf? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass tatsächlich eine Laktoseintoleranz vorliegt. Bedenken Sie aber:

Der Weg zur Diagnose Laktoseintoleranz führt über den Arzt

Primärer Laktasemangel ist wie gesagt bei Erwachsenen in gewissen Grenzen normal. Ein Teil der Betroffenen hat dadurch jedoch Beschwerden, sprich eine Laktoseintoleranz. Andere, und das sind nicht wenige Menschen, haben weder einen Laktasemangel noch eine Laktoseintoleranz und leiden trotzdem unter vergleichbaren Beschwerden. Möglicherweise liegt dann zum Beispiel ein Reizdarm vor. Natürlich kann auch beides gleichzeitig vorkommen.

Das bedeutet: Die Beschwerden sind nicht spezifisch. Daher, und um andere Ursachen auszuschließen, ist immer frühzeitig ärztlicher Rat gefragt. Der Arzt stellt zeitnah die Diagnose und schlägt die inidviduell passende Therapie vor. Kommt ein Patient zum ersten Mal wegen der genannten Verdauungsbeschwerden zum Arzt, wird dieser sehr genau hinhören und versuchen, sich vor weiteren medizinischen Maßnahmen anhand der Kranken- und Familiengeschichte sowie der körperlichen Untersuchung ein genaues Bild zu machen.

Demgemäß wird er bei Bedarf bestimmte diagnostische Schritte vorschlagen. Insbesondere wird er überprüfen, ob Mangelerscheinungen vorliegen. Ausschlussdiagnosen sind vor allem Dünndarmerkrankungen mit oder ohne verschlechterte Nährstoffaufnahme (Malabsorptions- oder Malassimilations-)Syndrom, etwa infolge einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie), oder eben ein Reizdarm. Auch die Crohn-Krankheit, eine andere Kohlenhydrat-Intoleranz, eine Nahrungsmittelallergie oder eine andere Krankheit kann sich dahinter verbergen (siehe auch Kapitel "Ursachen").

Wasserstoffatemtest

Zum genaueren Nachweis schließt der Arzt einen Wasserstoffatemtest (H2-Laktose-Atemtest) an. Der Test lässt sich kurzfristig durchführen und macht zeitaufwendige Selbstversuche eigentlich überflüssig. Dabei wird der Gehalt von Wasserstoff (H2) im Atem gemessen, bevor der Patient eine Milchzucker-Testlösung (50 Gramm in 250 bis 300 Milliliter Wasser gelöste Laktose auf nüchternen Magen) getrunken hat, und wiederholt über mehrere Stunden danach. Bei Milchzucker-Unverträglichkeit entstehen durch Vergärung der Laktose größere Mengen an Wasserstoff im Darm.

Das Gas geht teilweise ins Blut über und wird ausgeatmet. Das Messergebnis ist positiv, wenn der Unterschied vor (Nüchternwert) und nach Laktosegabe 20 ppm Wasserstoff beträgt (ppm bedeutet Teile pro Million, also 0,0001 Prozent). Wenn auch typische Beschwerden auftreten (siehe unten), ist das ein zusätzliches Kriterium für die Diagnose.

Schlechte Mundhygiene, Rauchen, Kauen von Kaugummi (enthaltener Sorbit kann durch Darmbakterien vergoren werden) innerhalb von zwölf Stunden vor dem Test oder bei Prothesenträgern die Anwendung von Haftmittel können das Ergebnis verfälschen. Auch eine Antibiotika-Therapie, eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms, eine Darmreinigung (Vorbereitung zur Darmspiegelung) in den letzten vier Wochen vor dem Test können das Ergebnis beeinflussen. Wichtig: Am Tag vor dem Test soll der Patient nur wenig Ballaststoffe – zum Beispiel kein Vollkornbrot, keine Bohnen – zu sich nehmen, am Abend davor nur wenig Kohlenhydrate. Zum Zeitpunkt des Tests muss er zwölf Stunden nüchtern sein. Körperliche Aktivität kurz vor und während des Tests soll unterbleiben, ebenso Rauchen.

Gentest

Ob ein Patient eine bestimmte Ausprägung des Laktase-Gens besitzt (genetische Disposition), die zu einer primären Milchzuckerintoleranz führen kann, lässt sich mithilfe eines Gentests erkennen. Als Material genügt ein Abstrich von der Wangenschleimhaut (Speichelprobe). Der Gentest kann aber die Diagnose nicht wirklich beweisen, er erlaubt keine Zuordnung der Beschwerden und kann auch keine Patienten mit sekundärer Laktoseintoleranz herausfiltern. Zudem ist er teuer und kann nichts zur Notwendigkeit oder Entbehrlichkeit einer Diät beitragen. Daher ist immer ärztlicher Rat zur geeigneten Vorgehensweise gefragt.

Laktose-Toleranz-Test

Der Arzt entscheidet, ob dieser Test für die Diagnose noch gebraucht wird. Nach Aufnahme einer Milchzucker-Testlösung wird zu bestimmten Zeitpunkten Venenblut oder an der Fingerbeere etwas Kapillarblut genommen, um die Blutzuckerwerte zu messen. Kann der Milchzucker im Dünndarm gespalten und resorbiert werden, steigt der Blutzuckerspiegel an.

Bei einer Laktoseintoleranz bleibt der Blutzuckerspiegel dagegen unter einem bestimmten Wert. Typische Beschwerden unter der Laktosebelastung wie Blähungen und Durchfall werden ebenfalls als Indiz gewertet. Bei Patienten mit Diabetes kann das Testergebnis verfälscht sein. Dieses ältere Diagnoseverfahren kommt zum Beispiel infrage, wenn ein H2-Laktose-Atemtest nicht zur Verfügung steht.

Weitere Untersuchungen, andere Diagnosen

Bei besonderen Fragestellungen wird der Arzt eine endoskopische Untersuchung des Dünndarmes mit Entnahme einer Gewebeprobe zur genaueren Untersuchung vorschlagen. Die Maßnahme kann erforderlich sein, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung wie die Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) besteht. Auch der Einsatz weiterer apparativer Verfahren, Blutanalysen oder auch von Atemtests mit anderen Zuckern wie zum Beispiel Fruktose dient dem Ausschluss anderer möglicher Erkrankungen.

Achtung: Eine Kuhmilcheiweiß-(Milchprotein-) Allergie darf nicht mit einer Laktoseintoleranz verwechselt werden, auch wenn sie, was insbesondere den Verdauungstrakt betrifft, ähnliche Symptome verursachen kann. Die "Milchallergie" tritt häufig im Säuglings- und Kleinkindalter auf. In Nordeuropa sind etwa bis zu acht Prozent der Säuglinge betroffen.

Typischerweise kommt es bei ihnen zu einem Rückfluss von Mageninhalt, sie schreien viel, spucken mehrmals am Tag, verweigern die Nahrungsaufnahme, sind äußerst unruhig und gedeihen schlecht. Grundsätzlich besteht bei entsprechend allergischer Veranlagung nach Aufnahme von Milcheiweiß immer auch die Gefahr einer akuten allergischen Reaktion (Anaphylaxie; siehe auch Kapitel "Ursachen").

Auch kann bei Veranlagung zu einer Allergie eine atopische Dermatitis (Neurodermitis) auftreten. Anders als die Laktoseunverträglichkeit Erwachsener können sich die Symptome einer "Milchallergie" bei einem Baby oder Kleinkind mit der Zeit jedoch bessern. Sie vertragen dann Milcheiweiß besser. Bei Erwachsenen ist eine Kuhmilchallergie sehr selten, dafür aber eher dauerhaft.