Analfistel

Eine Analfistel kann sich mit Schmerzen, Juckreiz und nässenden Stellen im Analbereich bemerkbar machen. Wie es dazu kommt und wie sie behandelt wird

von Dr. Karoline Stürmer, aktualisiert am 14.03.2018

Analfisteln sind "unnatürliche" Gänge, die sich im Bereich des Analkanals bilden


Was ist eine Analfistel?

Als Fistel bezeichnet man eine röhrenförmige Verbindung, die sich als einzelner Gang oder als verzweigtes Netzwerk zwischen verschiedenen Organen oder Gewebeschichten ausbildet. Bei der Analfistel handelt es sich um einen vom Analkanal ausgehenden Gang.

Eine Analfistel entsteht meist als Folge einer Entzündung im Bereich der so genannten Proktodäaldrüsen. Diese Drüsen liegen am Übergang der Dickdarmschleimhaut zum Analkanal – dem letzten Abschnitt des Verdauungstraktes. Während sie bei Säugetieren als Duftdrüsen eine wichtige Rolle spielen, haben sie beim Menschen ihre Funktion verloren.

Analfisteln sind eine häufige Erkrankung. Jedes Jahr erkranken 2 von 10.000 Einwohnern neu. Betroffen sind vermehrt Männer, vor allem zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Je früher eine Fistel behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Unbehandelt kann sich eine Analfistel weiter ausdehnen, die Schließmuskulatur schädigen und so langfristig eine Stuhlinkontinenz verursachen.

Ursachen einer Analfistel

Weil die Drüsen in das Darminnere münden, können Bakterien aus dem Darm in die Drüsen eindringen und dort eine Entzündung verursachen. Als Folge dieses Infektes bildet sich eitriges Sekret, das sich abkapseln und so einen Abszess bilden kann. Dieser kann bis zur Hautoberfläche durchbrechen, seltener auch in die Harnblase oder Scheide und dabei eine Fistel bilden. In manchen Fällen endet eine Fistel auch als Sackgasse blind im Gewebe. Eine Entzündung der Proktodäaldrüsen ist für etwa 90 Prozent der Analfisteln verantwortlich. Häufig entstehen Analfisteln nach Analerkrankungen wie zum Beispiel einer Analfissur oder nach Verletzungen im Bereich des Anorektums zum Beispiel durch verschluckte Fischgräten oder Zahnstocher. Auch Dr. Grundei, Proktologe (Enddarm-Spezialist) in München bestätigt diese Zahlen. "Bei einigen der Betroffenen ist ein kleiner Einriss der Haut oder Schleimhaut des Afters (Analfissur) die Ursache". Infiziert sich ein solcher Einriss, kann der Infekt am Wundgrund in die Tiefe wandern. So bildet sich unter Umständen eine Fistel, die den Schließmuskel durchdringt und auch Abszesse verursacht. Auch individuelle anatomische Gegebenheiten, wie vertiefte Analtaschen können zu einem Kotstau in diesen führen und dadurch eine Entzündung hervorrufen.

Analfisteln, die vom Rektum ausgehen, kommen selten vor (unter 10 Prozent) und sind meist Folge einer entzündlichen Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Des weiteren können Fisteln infolge von Tumorerkrankungen, Bestrahlungen oder Immunschwächeerkrankungen wie einer HIV-Infektion auftreten.

Symptome einer Analfistel

Analfistel und Abszess (Eiteransammlung in einer Gewebshöhle) werden als zwei unterschiedliche Erscheinungsbilder aufgrund der gleichen Ursache, einer Entzündung betrachtet. Häufiger kommt es zuerst zu einem Abszess und dann zu einer Fistelbildung. Seltener findet sich erst die Fistel und dann der Abszess.

Ein Abszess macht sich in der Regel durch Schmerzen im Analbereich, Schwellung und Rötung der Haut, eventuell begleitet von allgemeinem Krankheitsgefühl und Fieber bemerkbar. Wenn sich der Abszess nach außen entleert kommt es zur Beschwerdebesserung.

Analfisteln können sich durch Schmerzen, Juckreiz und nässende Stellen im Analbereich bemerkbar machen. "Rein äußerlich ähneln sie oft nur einem Pickel oder Furunkel", sagt Dr. Tobias Grundei. Entdeckt wird eine Fistel oft erst, wenn ein Abszess Beschwerden macht. Manche Abszesse, vor allem solche, die sich über einen längeren Zeitraum ausgebildet haben, verursachen aber wenig Beschwerden und können so lange unentdeckt bleiben. Auch Fisteln welche ohne vorherigen Abszess auftreten sind eher symptomarm und finden sich vor allem bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Wichtig: Die beschriebenen Symptome können auch andere Ursachen haben. Generell sollten Beschwerden im Analbereich wie Schwellungen und Verhärtungen sowie chronisch nässende Stellen, Schmerzen oder Blutungen während des Stuhlgangs von einem proktologisch versierten Arzt abgeklärt werden. Insbesondere wenn Schmerzen mit Fieber oder Schüttelfrost einhergehen, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Diagnose der Analfistel

Zunächst wird der Arzt nach den aktuellen Beschwerden fragen und die betroffene Region inspizieren. Dann untersucht der Arzt den Enddarm durch Austasten und mit Hilfe eines kleinen Untersuchungsröhrchens –  Proktoskop genannt  –  nach Anzeichen eines Abszesses und Fistelöffnungen im Analkanal. Bei dieser Untersuchung können Fisteln und Abszesse, aber auch Fissuren, Hämorrhoiden und sonstige Veränderungen schonend und schmerzfrei festgestellt werden. Auch die Endoskopie zum Ausschluss einer entzündlichen oder tumorösen Darmerkrankung gehört zu der Standarddiagnostik. Manchmal werden auch Zusatzuntersuchungen wie eine Ultraschalluntersuchung über den Enddarm, transanale Endosonografie genannt, durchgeführt. Hiermit kann der Arzt selbst tiefer gelegene Abszesse und Fisteln erkennen.

Mit Hilfe von Fistelsonden und Farbstoffen lassen sich der Verlauf des Fistelgangs und der Bezug zu den Schließmuskeln gut darstellen. Diese Untersuchungen sind jedoch oft nur unter Kurznarkose durchführbar. In komplizierten Fällen, etwa bei Patienten mit Morbus Crohn, kann eine Magnetresonanztomografie über den genauen Fistelverlauf Aufschluss geben.

Therapie der Analfistel

Die meisten Fisteln heilen in der Regel nicht von selber ab, sagt Dr. Grundei, so daß hier eine chirugische Versorgung notwendig ist. Lediglich bei Fistelbildung im Rahmen einer entzündlichen Darmerkrankung kann zunächst eine konservative Therapie erfolgen. Daher ist eine genaue Diagnosestellung und die enstprechende Wahl der geeigneten Behandlungsmethode wichtig.

Es gibt verschiedene Operationsverfahren wie eine Fistelspaltung (Fistulotomie), Fistelentfernung (Fistelexzision) oder Fadendrainage (Einlegen eines Fadens, damit das Sekret ablaufen kann).

In den meisten Fällen empfiehlt der Arzt eine operative Spaltung der Fistel. "95 Prozent der Patienten kann allein damit geholfen werden", sagt Dr. Grundei. Dabei spaltet der Chirurg die Fistel bis zu ihrer Basis auf. Da sich eine Analfistel meist innerhalb des Schließmuskels entwickelt, muss er dazu auch den Muskel einschneiden. Je nach der Lage und Ausdehnung der Fistel kann dies die zukünftige Leistungsfähigkeit des Muskels beeinträchtigen.

Falls das Risiko einer Inkontinenz zu groß ist, kann der erfahrene Chirurg den Muskel während der Operation wieder rekonstruieren. Alternativ gibt es Operationstechniken mit plastischem Fistelverschluss: "Dabei wird die Schließmuskulatur besser geschont. Allerdings ist das Risiko, dass die Fistel wiederkehrt oder sich neue Fisteln entwickeln höher", so Dr. Grundei.

Patienten mit Morbus Crohn haben eine hohes Risiko, immer wieder neue Fisteln zu entwickeln. Um ihre Schließmuskulatur zu schonen, wird ihnen in manchen Fällen eine Langzeitdrainage empfohlen. Dabei wird ein elastischer Faden in die Fistel eingelegt, der einen Verschluss der Fistel verhindert und so den Abfluss von Sekret ermöglicht. Dadurch lässt sich eine erneute Abszessentstehung vermeiden.

Beratender Experte

Dr. med. Tobias Grundei ist Facharzt für Chirurgie mit Zusatzbezeichnung Proktologie (Enddarm-Erkrankungen). Nach Studium und Promotion an der Ludwig-Maximilian-Universität München absolvierte er seine Ausbildung zum Allgemeinchirurgen an der Chirurgischen Klinik des Klinikum recht der Isar der Technischen Universität München sowie in der Chirurgischen Klinik Seefeld, Oberbayern. Die Weiterbildung Proktologie erfolgte im Klinikum München Neuperlach in der Abteilung für Rektumchirurgie. Seit 2005 ist er als spezialisierter Koloproktologe in einem Enddarmzentrum in München tätig, das er mitbegründet hat.

Quellen:

J. Girona (2012), Kap. 7 "Anorektale Fisteln", S. 173-236, aus J. Lange et al. "Chirurgische Proktologie", Springer-Verlag, 2. Auflage

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.