Wie funktioniert eine Videosprechstunde?

Der Patient kommt nicht wie üblich in die Praxis, sondern telefoniert per Videoschaltung mit dem Arzt. So können Mediziner und Patient viele Kilometer weit entfernt sein: Sie sehen sich aber und reden miteinander.

Wer eine digitale Sprechstunde nutzen möchte, benötigt dafür ein Smartphone, Tablet oder einen internetfähigen Computer mit Kamera und Mikrofon.

Wie gut lässt sich eine Krankheit per Videoschaltung behandeln?

"In manchen Fällen sehr gut", sagt Allgemeinmediziner Erik Bodendiek aus Wurzen in Sachsen. Er war Vorsitzender des Ausschusses Telematik der Bundesärztekammer und erklärt: "Ärzte können zum Beispiel den Heilungsverlauf von Wunden begutachten, mit Diabetikern die Blutzuckerwerte besprechen oder Erkältungen behandeln."

Es ist von Vorteil, wenn der Arzt den Kranken bereits kennt. Mediziner dürfen Patienten inzwischen aber auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt per Videosprechstunde behandeln, so Bodendieck.

In der Corona-Krise nahmen Videosprechstunden stark zu

Ärztliche Beratungen per Videosprechstunde haben in Zeiten der Pandemie erheblich zugenommen. Im ersten Halbjahr 2021 gab es bei Praxen von Ärzten und Psychotherapeuten mehr als 2,25 Millionen solcher digitalen Kontakte, wie eine Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ergab. Vor der Pandemie waren im ganzen Jahr 2019 keine 4.000 Videosprechstunden abgerechnet worden. Die größte Nachfrage gab es demnach im April 2020 mit fast 604.000 Videosprechstunden. In den ersten drei Monaten 2021 waren es jeweils mehr als 400.000, seit März gingen die Zahlen wieder etwas zurück.

Auffällig habe die Inanspruchnahme von Psychotherapie-Leistungen für Kinder und Jugendliche zugelegt, erläuterte das Institut. Im ersten Halbjahr 2021 habe sie acht Prozent über dem Niveau des Zeitraums von 2019 gelegen. Dies gebe Anlass zur Besorgnis und müsse eng beobachtet werden. Weil es bei Kindern und Jugendlichen kaum schwere Corona-Verläufe gab, hätten sie sich lange unterhalb des politischen und gesellschaftlichen Radars befunden. Psychische Belastungen bei unter 18-Jährigen machten sich zunehmend in der Versorgung bemerkbar.

Für die Analyse wurden den Angaben zufolge Abrechnungsdaten von 16 der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen ohne Mecklenburg-Vorpommern übermittelt, zum zweiten Quartal 2021 Frühinformationen zu den Daten.

Wann stößt die Videomedizin an ihre Grenzen?

Sind die Beschwerden aus der Ferne nicht eindeutig zu beurteilen, muss der Patient nach wie vor in die Praxis kommen. Mediziner haben vor Ort ganz andere Untersuchungsmöglichkeiten. Sie können zum Beispiel tasten, riechen, Blut abnehmen, einen Ultraschall machen.

In der Praxis

Der Arzt kann seine Patienten zu einem vereinbarten Termin per Video anrufen und zum Beispiel den Verlauf der Therapie kontrollieren. So muss der Kranke nicht extra in die Praxis kommen.

"Behandlung per Video geht nur, wenn sie ärztlich vertretbar ist", betont Bodendieck. Und solange das elektronische Rezept nicht eingeführt wird, muss der Patient ohnehin weiter in die Praxis kommen, um sich seine Verordnung ausstellen zu lassen. In manchen Regionen Deutschlands ist auch die schlechte Internetverbindung ein Hindernis.

Schaut und hört auch wirklich niemand mit?

Damit das nicht passiert, muss der Arzt die Sprechstunde über einen zertifizierten Videoanbieter laufen lassen. Dieser gewährleistet, dass die Schaltung sicher verschlüsselt ist. Das heißt: Nur Patient und Arzt können sich sehen und hören.

Wer trägt die Kosten für Videosprechstunden?

Im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung die Krankenkasse. Privatpersonen sollten mit ihrer Versicherung klären, ob diese zahlen.

Wie findet man Telemediziner?

Dafür gibt es noch keine Register. Generell führen erst wenige Mediziner Videosprechstunden durch. Fragen Sie Ihren Arzt, ob er den Service anbietet.

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