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Der Berliner Autor Marc-Uwe Kling wurde als Autor der „Känguru-Chroniken“ bekannt. Nun hat er mit seinen Töchtern Johanna und Luise den Roman „Der Spurenfinder“ geschrieben. Im Interview spricht Marc-Uwe Kling über Kreativität und Vorlesen, die Blocker auf seinem Smartphone und ein Buch, das er erst als Erwachsener richtig verstanden hat.

Herr Kling, Studien zeigen, dass immer ­weniger ­Eltern ihren Kindern vorlesen. Und Kinder in der Grundschule zunehmend ­Probleme haben mit dem Lesen.

Marc-Uwe Kling: Es ist supertraurig, dass das verloren geht. Ich erinnere mich sogar heute besser an so manches Buch, das ich als Kind gelesen habe, als an die, die ich vor zwei Jahren gelesen habe. Mein Vater hat mir immer Karl May vorgelesen und heimlich ­versucht, die langatmigen Landschaftsbe­schrei­bungen zu überspringen. Aber ich habe ihn immer erwischt.

Gibt es ein Buch, das Sie als Erwachsener erst richtig verstanden haben?

Kling: Ein bisschen ging es mir bei „Pu der Bär“ so. Da werden ja wirklich ganz große Lebensfragen ­beantwortet. Das hat mich sehr berührt.

Und welche Bücher haben Sie Ihren beiden Töchtern am liebsten vorgelesen?

Kling: Viel von Astrid Lindgren, Sherlock Holmes und Harry Potter – Band eins bis vier. Die restlichen haben sie selbst gelesen.

Ihre Töchter sind offensichtlich sehr kreativ. Haben sie die Kreativität von Ihnen geerbt? Oder haben Sie ­gezielt nachgeholfen?

Kling: Wahrscheinlich beides. Schon als sie kleiner waren, haben wir uns zusammen Gutenachtgeschichten ausgedacht. Wir machen auch oft Musik zusammen. Klar versuche ich auch, Dinge vorzuleben …

… zum Beispiel?

Kling: Nicht ständig am Handy zu hängen, sondern eben lieber zu lesen oder zu schreiben. Ich weiß ja, wie süchtig Smartphones machen. Da muss ich selber aufpassen. Darum habe ich diverse Blocker auf meinen Geräten installiert, die mir verbieten, auf zeitfressende Seiten zu gehen.

Stimmt es denn, dass Ihre beiden zwölfjährigen Zwillingstöchter ein Praktikum bei Ihnen machen wollten? Und Sie haben Nein gesagt?

Kling: Ich habe Nein gesagt zum „Praktikum“ – wollte am Ende keine Zeugnisse ausstellen müssen –, aber Ja zu dem Wunsch, gemeinsam etwas zu schreiben. Darauf hatte ich sofort große Lust.

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Und wie hat das geklappt?

Kling: Großartig. Ich hatte noch nie so viel Freude beim Schreiben. Wir haben in den Sommerferien ­angefangen, uns die Handlung für eine ­Geschichte zu überlegen. Beim Tischtennisspielen zum ­Beispiel. Oder während wir im Garten lagen. Beim Spazierengehen. Normalerweise finden meine Töchter spazieren langweilig, aber dann mochten sie es plötzlich, weil wir dabei weiter an Figuren gefeilt haben.

Wann war klar, dass das ein ernstes ­Buchprojekt wird? Haben Ihre Töchter das eingefordert?

Kling: Überhaupt nicht. Ihnen war egal, ob die ­Geschichte veröffentlicht wird. Es war aber schnell klar, dass uns dreien ziemlich gut gefiel, was wir so ­zusammentippten. Und es gab recht bald den ­Moment, wo ich dachte: Oh, vielleicht ist das hier nicht nur ein nettes Familienprojekt, sondern auch ein richtig schöner Jugendroman.

Meine Töchter wachsen in einem Haushalt auf, in dem Geschichten omnipräsent sind.

Und Ihr Verlag war derselben Meinung?

Kling: Genau. Da wurde es dann stressiger. Auf einmal hatten wir einen vorgegebenen Zeitplan und konnten nicht mehr nur wild rumspinnen.

Hatten Sie Sorge, dass es zu viel wird?

Kling: Meine Töchter wachsen in einem Haushalt auf, in dem Geschichten omnipräsent sind. Meine Frau ist auch Schriftstellerin. Johanna und Luise haben beide schon geschrieben. Luise hatte davor sogar schon mal ein Buch mit 200 Seiten verfasst. ­Deshalb war mir klar: Die meinen das ernst. Und sie wussten, worauf sie sich einlassen.

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Zu dritt ein Buch zu schreiben, kann kompliziert sein, oder? Gab es auch nicht so ­schöne Phasen?

Kling: Eigentlich nicht. Wenn wir uns nicht einig waren, haben wir einfach Schnick-Schnack-Schnuck ­gespielt. Und alle hatten ein Vetorecht. Mich hat positiv überrascht, was für ein Durchhaltevermögen die Kinder hatten. Der ganze Prozess hat ja fast ein Jahr gedauert.

Sie haben sich selbst mal als „ziemlichen Perfektionisten“ bezeichnet …

Kling: … stimmt, das bin ich. Davon waren meine Töchter auch manchmal leicht genervt. Aber am Ende wird ein gutes Buch zu einem sehr guten Buch, wenn man es mehrmals überarbeitet. Und kleine Details drin versteckt, die man beim ersten Lesen vielleicht sogar übersieht.

Wollen Ihre Töchter jetzt immer noch Schriftstellerinnen werden?

Kling: Ich glaube sogar, dass der Wunsch in ihnen nach dem Buch noch stärker geworden ist.