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Schizophrenie: Anzeichen und Behandlung

Die Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung. Sie ist ernst, aber in vielen Fällen gut behandelbar. Mehr zu Symptomen, Diagnose und Therapie

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 12.02.2019
Frau stützt Kopf in die Hand

Eine Schizophrenie beeinflusst Denken, Wahrnehmung, Handeln und Gefühle


Kurz zusammengefasst: Was ist eine Schizophrenie?

Die Schizophrenie ist eine psychische Krankheit, die sich sehr unterschiedlich zeigen kann. Sie beeinflusst Denken, Wahrnehmung, Handeln und Gefühle. Betroffene nehmen die Realität verändert wahr.

Es gibt eine Vielzahl möglicher Symptome. In akuten Phasen hören manche Patienten zum Beispiel Stimmen, entwickeln Wahnideen oder empfinden ihre eigenen Gedanken als fremd. Falsch ist die Vorstellung, Betroffene hätten eine gespaltene Persönlichkeit.

Schizophrenien sind weltweit verbreitet. Sie kommen in armen und reichen Ländern und unterschiedlichen Kulturen vor. Das Risiko, einmal im Leben an einer Form der Schizophrenie zu erkranken, beträgt etwa ein Prozent. Die Krankheit kann in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten beginnt sie im frühen Erwachsenenalter vor dem 35. Lebensjahr.

Schizophrenien können unterschiedlich verlaufen. Manchmal bleibt es bei einem akuten Schub, häufiger ist ein eher wellenförmiger oder ein chronischer Verlauf. In der Regel wird eine Schizophrenie mit Medikamenten und Psychotherapie behandelt.

Schizophrenie: Früherkennung ist wichtig

Unter Umständen kündigt sich eine Schizophrenie an, bevor eine erste akute Phase auftritt. Die Symptome in diesem Vorstadium sind oft unspezifisch. Deshalb werden sie nicht immer gleich mit einer Schizophrenie in Verbindung gebracht.

Mögliche frühe Symptome sind zum Beispiel:

  • Störung der Wahrnehmung und der Gedankengänge
  • Unruhe, Ängste, angespannte oder gedrückte Stimmung
  • Konzentrationsprobleme
  • Rückzug von Freunden und Familie

Die genannten Symptome können aber auch andere Ursachen haben.

Experten gehen davon aus, dass ein früher Therapiebeginn die Prognose einer Schizophrenie verbessert. Daher wurden Früherkennungs-Zentren ins Leben gerufen. Sie beraten – auch anonym.

Die Angebote richten sich insbesondere an junge Erwachsene. Wer Veränderungen an sich bemerkt – etwa Konzentrationsprobleme, plötzliches Misstrauen gegenüber anderen Menschen oder unheimliche Wahrnehmungen – kann sich dort von Spezialisten beraten und untersuchen lassen.

Adressen von Früherkennungszentren gibt es zum Beispiel auf der Seite des FeTZ Berlin-Brandenburg:

www.fetz-charite.de

oder beim Kompetenznetz-Schizophrenie:

http://www.kns.kompetenznetz-schizophrenie.info/

Symptome: Weitere mögliche Anzeichen einer Schizophrenie

Folgende Symptome können auf eine Schizophrenie hindeuten – müssen aber nicht. Auch andere Krankheiten kommen als Ursache infrage. Einzelne Symptome zeigen sich manchmal auch bei Gesunden, ohne dass eine Therapie erforderlich wäre:

  • Denkstörungen: Konzentration und Aufmerksamkeit sind erschwert. Gedankengänge geraten immer wieder ins Stocken, reißen abrupt ab. Einzelne Gedanken schieben sich ein, stören den Gedankenfluss.
  • Halluzinationen: In der akuten Krankheitsepisode erleben Erkrankte eventuell Sinnestäuschungen. Sie hören zum Beispiel Geräusche oder Stimmen, die nicht wirklich da sind, etwa Stimmen ihrer Angehörigen. Oft kommentieren oder kritisieren diese Stimmen, werden eventuell als bedrohlich empfunden. Auch andere Arten von Halluzinationen können auftreten.
  • Wahnideen: Betroffene konstruieren Wahnvorstellungen, die keine reale Basis haben, ihnen selbst aber schlüssig erscheinen. Sie meinen beispielsweise, abgehört oder verfolgt zu werden. Andere beziehen Eindrücke in ihrer Umgebung fälschlicherweise auf sich. Sie glauben zum Beispiel, im Fernsehprogramm eine an sie gerichtete, versteckte Botschaft zu erkennen. Auch Größenwahn und religiöse Wahnvorstellungen kommen vor.
  • Ich-Störung: Betroffene erleben manche Bereiche ihrer eigenen Gedankenwelt als fremd, nicht zu sich gehörig. Sie haben den Eindruck, ihnen würden fremde Gedanken von außen eingegeben oder ihre eigenen Gedanken würden ihnen entzogen.
  • Antriebsstörungen: Manche Betroffene wirken kraftlos und apathisch, verlieren das Interesse an ihrer Umwelt und ziehen sich zurück. Bei schwerer Ausprägung können Betroffene das tägliche Essen und ihre Körperpflege vernachlässigen.
  • Veränderung der Stimmung: Betroffene zeigen und spüren eventuell keine ausgeprägten Gefühlsregungen mehr. Ihre Stimmung kann reizbar oder misstrauisch sein. Oder sie spüren unvereinbare Gefühle nebeneinander – Wut und Glück, Liebe und Hass.
  • Bewegungsstörungen: Als katatone Symptome bezeichnen Experten auffällige Störungen der Motorik, die unter heutigen Behandlungsmöglichkeiten selten geworden sind. Zum Beispiel wirken Patienten phasenweise wie erstarrt und zeigen keine Mimik (sogenannter Stupor). Solche Episoden können sich abwechseln mit Phasen starker Bewegungsunruhe.

Die beschriebenen Anzeichen müssen bei einer Schizophrenie nicht alle vorhanden sein. Sie können im Krankheitsverlauf und auch von Patient zu Patient variieren.

Was sind positive und negative Symptome?

Experten unterscheiden Positivsymptome und Negativsymptome – jedoch nicht im Sinne einer Wertung.

  • Positivsymptome: Es kommt etwas dazu, was beim Gesunden nicht feststellbar ist – zum Beispiel Wahnvorstellungen oder Halluzinationen.
  • Negativsymptome: Es fehlt etwas, was normalerweise da wäre – zum Beispiel Antrieb oder Mimik.

Daneben gibt es sogenannte kognitive Symptome. Sie betreffen das Denken – etwa die fehlende Fähigkeit, sich auf Sachverhalte zu konzentrieren oder Gedanken geordnet zu Ende zu denken.

Es wurden verschiedene Unterformen schizophrener Erkrankungen beschrieben. Folgende zählen dazu:

  • Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie: Vorherrschende Symptome sind Wahn und Halluzinationen
  • Hebephrene Schizophrenie: Sie beginnt typischerweise im Teenager-Alter. Im Vordergrund stehen vor allem Denk-, Antriebs- und Gefühlsstörungen
  • Katatone Schizophrenie: Hauptmerkmal der katatonen Schizophrenie sind Bewegungsstörungen (katatone Symptome, siehe oben)

Die verschiedenen Formen sind allerdings im Verlauf nicht stabil. Sie können untereinander wechseln, und nach heutigem Kenntnisstand können keine abgrenzbaren Ursachen unterschieden werden.

Manche Symptome überschneiden sich mit denen anderer psychischer Krankheiten, beispielsweise der Manie oder schwerer Depressionen. Dann kann eine sichere Abgrenzung schwierig sein.

Menschen mit Schizophrenie leiden statistisch betrachtet häufiger an weiteren psychischen Krankheiten wie Depressionen und an Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Auch das Risiko für manche körperlichen Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht, ebenso das Suizidrisiko.

Welche Ursachen hat eine Schizophrenie?

Wie Schizophrenien genau entstehen, ist nicht geklärt. Nach heutigem Wissen wirken unterschiedliche Faktoren zusammen. Vermutlich bringen manche Menschen bereits eine gewisse "Anfälligkeit" für die Krankheit mit. Folgende Punkte können eine Rolle spielen:

Gene?

Es gibt eine gewisse familiäre Veranlagung für die Schizophrenie. Dafür sprechen beispielsweise Beobachtungen an Zwillingen: Eineiige Zwillinge sind genetisch identisch. Erkrankt einer von beiden an Schizophrenie, erhöht sich das Risiko für den zweiten deutlicher, als es bei genetisch unterschiedlichen Geschwistern der Fall wäre.

Das Krankheitsrisiko beruht aber nicht auf einem einzelnen Gen. Wahrscheinlicher ist, dass viele verschiedene Gene zusammenwirken. Dass die Veranlagung vorhanden ist, bedeutet auch keinesfalls, dass die Krankheit auftreten muss. Schizophrenie wird also nicht einfach direkt "vererbt".

Veränderungen im Gehirn?

Vermutlich kommt es bei der Krankheit zu einer Veränderung bestimmter Hirn-Botenstoffe und zu einer veränderten Informationsverarbeitung. Als eine mögliche Ursache diskutiert werden zum Beispiel schädliche Einflüsse vor oder nach der Geburt. Forscher versuchen außerdem herauszufinden, ob und welche Auffälligkeiten sich bei Erkrankten im Gehirn ausmachen lassen – etwa indem sie Hirnaufnahmen von Gesunden und Betroffenen vergleichen. Abschließende Ergebnisse dazu gibt es noch nicht.

Lebensereignisse?

Äußere Einflüsse können bei gefährdeten Menschen eventuell zu einem Mit-Auslöser der Krankheit werden, beispielsweise sehr belastende Erlebnisse oder starker Stress. Der Konsum mancher Drogen wie Haschisch oder Marihuana kann eine Schizophrenie bei entsprechender Veranlagung möglicherweise früher zum Ausbruch bringen. Als alleinige Ursachen der Krankheit gelten solche Faktoren jedoch eher nicht.

Diagnose

Erster Ansprechpartner ist eventuell der Hausarzt. Hat er den Verdacht, dass es sich um eine Schizophrenie handelt, wird er üblicherweise zu einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie überweisen.

Der Arzt wird sich mit dem Patienten unterhalten, um sich ein Bild von seinen Symptomen zu machen. Im akuten Krankheitsschub kann die Kommunikation erschwert sein. Betroffene sind krankheitsbedingt nicht immer zu überzeugen, dass sie krank sind und eine Therapie ratsam erscheint.

Im Gespräch mit dem Patienten – und wenn möglich auch mit seinen Angehörigen – versucht der Experte andere psychische Krankheiten abzugrenzen. Psychologische Tests helfen, die Gedächtnisfunktion oder die Aufmerksamkeit des Patienten zu beurteilen.

Um körperliche Krankheiten als Ursache auszuschließen, fertigt der Arzt eventuell Bilder des Gehirns an – zum Beispiel mittels der Magnetresonanztomografie (MRT). Blutuntersuchungen lassen zum Beispiel Rückschlüsse auf die Schilddrüsenfunktion, die Leber- und Nierengesundheit oder Infektionen zu.

Die Diagnose wird heute in Deutschland anhand der Kriterien der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen der Weltgesundheitsorganisation WHO (ICD-10) gestellt. Sie beschreibt neun Symptomgruppen, aus denen die Diagnose ableitbar ist. Eine bestimmte Symptomkombination muss definitionsgemäß mindestens einen Monat lang feststellbar sein.

Therapie: So wird Schizophrenie behandelt

Eine Behandlung setzt sich im Wesentlichen aus drei Bausteinen zusammen:

1. Medikamente (vorrangig Antipsychotika, früher Neuroleptika genannt)

2. Psychoedukation und Psychotherapie

3. Soziotherapie (konkrete Hilfen im Alltag)

Wie die Bausteine im Einzelfall gewichtet werden, hängt von der Krankheitsphase und vom individuellen Behandlungsziel ab. In vielen Fällen erfolgt die Behandlung zu Beginn in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik oder Tagesklinik, bei milderen Verläufen ambulant.

1. Medikamente

Im akuten Schub kommen in der Regel Medikamente zum Einsatz. Sie beeinflussen vor allem psychotische Symptome wie Wahn und Halluzinationen günstig. Negativsymptome und kognitive Störungen (siehe Abschnitt "Symptome") sprechen oft weniger gut darauf an.

Welches Medikament ausgewählt wird, muss individuell entschieden werden. Ob es im Einzelfall hilft, oder ob auf ein anderes Medikament gewechselt werden muss, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Vor Therapiebeginn sollten mögliche Nebenwirkungen zur Sprache kommen – je nach Wirkstoff zum Beispiel Bewegungsstörungen (Dyskinesien) oder eine Gewichtszunahme.

Akute psychotische Episoden können mehrere Wochen anhalten. Verläuft die Krankheit schubförmig, liegen zwischen den akuten Episoden oft Monate oder Jahre. In dieser Zeit können Symptome ganz verschwinden oder teilweise bestehen bleiben. Die Krankheit kann aber auch eher kontinuierlich verlaufen.

Ob und wie lange Medikamente nötig sind, sollte individuell entschieden werden.  Je nach Situation kommen sie für einige Jahre oder sogar dauerhaft zum Einsatz. Ob Medikamente abgesetzt werden können, sollte auf jeden Fall zuvor mit dem Arzt abgesprochen werden.

2. Psychoedukation und Psychotherapie

Wichtig ist, dass Betroffene – und nach Möglichkeit auch ihre Angehörigen – möglichst fundierte Informationen über die Krankheit erhalten. Diese sogenannte Psychoedukation soll Patienten unter anderem in die Lage versetzen, die Krankheit besser zu verstehen, Zeichen eines Krankheitsrückfalls frühzeitig zu erkennen und rasch darauf zu reagieren. Ziel ist immer eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Betroffenen und Therapeuten, um einen selbstverantwortlichen Umgang mit der Krankheit zu fördern und Betroffene und ihre Angehörigen bei der Krankheitsbewältigung zu unterstützen.

Insgesamt gewinnen psychotherapeutische Verfahren bei der Behandlung der Schizophrenie an Bedeutung. Sie helfen Betroffenen beispielsweise, besser mit Stress und Konflikten in ihrem Alltag umzugehen, tragfähige Lösungen für Probleme zu entwickeln und soziale Fähigkeiten zu trainieren. Therapeuten erproben außerdem neue Techniken, die Patienten zum Beispiel anleiten, ihre eigenen Denkvorgänge zu beurteilen. Im besten Fall erkennen Betroffene problematische Denkfallen, und können so beispielsweise erlernen, weniger krankheitsbedingte voreilige Schlüsse zu ziehen. Eine Psychotherapie kann neben einer Verbesserung der Symptomatik die Betroffenen bei ihren Fähigkeiten unterstützen, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen und eine befriedigende Arbeit auszuüben.

3. Soziotherapie und Rehabilitation

Soziotherapeutische Methoden helfen Patienten zurück in ein möglichst eigenständiges Leben. Betreuer und Therapeuten motivieren Betroffene zum Beispiel, ihren Tagesablauf sinnvoll zu strukturieren, alle notwendigen Alltagsaufgaben wie Einkaufen, Kochen zu erledigen. Sie unterstützen Patienten dabei, ihre Freizeit aktiv zu gestalten, sich nicht zu isolieren, sondern Kontakte zu knüpfen – etwa in Begegnungsstätten.

Wichtiges Ziel ist außerdem, dass Patienten auch langfristig passende Hilfsangebote nutzen. Soweit machbar, sollen Betroffene wieder in den Beruf zurückfinden. Dabei können berufliche Rehabilitationsmaßnahmen hilfreich sein.

Gegen das Stigma

Betroffene und Angehörige müssen leider noch immer gegen Diskriminierung und Vorurteile kämpfen – etwa die falsche Vorstellung, alle an einer Schizophrenie Erkrankten seien weniger intelligent, gewaltbereit oder unberechenbar. Verschiedene Initiativen haben sich zum Ziel gesetzt, über die Krankheit aufzuklären und sich für Betroffene und ihre Angehörigen einzusetzen – zum Beispiel "BASTA - das Bündnis für psychisch erkrankte Menschen", Teil des weltweiten Programms "Open the Doors":

www.bastagegenstigma.de

www.openthedoors.com

Prof. Dr. Florian Schlagenhauf

Beratender Experte

Professor Dr. med. Florian Schlagenhauf ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Seit 2017 ist er Heisenberg Professor an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité-Universitätsmedizin Berlin am Campus Mitte. Er ist dort Ärztlicher Leiter des Früherkennungs- und Therapiezentrum für beginnende psychotische Erkrankungen Berlin-Brandenburg (FeTZ).

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.