1. Was ist Cannabis eigentlich?

Rein biologisch betrachtet gehört Cannabis zu der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Dazu gehört übrigens auch der Hopfen (Humulus Lupulus). Das zum Konsum geeignete Cannabis stammt üblicherweise von der weiblichen Hanfpflanze: Mit Gras, Weed, Pot oder Marihuana ist allgemein das Rauchen der weiblichen Blüten gemeint. Und mit Haschisch deren Harz. Cannabis gilt in Deutschland als illegales Suchtmittel, darf aber seit 2017 nach ärztlicher Verordnung bei gewissen Krankheitsbildern legal angewendet werden.

Hanfpflanze mit Blütenknospen, gezüchtet für die Gewinnung von medizinischem Marihuana

Hanfpflanze mit Blütenknospen, gezüchtet für die Gewinnung von medizinischem Marihuana

2. Wie wirkt Cannabis?

Der bekannteste berauschende Wirkstoff in Cannabis ist Tetrahydrocannabinol, kurz: THC. Daneben enthält Cannabis aber noch andere sogenannte Cannabinoide wie Cannabidiol (CBD). Die psychoaktive Wirkung von Cannabis wird als angenehm und entspannend beschrieben – oft einhergehenden mit einer gesteigerten sensorischen Wahrnehmung. Aber: Auch Angst und Panik können sich breit machen. Außerdem können unter anderem Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der psychomotorischen und kognitiven Leistungsfähigkeit sowie Störungen der Zeitwahrnehmung, erweiterte Blutgefäße und ein beschleunigter Puls auftreten. Die Fähigkeit zu klarem Denken und sinnvollem Handeln ist im Cannabis-Rausch eingeschränkt. Das Führen von Fahrzeugen unter dem Einfluss von THC ist daher verboten.

3. Ist Cannabis weniger schädlich als Alkohol?

Wenn man „schädlich“ lediglich auf die Anzahl der Todesfälle bezieht, ja. Zum Vergleich: In Deutschland sterben jedes Jahr über 70.000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums. Die Anzahl der Todesfälle, die tatsächlich direkt auf Cannabiskonsum zurückzuführen sind, liegt dagegen nahe null. Selbst eine Vergiftung durch hohe Mengen Cannabis endet üblicherweise nicht tödlich. Dennoch kann sich auch Cannabis schädlich auf den menschlichen Organismus auswirken. Bekannt ist zum Beispiel, dass regelmäßiger Konsum die Gedächtnisleistung beeinträchtigen kann. Diese Beeinträchtigung scheint jedoch wieder zu verschwinden, wenn kein Cannabis mehr konsumiert wird. Ebenfalls ist in der Diskussion, ob Cannabiskonsum das Risiko für bestimmte Krebsleiden erhöhen kann. Cannabiskonsum kann abhängig machen.

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4. Cannabis wird doch meist geraucht – also steigt doch das Lugenkrebsrisiko?

Das liegt nahe, ist aber wissenschaftlich tatsächlich noch nicht endgültig geklärt. Die Studien dazu sind meist eher klein. Große, hochwertige Untersuchungen fehlen. Ein klarer, signifikanter Zusammenhang zwischen Cannabis-Konsum und Krebserkrankungen des Kopf- und Halsbereichs sowie der Lunge ist bisher nicht belegt. Schwierig ist das auch deshalb, weil durch die Beimischung von Tabak beim Cannabiskonsum häufig auch andere lungenschädigende Stoffe aufgenommen werden, die das Risiko für Lungenkrebs erhöhen können. Und: Cannbiskonsum scheint möglicherweise das Risiko für Hodenkrebs erhöhen zu können.

5. Warum muss Cannabis überhaupt geraucht werden?

Muss es nicht. Aber in der Cannabis-Pflanze liegt THC zunächst als Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) vor. Durch einen chemischen Prozess, der Decarboxylierung genannt wird, wird aus THCA THC. Dieser Prozess wird zum Beispiel durch Erhitzen angekurbelt. Als THC kann sich der Wirkstoff besser an die körpereigenen Cannbinoid-Rezeptoren binden. Weil THC aber lipophil, also fettlöslich ist, kann der menschliche Körper den Wirkstoff auch in fettreichen Lebensmitteln wie Kuchen, Keksen oder Muffins verarbeiten. Hier gelangt das THC jedoch erst über den Magen, wird in der Leber teilweise nochmal verstoffwechselt und kommt damit wesentlich verzögert in die Blutbahn. Der Rauscheintritt, die Dosierung und die Dauer des Rauschzustandes sind weniger kontrollierbar. Die Wirkung tritt beispielsweise später ein und hält länger an.

6. Ist Cannabis harmlos?

Auf keinen Fall. Cannabis, beziehungsweise THC, wirkt psychoaktiv. Daher steht der Wirkstoff auch im Verdacht, das Risiko an Angststörungen, Depressionen oder einer Psychose (ein Überbegriff für psychische Störungen, bei denen im allgemeinen beispielsweise durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen ein Verlust des Realitätsbezugs besteht), zu erkranken zu steigern. Besondere Gefahr hierfür zeigt sich in der Pubertät, da sich das Gehirn hier noch in der Entwicklung befindet. Was noch nicht ganz geklärt ist, ist das Henne-Ei-Problem: Denn bisherige Studien zeigen zwar einen statistischen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Psychosen und anderen psychischen Leiden wie Schizophrenie. Aber es gibt auch Anzeichen dafür, dass Menschen, die an Psychosen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden, häufiger Cannabis konsumieren um zu versuchen ihr psychisches Leid zu betäuben.

Oder: Wird Cannabis beispielsweise während einer Schwangerschaft konsumiert, kann das durchaus fatale Folgen für das Un-, beziehungsweise Neugeborene haben: Säuglinge sind nach der Geburt oft auf intensivmedizinische Betreuung angewiesen. Darüber hinaus kann die gesamte körperliche und geistige Entwicklung der Säuglinge massiv negativ beeinflusst werden. Oder: Wer sich zum Beispiel im Cannabisrausch hinters Steuer setzt, gefährdet selbstredend sich und andere Menschen.

7. Macht Kiffen dumm?

Im Gegensatz zu den akuten Beeinträchtigungen wie der Minderung der Gedächtnisleistung, der Aufmerksamkeit oder der Psychomotorik im Rausch selbst, ist die Auswirkung auf die Intelligenz noch nicht abschließend geklärt. Bei Jugendlichen fand eine relativ aktuelle Analyse mehrerer Studien jedoch Hinweise auf eine gewisse Auswirkung auf den Intelligenzquotient. Jugendliche, die früh regelmäßig Cannabis konsumieren, scheinen im Schnitt niedrigere Bildungsabschlüsse zu erreichen. Regelmäßiger Konsum beeinträchtigt die Gedächtnisleistung wohl zumindest solange er anhält.

8. Ist Cannabis eine gute Medizin?

Das kommt darauf an. Das Bundesgesundheitsministerium hat hierzu eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse: Bei chronischen Schmerzen scheinen Cannabis-Arzneimittel zu einer leichten Schmerzreduktion zu führen. Aber: Bei Parkinson fand sich keine ausreichende Evidenz für eine Wirksamkeit oder auch bei Morbus Crohn und anderen (entzündlichen) Magen-Darm-Erkrankungen. Hier konnte keine Verbesserung der Symptome festgestellt werden. Dennoch: Bei HIV/Aids konnten Studien eine gewichtsstimulierende Wirkung feststellen. Auch bei Chemotherapien wirkt sich Cannabis positiv auf die Reduzierung von Übelkeit und Erbrechen aus. Insgesamt ist die wissenschaftliche Evidenz zur Cannabis-als-Medizin-Frage jedoch noch relativ dünn. Für qualifizierte Aussagen braucht es hierzu definitiv mehr vergleichbare Untersuchungen.

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9. Ist Cannabis eine Einstiegsdroge?

Es gibt eine Korrelation, also einen Zusammenhang, zwischen frühem, regelmäßigen Cannabiskonsum und einem weiterführenden Konsum anderer illegaler Drogen. Aber die Frage der Kausalität, also ob Cannabis wirklich die Ursache ist, ist nach wie vor offen.