Procalcitonin (PCT): Ein Entzündungsparameter

Ist die Procalcitonin-Konzentration im Blutserum erhöht, spricht das für eine bakterielle Entzündung. Vor allem bei Patienten mit Blutvergiftung (Sepsis) und erkrankten Neugeborenen nutzen Ärzte den Procalcitoninwert, um Hinweise auf die genaue Krankheitsursache und den Verlauf zu erhalten

von Dennis Ballwieser, aktualisiert am 30.03.2017

Intensivstationen nutzen den Procalcitonin-Wert, um Risikopatienten auf bakterielle Infektionen und Entzündungen hin zu überwachen


Kurz gesagt:

Procalcitonin ist ein Entzündungsparameter, der Ärzten bei Infektionen schnell einen Hinweis liefern kann, ob es sich um eine bakterielle Infektion handelt. Die im Blutserum gemessene Konzentration hilft also bei der Entscheidung, ob eine Antibiotika-Behandlung das Richtige für den Patienten ist. Steigt der Procalcitonin-Wert bei Patienten mit einer Sepsis sehr hoch, deutet das auf eine schlechtere Prognose hin. Bei Neugeborenen ist der Wert besonders wichtig, um einen Hinweis auf die Krankheitsursache zu bekommen. Auch nach Unfällen, großen Operationen und Verbrennungen kann der Procalcitonin-Wert kurzfristig ansteigen.

Was ist Procalcitonin?

Procalcitonin (PCT) heißt die Vorstufe eines körpereigenen Schilddrüsenhormons. Diese Vorstufe ist normalerweise kaum oder gar nicht im Blut nachweisbar. Kommt es jedoch im Körper zu einer Entzündung, steigt die PCT-Menge im Blut plötzlich an – insbesondere, wenn Bakterien der Auslöser sind. Diesen Mechanismus machen sich Mediziner bei der Diagnose von Infektionskrankheiten zunutze.

Aus hohen Procalcitonin-Blutwerten können Ärzte zweierlei schließen: Erstens liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Entzündung vor. PCT dient demnach als Entzündungsmarker. Zweitens sind Bakterien die wahrscheinliche Ursache. Diese Informationen helfen, schnell die passende Therapie zu finden. Handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine bakterielle Infektion, verordnen Ärzte frühzeitig Antibiotika. Sind dagegen Viren der Auslöser der Entzündung, bleibt der PCT-Wert meist niedrig. Antibiotika kommen dann eher nicht zum Einsatz. Gegen Viren richten diese Medikamente nicht viel aus.

Haupteinsatzgebiet des Laborparameters Procalcitonin ist die Diagnose und Therapie der Blutvergiftung (Sepsis). Die gefährliche Krankheit wird meist durch Bakterien ausgelöst. Hier liefert PCT den Ärzten auch Anhaltspunkte zum voraussichtlichen Krankheitsverlauf: Schnellt der Wert in die Höhe, ist das ein Warnsignal. Womöglich droht dann ein 
Organversagen oder ein sogenannter septischer Schock. Auch anhaltend hohe PCT-Werte gelten als eher ungünstiges Zeichen.

Auf Intensivstationen kann der PCT-Wert genutzt werden, um Risikopatienten auf bakterielle Infektionen und Entzündungen hin zu überwachen. Steigt der Wert an, muss nach einer Infektions- oder Entzündungsursache gesucht werden. Es ist ein Blutwert, der in der Regel im ambulanten Bereich oder auf Normalstationen keine Rolle spielt. Sein Stellenwert ist in der Intensivmedizin zu finden.

Allerdings: Es ist wichtig, Procalcitonin immer im Zusammenhang mit der Krankengeschichte des einzelnen Patienten sowie weiteren Untersuchungsbefunden zu betrachten. Denn neben Infektionskrankheiten lösen auch andere Ereignisse – meist nur kurzfristig – erhöhte Procalcitonin-Werte aus: zum Beispiel Verbrennungen, Unfälle mit Knochenbrüchen oder Schäden an inneren Organen sowie belastende große Operationen.

Welche Rolle spielt Procalcitonin bei Neugeborenen?

Neugeborene und vor allem Frühgeborene sind besonders von Infektionen bedroht. Stärker als bei älteren Kindern und Erwachsenen sind die behandelnden Ärzte auf Laborwerte angewiesen, um Hinweise auf die Krankheitsursache zu erhalten. Zeigt ein Neugeborenes Zeichen einer Infektion, hilft Procalcitonin dabei, die Frage zu beantworten, ob es sich eher um eine Infektion durch Bakterien oder eine durch Viren handelt. Das Ergebnis beeinflusst die Therapie.

Welcher Procalcitonin-Wert ist normal?

Bei Erwachsenen (Männern und Frauen) sollte der Procalcitonin-Wert im Blut unter 0,5 µg/l liegen.

Bei Frühgeborenen hängt der zu erwartende Wert von der Schwangerschaftswoche ab, in der sie geboren werden.

Wann ist der Procalcitonin-Wert zu hoch?

Bei einer Blutvergiftung (Sepsis), die von Bakterien ausgelöst wird, ist besonders viel Procalcitonin im Blut nachweisbar. Meist gilt: Je höher der Wert, desto schwerer die Infektion. Gleichbleibend erhöhte Werte sprechen für einen ernsten Verlauf.

Wann ist der Procalcitonin-Wert niedrig?

Bei Gesunden findet sich natürlicherweise kein oder kaum Procalcitonin im Blut. Im Fall einer Infektion mit Viren bleibt der PCT-Wert meist vergleichsweise niedrig – für Ärzte ein Anhaltspunkt, dass hier vermutlich keine Bakterien im Spiel sind.

Was kann den Procalcitonin-Wert beeinflussen?

Große Operationen können den Procalcitonin-Wert in die Höhe treiben. Nach Unfällen oder einem Kreislaufschock steigt der Wert oft ebenfalls an.

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München