Wirbelkörperbruch - kurz erklärt

Zu einem Wirbelkörperbruch kommt es meist aufgrund einer geschwächte Knochenstruktur (Osteoporose, Tumore, Stoffwechselerkrankungen) oder durch Unfälle. Hauptsymptom ist oft ein lokaler Schmerz im Bereich des betroffenen Wirbelkörpers, welcher zu einer Bewegungseinschränkung führt. Diagnostiziert wird ein Wirbelkörperbruch durch ein Röntgenbild und eine Magnetresonanz- oder Computer-Tomografie-Untersuchung. Die Therapie kann je nach Bruchart konservativ oder operativ erfolgen. Die konservative Behandlung besteht aus der Gabe von Schmerzmitteln und dem Tragen einer Rückenorthese. Zur operativen Versorgung kommen häufig die minimal-invasiven Verfahren der Vertebro- oder Kyphoplastie zum Einsatz.

Was ist ein Wirbelkörperbruch?

Bei einem Wirbelkörperbruch handelt es sich um einen Bruch (= Fraktur) eines oder mehrerer Wirbelkörper. Der Bruch kann sich an unterschiedlichen Stellen des Wirbelkörpers befinden, so zum Beispiel an der Vorderkante der Wirbelkörper oder an der Ober- (Deckplatte) beziehungsweise Unterkante (Grundplatte). Ist die Hinterkante bei einem Bruch mitbeteiligt, kann dies zu einer Einengung des Wirbelkanals (Spinalkanal) führen, wodurch es zu einer Schädigungen des Rückenmarks und/oder der Spinalnerven kommen kann.

Dieser Artikel behandelt die Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule, da die häufigste Bruchform (ostoeoporotische Wirbelkörperfraktur) meist diese Region betrifft. Frakturen der Halswirbelsäule (HWS) entstehen häufig durch einen Unfall und sind meist deutlich komplexer.

Hintergrundinformation: Aufbau der Wirbelsäule

Ursachen: Wie kommt es zu einem Wirbelbruch?

Die Ursachen der Wirbelkörperbrüche können in zwei Kategorien eingeteilt werden:

  • Traumatisch: Hierbei kommt es durch eine Krafteinwirkung zu einem Bruch des Wirbelkörpers. Ursächlich sind Unfälle, wie beispielsweise Verkehrsunfälle, Sportunfälle oder Stürze.
  • Spontan: Bei dieser Bruchform genügen bereits geringste Kräfte oder sogar allein die Schwerkraft. Es kommt spontan ohne äußere Einwirkung oder durch ein geringes Trauma (inadäquates Trauma) zu einem Bruch der Wirbelkörper. Weitaus häufigste Ursache ist die alterungsbedingte Osteoporose, bei welcher die geschwächte Knochenstruktur das eigene Körpergewicht nicht mehr tragen kann. Aber auch Tumorerkrankungen der Wirbelsäule oder Knochenmetastasen (Absiedelungen eines Tumors von einem anderen Ort, zum Beispiel bei Prostatakrebs) können das Grundgerüst des Knochens so sehr schwächen, dass es zu einem spontanen Einbruch kommen kann.

Die osteoporotisch bedingten Brüche kommen vor allem im Bereich zwischen der mittleren Brustwirbelsäule bis zu den oberen Wirbeln der Lendenwirbelsäule vor. Sie fallen im Verlauf meist durch eine charakteristische Form (Fischwirbel, Keilwirbel oder Plattwirbel) auf und sind in der Regel stabil.

Hinweis: Stellt sich der Verdacht auf einen durch Osteoporose bedingten Bruch (osteoporotische Fraktur) sollte undbedingt die Grunderkrankung mittels Knochendichtemessung abgeklärt werden. Beim gesicherten Vorliegen einer Osteoporose muss eine antiosteoporotische Therapie begonnen werden. Dies sollte durch speziell ausgebildete Ärzte (Osteologen) geschehen.

Symptome: Welche Beschwerden bereitet ein Wirbelkörperbruch?

Hauptsymptom für einen Bruch sind dumpfe Schmerzen im Bereich des gebrochenen Wirbels, welche auch zur Seite hin oder nach unten ausstrahlen können, bereits in Ruhe auftreten und sich durch Bewegung verschlimmern können. Durch die Schmerzen kommt es zu einer Beeinträchtigung der Beweglichkeit und damit der Lebensqualität. Sind mehrere Wirbel übereinander gebrochen, kann es im Verlauf zu einer Wirbelsäulenverkrümmung (Rundrücken) und damit verbundener Minderung der Körpergröße kommen.

Handelt es sich um einen Bruch mit Beteiligung der Hinterkante kann es zu einer Rückenmarksverletzung durch die Einengung des Nervenkanals kommen. Die Symptome hängen von der Höhe der Verletzung ab und können sich als Schmerzen bis hin zu Lähmungen oder Taubheitsgefühl der Beine äußern. Auch Blasen- oder Darmentleerungsstörungen können in seltenen Fällen auftreten. Hierunter versteht man die Unfähigkeit, Urin oder Stuhlgang halten zu können.

Achtung: Lähmungen und Blasen- oder Mastdarm-Entleerungsstörungen stellen einen Notfall dar und bedürfen einer sofortigen ärztlichen Abklärung.

Diagnose: Wie wird ein Wirbelkörperbruch festgestellt?

Anamnese und körperliche Untersuchung: Meist lässt sich schon anhand der Krankengeschichte (Anamnese) sowie dem Unfallmechanismus oder bestehenden Vorerkrankungen der Verdacht auf einen Wirbelkörperbruch stellen. In der körperliche Untersuchung findet sich häufig ein Klopfschmerz über der betroffenen Region.

Treten neurologische Auffälligkeiten hinzu, wie Lähmungen oder Taubheitsgefühle ist dies ein Zeichen für eine Beteilung des Rückenmarks oder der Spinalnerven.

Bildgebende Verfahren: Gesichert wird der Verdacht durch bildgebende Verfahren. Im klassischen Röntgenbild lässt sich oft der Verdacht äußern, ein frischer Bruch lässt sich aber nur in einer Magnetresonanz-Untersuchung (MRT) beweisen. Falls eine MRT-Untersuchung nicht möglich ist, beispielsweise bei Trägern bestimmter Herzschrittmacher, muss alternativ eine CT-Untersuchung angefertigt werden. Insbesondere bei der Beurteilung des Alters des Bruchs (frischer oder alter Bruch) oder auch bei Verdacht auf eine Mitbeteiligung von Bändern, Bandscheiben oder des Rückenmarks kommen oben genannte Untersuchungen (optimalerweise eine MRT-Untersuchung) zum Einsatz und sind für die OP-Entscheidung mitbedeutend.

Therapie: Wie werden Wirbelkörperbrüche behandelt?

Prinzipiell ist zwischen einer konservativen und einer operativen Versorgung zu unterscheiden. Konservativ bedeutet: ohne Operation.

Konservative Therapie:

Stabile Wirbelkörperbrüche können in der Regel konservativ behandelt werden. Ein stabiler Bruch ist in sich verkeilt und droht nicht wesentlich zu verrutschen. Bei der konservativen Therpie erfolgt eine Schmerztherapie sowie die Versorgung mit einer Rückenorthese und körperlicher Schonung für zwei bis drei Monate.

Allerdings können auch stabile Brüche in sich weiter zusammensacken und einen Knick in der Wirbelsäule verursachen. Daher ist bei einer konservativen Therapie bei frischen Frakturen eine erneute Röntgenaufnahme nach circa ein bis zwei Wochen indiziert. Im Verlauf können die Abstände der Röntgenkontroll-Aufnahmen länger werden.

Operative Therapie:

Eine operative Versorgung von Wirbelkörperbrüchen ist dann sinnvoll, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, hierzu zählen:

  • Instabile Bruchformen - sie drohen zu verrutschen und können dadurch nicht verwachsen und ausheilen. Außerdem könnte es durch die Verschiebung zu weiteren Verletzungen kommen.
  • Ausgeprägte Höhenminderung - hier kommt es durch den Bruch zu einer deutlichen Höhenabnahme des Wirbelkörpers, wodurch sich Schmerzen ergeben. Zusätzlich ist hierdurch das Gleichgewicht der Wirbelsäule aus dem Lot.
  • Zunehmende Höhenminderung des Bruchs im Verlauf. Zeigt sich in der Röntgen-Kontrollaufnahme eine deutliche Höhenminderung zur Voraufnahme spricht dies ebenfalls für eine operative Versorgung.
  • Starke, medikamentös nur unzureichend behandelbare Schmerzen und dadurch bedingter Bewegungseinschränkung (Immobilität).
  • Bruchformen, welche zu einer Fehlstellung der Wirbelsäule (starke Kyphosierung) führen.
  • Mehrere Wirbelkörperbrüche übereinander (Mehretagenfrakturen).
  • Mitbeteiligung des Rückenmarks oder Nerveneinengung (Kompression) und hierdurch verursachte Probleme (neurologische Auffälligkeiten).

Das Alter des Bruchs ist für die Wiederherstellung der Wirbelkörperhöhe, die Korrektur der Verformung sowie die Prognose entscheidend. Eine operative Versorgung ist daher so früh wie möglich sinnvoll, sollte aber in der Regel spätestens innerhalb von sechs Wochen erfolgen.

Operationsverfahren: Welche operative Versorgung gibt es?

Es gibt verschiedene Operationsverfahren, um einen Bruch des Wirbelkörpers zu versorgen. Die häufigsten sind die:

Kyphoplastie / Vertebroplastie

Hauptindikation der Vertebro- und Kyphoplastie ist die frische (akute/subakute) osteoporotische Wirbelkörper-Fraktur ohne Nerveneinengung (neurologisches Defizit) und ansonsten relativ stabilen Rücken.

Bei beiden Verfahren handelt es sich um minimal-invasive Operationen, das heißt, es werden über kleine Hautschnitte spezielle Arbeitskanülen unter wiederholter Röntgenkontrolle in den Wirbelkörper plaziert. Hierüber kann dann Zement in die Wirbelkörper gespritzt werden. Je nach Zementart ist der Zement nach circa acht bis 26 Minuten ausgehärtet.

  • Vertebroplastie

Bei der Vertebroplastie wird unter Röntgenkontrolle Knochenzement in den gebrochenen Wirbelkörper gespritzt. Ziel ist es, den Wirbelkörper zu stabilisieren und dadurch vor allem eine Schmerzminderung zu erreichen.

  • Ballon- oder Stentkyphoplastie

Auch bei der Ballonkyphoplastie wird Zement in den gebrochenen Wirbelkörper eingebracht. Allerdings wird bei diesem Verfahren zuvor durch einen Ballon ein Hohlraum geschaffen, welcher anschließend mit Zement aufgefüllt wird (siehe Bildergalerie).

Vorteil der Ballonkyphoplastie gegenüber der Vertebroplastie ist die Möglichkeit zur (teilweisen) Wiederaufrichtung des Wirbelkörpers, wodurch die bruchbedingte Fehlstellung (Kyphosierung) vermindert wird. Hauptziel ist auch hier eine Schmerzminderung, welche einerseits durch die Stabilisierung des Bruchs als auch andererseits durch die Verminderung der Fehlstellung bedingt ist. Denn aufgrund der verminderten Fehlstellung ist ein besseres Zusammenspiel des gesamten Muskel-Band-Apparates möglich.

Bei der Stentkyphoplastie wird zusammen mit dem Ballon ein Stent eingebracht (Kobald-Chrom-Metallstent). Dieser spannt sich wie ein Gitter auf und stabilisiert den entstandenen Hohlraum. Auch bei diesem Verfahren wird im Anschluss der Hohlraum mit Zement aufgefüllt. Dieses Operationsverfahren kommt vor allem für grenzwertig stabile Brüche infrage.

Über 90 Prozent der Patienten berichten über eine deutliche Schmerzminderung. Diese guten Ergebnisse lassen sich allerdings nur bei Brüchen erreichen, welche jünger als sechs Wochen sind.

Stabilisierung mit Implantaten

Bei instabilen Wirbelkörperverletzungen wird die Wirbelsäule mit Schrauben und Stäben stabilisiert (Fixateur interne). Seltener muss ein Wirbelkörper auch ganz oder teilweise ersetzt werden. Dies kommt vor allem dann in Betracht, wenn der Wirbelkörper stark zerstört ist. In diesem Fall wird ein künstlicher Wirbelkörper (zylinderförmiges Metallgerüst) als Platzhalter eingesetzt.

Komplikationen: Welche Komplikationen können auftreten?

Neben den Komplikationen, welche bei allen Operationen auftreten können, ist bei diesen Verfahren der Zementaustritt zu nennen. Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab, allerdings haben sie in deutlich unter einem Prozent eine klinische Bedeutung, beispielsweise wenn der Zement in den Spinalkanal oder in eine Vene eintritt. Insgesamt ist das Auftreten unerwünschter symtomatischer Ereignisse sehr selten.

Eine weitere mögliche Komplikation ist das Auftreten von sogenannten sekundären Frakturen der benachbarten Wirbelkörpersegmente (Vertebral Body Fracture Cascade, Anschlussfrakturen) aufgrund der Verhärtung der zuvor gebrochenen Wirbelkörper. Vor allem wenn die Knochensubstanz der benachbarten Wirbel bereits osteoporotisch geschwächt ist, ist das Risiko erhöht.

Unser beratender Experte:

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Dr. med. Dominik Bengel ist leitender Oberarzt im Wirbelsäulenzentrum des Benedictus Krankenhauses Tutzing. Seit 2008 erfolgte seine Spezialisierung als Wirbelsäulenchirurg und umfasst heute das gesamte Spektrum der Wirbelsäulenchirurgie. Schwerpunkt ist die Behandlung degenerativer und traumatologischer Erkrankungen. Eine operative Versorgung kann häufig in minimal-invasiven Techniken durchgeführt werden. Nach dem Curriculum der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) ist Dr. Dominik Bengel seit September 2016 im Besitz des Basis- und Masterzertifikats für Wirbelsäulenchirurgie.

Quellen:

  • Expertise Orthopädie und Unfallchirurgie, Wirbelsäule. G. Stein, P. Eysel, M. J. Scheyerer. Thieme-Verlag, 1. Auflage, 2019. Kapitel 4 „Osteoporose und osteoporotische Frakturen“, K. M. Peters, C. Niedhart, S. 170-181
  • Expertise Orthopädie und Unfallchirurgie, Wirbelsäule. G. Stein, P. Eysel, M. J. Scheyerer. Thieme-Verlag, 1. Auflage, 2019. Kapitel 12.6 „Operative Verfahren - Augmentationstechniken/-verfahren“, S. Hopf, M.J. Scheyerer, S. 544 ff.
  • Expertise Orthopädie und Unfallchirurgie, Wirbelsäule. G. Stein, P. Eysel, M. J. Scheyerer. Thieme-Verlag, 1. Auflage, 2019. Kapitel 12.5.1 Vertebro-und Kyphoplastie, C.M.L. Werner, P. Maxy, M. J. Scheyerer, S. 529-536

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