Diabetes Ratgeber

Das Ausfahrtsschild an der Autobahn können Sie erst kurz vor knapp entziffern? Oder Sie müssen die Zeitung auf Armlänge halten, weil sonst der Text verschwimmt? Höchste Zeit für einen Besuch beim Augenoptiker. Doch bei Diabetes reicht das nicht.

"Sehverschlechterungen sind bei Menschen mit Diabetes immer ein Anlass, mit dem Augen- und dem Hausarzt oder Diabetologen zu sprechen", sagt Professor Dr. Horst Helbig, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Regensburg. Ein Beispiel: Starke Blutzuckerschwankungen im Tagesverlauf können die Brechkraft der Linse verändern. Dann sieht man mal besser, mal weniger gut. Wichtig: Wer eine neue Sehhilfe braucht, sollte sie nicht anpassen lassen, wenn ein neues Dia­betesmedikament verordnet oder die Dosis verändert wurde. Lieber warten, bis sich die Zuckerwerte auf einem stabilen Niveau eingependelt haben. Das kann ein paar Wochen dauern.

Die richtige Brille für mich

Bei geringer bis mittelgradiger Fehlsichtigkeit, etwa bis sechs Dioptrien, ist eine Brille meist die unkomplizierteste Lösung. Der Ausgleich einer Hornhautverkrümmung oder Gleitsichtgläser sind mit einer Brille leichter möglich als mit Kontaktlinsen.

Brillengläser lassen sich mit Tönungen oder Polfiltern ausstatten. Das hilft, weniger leicht geblendet zu sein oder Kontraste, etwa am Computer, besser wahrzunehmen. "Allerdings kommt dann auch weniger Licht im Auge an", sagt Mandy Marchwat, Augenoptikermeisterin aus Oderberg. Oft sind diese Gläser wegen des Unfallrisikos nicht für die Dämmerung oder nachts geeignet. "Eine individuelle Beratung ist wichtig", empfiehlt Marchwat. Was noch für eine Brille spricht: Menschen mit Diabetes sind etwas anfälliger für Infektionen, auch im Auge. "Wer zu Entzündungen neigt, ist mit einer Brille besser geschützt", so Marchwat.

Oder doch lieber Kontaktlinsen?

Bei starker Kurzsichtigkeit bieten Kontaktlinsen Vorteile fürs Sehen: Sie vergrößern das Bild auf der Netzhaut, und auch an den Rändern des Gesichtsfeldes ist noch alles scharf.Unter harten Linsen ist die Hornhaut besser mit Sauerstoff versorgt als unter weichen. "Bei langen Tragezeiten sind harte Kontaktlinsen verträglicher", erklärt Marchwat. Ausnahme: Wer viel mit Staub zu tun hat, kommt mit weichen Linsen oft besser zurecht.

Zur Pflege der Linsen wählen Sie am besten Produkte ohne Konservierungsstoffe. Das gilt auch für Präparate gegen trockene Augen und ist für Kontaktlinsenträger wichtig. "Zunächst sollte geklärt werden, was hinter der Augentrockenheit steckt", rät Optikerin Marchwat. "Dann findet sich auch eine individuelle Lösung für Ihre Kontaktlinsen."

Wichtig bei Diabetes: Hohe Blutzuckerwerte können den Tränenfilm verändern. Manche Nutzer kommen dann mit den Linsen nicht so gut zurecht. Die Werte zu optimieren ist — wie beim Anpassen einer Brille — der erste Behandlungsschritt.

Weitere Sehhilfen

Rund fünf Prozent aller Menschen mit Diabetes in Deutschland sind infolge der Zuckerkrankheit in ihrem Sehvermögen stark beeinträchtigt. Handlupen, elektronische Bildschirmlesegeräte oder spezielle Aufsteckgläser können die Lesefähigkeit verbessern. Wenn der Augenarzt den Bedarf festgestellt hat, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Auch eine visuelle Rehabilitation kann sinnvoll sein. Dabei werden zum Beispiel spezielle Sehhilfen individuell angepasst. Lassen Sie sich vom Arzt beraten, oder wenden Sie sich an Augenkliniken mit Sehbehindertenambulanzen, Sehbehindertenverbände oder Optiker mit "Low- Vision-Beratung", also Beratung für sehr schlechtes Sehen.

Kurz erklärt im Video: Die diabetische Retinopathie

Mit Diabetes regelmäßig zum Augenarzt!

Schäden an der Netzhaut als Folge des Diabetes (diabetische Retinopathie) können zur Erblindung führen. "Gehen Sie regelmäßig zum Augenarzt, auch wenn Sie perfekt sehen", rät Professor Dr. Horst Helbig von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Oft kann eine frühzeitige Behandlung den Sehverlust aufhalten.

Wird ein Typ-2-Diabetes festgestellt, gehört eine erste Augenuntersuchung zum Routineprogramm. Bei Typ-1-Diabetes ist die Erstuntersuchung nach einer Erkrankungsdauer von fünf Jahren vorgesehen, bei Kindern ab dem elften Lebensjahr. "Die Untersuchungsintervalle bespricht man am besten mit dem Augenarzt", erklärt Helbig. Bei bestehenden Schäden oder etwa in der Schwangerschaft sind kurze Abstände sinnvoll. Wichtig: Ein Besuch beim Optiker kann niemals die Netzhautuntersuchung beim Augenarzt ersetzen.

Nicht rauchen – dem Auge zuliebe

Giftstoffe in Zigaretten greifen die kleinen Blutgefäße in den Augen an und vermehren so die Schäden, die der Diabetes dort anrichten kann.

"Das Rauchen aufzugeben ist für Diabetiker ein wichtiger Baustein, um sich vor Erblindung zu schützen", sagt Augenarzt Horst Helbig

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