{{suggest}}


Brennnessel: Entwässerndes Wildkraut

Die Brennnessel wirkt leicht wassertreibend, was sich günstig bei Blasenentzündung und Prostataproblemen auswirken kann

von Dr. Martina Melzer, Dr. Martin Allwang, aktualisiert am 27.08.2020

Brennnessel – kurz erklärt

Wer eine Brennnessel streift, bemerkt dies sofort. Plötzlich brennt es auf der Haut, rote Quaddeln bilden sich, die Stelle kribbelt. Schuld daran sind die Abwehrstoffe der Pflanze, die sich in sogenannten Brennhaaren befinden. Kommt jemand dem Kraut zu nah, sondert die Brennnessel aus diesen Haaren Stoffe wie Histamin und Ameisensäure ab. Als pflanzliche Medizin dient die Brennnessel (Urtica dioica) aufgrund ihrer leicht harntreibenden Effekte.

Brennnessel

Welche Inhaltsstoffe kommen in der Brennnessel vor?

Zum Einsatz kommen Brennnesselblätter, ebenso wie die Wurzeln. In den Blättern stecken Flavonoide, zum Beispiel die Substanz Rutin. Daneben sind organische Säuren wie Kaffeoyläpfelsäure, ätherisches Öl, die Vitamine C, B, und K sowie Steroide enthalten. Auch Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium und Kieselsäure kommen in größeren Mengen vor. In den Brennhaaren stecken Histamin, Serotonin, Acetylcholin und Scopoletin.  Brennnesselwurzeln enthalten pflanzliche Steroidhormone wie beta-Sitosterol. Des Weiteren Lignane, Lectine und Polysaccharide.

Gegen was hilft die Brennnessel?

Gegen welche Beschwerden Brennnessel hilft, hängt von den verwendeten Pflanzenteilen ab. In Brennnesselblättern befinden sich Flavonoide. Diese sekundären Pflanzenstoffe wirken leicht wassertreibend. Das heißt, sie erhöhen die Harnausscheidung und durchspülen damit die ableitenden Harnwege (also Harnleiter, Blase und Harnröhre). Die Blätter können daher gegen eine aufkommende Blasenentzündung oder andere Harnwegsinfekte helfen. Meist wird die Brennnessel hierfür mit ähnlich wirkenden Kräutern kombiniert – zum Beispiel mit Birkenblättern und Goldrutenkraut.

Brennnesselwurzeln haben ein ganz anderes Einsatzgebiet: Auszüge aus den Wurzeln können das Wasserlassen erleichtern, welches Männern mit einer beginnenden gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) Probleme bereitet. Für diesen Effekt sind vermutlich die Phytohormone verantwortlich (wie beta-Sitosterol).

Wichtig: Pflanzliche Mittel haben nur eine begrenzte Wirkung, bei Beschwerden, die sich damit nicht ausreichend lindern lassen, wird der Urologe oder die Urologin Präparate mit chemischen Wirkstoffen verordnen. Außerdem hat Brennnessel keinen Einfluss auf die Größe der Prostata. Wer die Heilpflanze einnehmen möchte, sollte dies mit dem behandelnden Urologen abklären. Tees eignen sich weniger, da die Inhaltsstoffe darin zu wenig aufkonzentriert sind. Positiv scheint sich eine Kombination mit Sägepalmenfrüchten auszuwirken.

Forscher haben darüber hinaus in Laborversuchen festgestellt, dass Inhaltsstoffe aus Brennnesseln antientzündlich wirken. Ob sich das Kraut jedoch bei entzündlichem Rheuma oder Arthrose einsetzen lässt, ist noch nicht geklärt.

Was hilft bei einer Blasenentzündung?

Was ist bei der Anwendung zu beachten?

Wer Brennnessel gegen Harnwegsinfekte einnimmt, sollte ausreichend viel trinken. Das unterstützt den durchspülenden Effekt.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Wer unter Wasseransammlungen im Körper leidet, die durch eine eingeschränkte Herz- oder Nierenfunktion bedingt sind, darf Brennnessel nicht anwenden.

Wichtig: Lassen Sie sich zu Dosierung, Anwendung und unerwünschten Effekten der Heilpflanze in der Apotheke beraten.

Quellen:

Wichtl M: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2016