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Es knallt, kracht, blitzt und zischt: Viele Menschen lassen das Jahr mit einem Feuerwerk und Böllern ausklingen. Doch für Tiere ist Silvester oft die schlimmste Nacht des Jahres. „Die Lautstärke ist Stress pur für die Tiere“, sagt Ann-Kathrin Fritsche, Tierärztin aus Berlin mit dem Spezialgebiet Tierverhaltenstherapie. Tiere haben ein besonders empfindliches Gehör. „Und sie können gar nicht einschätzen, was eigentlich passiert.“

Das führe bei vielen Tieren zu einer erhöhten Herzfrequenz, manche versuchen, zu fliehen. Jedes Jahr gebe es deshalb Unfälle mit Wildtieren oder entlaufenen Haustieren: „Wenn die Angst groß ist, schauen die Tiere nicht mehr nach links oder rechts, sondern rennen einfach los“, sagt Fritsche. Haustieren mit einer Grunderkrankung, etwa am Herzen, könne der Stress besonders schaden.

Hunde und Katzen aus dem Tierschutz könnten in der Silvesternacht retraumatisiert werden. „Bei Tieren aus Kriegsgebieten wie der Ukraine ist besondere Vorsicht geboten“, sagt die Tierärztin. Sie rät, die Tiere schon in den Tagen vor Silvester, wenn es vereinzelt knallt, genau zu beobachten.

Hilfsmittel zur Beruhigung

Zeigen Tiere besonders starke Anzeichen von Stress, können neben untenstehenden Tipps auch Hilfsmittel zum Einsatz kommen. So können spezielle Geräuschschutzkopfhörer das Leid ängstlicher Hunde lindern. Damit Hunde die Kopfhörer tragen, braucht es allerdings etwas Übung, am besten in Begleitung eines Hundetrainers. „Manche Hunde brauchen drei Tage, um sich daran zu gewöhnen, andere zwei Wochen“, sagt Fritsche. Hilfreich kann auch eine Beruhigungsweste sein: Das Mäntelchen aus dünnem, elastischem Stoff wird mit einem Klettverschluss eng um den Körper von Hunden und Katzen gebunden. „Das leichte Druckgefühl gibt Sicherheit.“

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Bei besonders ängstlichen und zu Panik neigenden Tieren sei es ratsam, für die Silvesternacht wegzufahren, sagt Fritsche – zum Beispiel in die Küstenregion, wo wegen der Reetdachhäuser mancherorts Feuerwerksverbote gelten. Oder in ein Flughafenhotel einzuchecken, denn diese sind schallisoliert. Zudem rät die Tierärztin in diesen Fällen auf lange Sicht zu einem Geräuschtraining, das Tiere weniger sensibel bei Lärm macht.

Sechs Tipps für weniger Stress

Auch wenn das eigene Haustier eher zur entspannten Sorte gehört – manche schlafen auch die lauteste Nacht des Jahres durch – sollte man an Silvester zu Hause bleiben und sein Tier beobachten, sagt Fritsche. Die Geräuschempfindlichkeit nehme mit dem Alter zu. Diese Tipps helfen, Ihr Haustier stressfrei durch Silvester zu bringen:

  1. Rückzugsmöglichkeiten schaffen: Hat Ihr Tier einen Lieblingsplatz oder einen Raum in der Wohnung oder im Haus, in dem es sich besonders sicher fühlt? „Legen Sie dort eine Decke bereit“, sagt Tierärztin Fritsche. Überlegen Sie, wie Sie den Ort besser von Geräuschen abschirmen können: Manche Hunde legen sich gerne unter den Esstisch, wenn Menschen um ihn herum sitzen. Eine Decke über dem Tisch bietet zusätzlichen Schutz.
  2. Lärm dämpfen: Ziehen Sie die Vorhänge zu und lassen Sie Rollos herunter. Das dämpft nicht nur den Lärm, sondern hält auch blitzendes Licht draußen. Auch ruhige Hintergrundmusik dämpft das Zischen und Knallen. Dringen dennoch Geräusche nach drinnen und erschrecken das Tier, sollte man sie positiv besetzen: „Lassen Sie den Hund einen Trick machen, spielen Sie mit der Katze oder geben Sie ein Leckerli“, sagt Tierärztin Fritsche. Wer Vögel, Hamster oder Meerschweinchen hält, kann den Käfig mit einer Decke abdecken und ihn in einen ruhigen Raum stellen – zum Beispiel in ein fensterloses Badezimmer. Werden Kaninchen draußen gehalten, kann es sinnvoll sein, das Gehege nach drinnen zu verlagern, etwa in die Garage. Die Wohnung ist aber wegen des Winterfells meist zu warm.
  3. Gassigehen planen: Legen Sie die Spaziergänge mit dem Hund auf den Vormittag und Mittag. Gassirunden am Nachmittag, vor allem nach der Dämmerung, sollten in eine ruhige Gegend verlegt werden. „Wenn Sie in einer größeren Stadt wohnen, sollten Sie lieber aus der Stadt rausfahren“, sagt Fritsche. Außerdem rät sie, den Hund beim Spaziergang doppelt zu sichern. „Man kann gar nicht abschätzen, wie viel Kraft ein Hund in Panik hat“. Auch im Garten könne eine Leine sinnvoll sein.
  4. Katzen nicht ins Freie lassen: Holen Sie Ihre sonst frei laufende Katze rechtzeitig in die Wohnung oder ins Haus. „Am besten auch schon am Vortag“, sagt Fritsche. Sorgen Sie dann in den vier Wänden für genügend Auslastung: „Spielen Sie mit der Katze, verstecken Sie Futter, lassen Sie sie durch die Wohnung flitzen“, sagt die Tierärztin. „Das reduziert den Grundstress!“ Vorsicht, wenn Sie abends Gäste einladen: Weisen Sie sie darauf hin, dass die Katze auch während der Feier nicht entwischen darf, wenn die Gäste die Wohnungs- oder Terrassentür öffnen.
  5. Für Ablenkung sorgen: Legen Sie das Lieblingsspielzeug bereit, bieten Sie eine Leckmatte an, auf der Hunde Futter wegschlecken können, oder machen Sie Tricks. „Das signalisiert dem Tier: Es ist alles in Ordnung.“ Das sei auch ein guter Stresstest: „Wenn Hunde und Katzen noch Spaß an der Interaktion haben, ist alles im grünen Bereich“.
  6. Normal verhalten: Fritsche rät, den Silvesterabend mit dem Haustier zu Hause zu verbringen und den ganzen Tag so normal wie möglich zu gestalten: „Machen Sie alles so wie sonst auch, denn die meisten Tiere sind Gewohnheitstiere.“ Achten Sie auf die Körpersprache Ihrer Katze oder Ihres Hundes: Sucht das Tier die Nähe, streicheln Sie es ausgiebig. Manche Tiere würden sich aber lieber zurückziehen, wenn es draußen knallt und blitzt, sagt die Tierärztin. „Sie sind zufrieden, wenn man einfach da ist und sie nicht bedrängt.“

Beruhigungsmittel statt Eierlikör

Helfen all diese Tipps und Hilfsmittel bei besonders ängstlichen Tieren nicht, können Beruhigungsmittel zum Einsatz kommen. „Das sollte man auf jeden Fall mit dem Tierarzt seines Vertrauens besprechen“, sagt Fritsche. Es gebe speziell für Geräuschangst zugelassene Medikamente, die Tierärztinnen und Tierärzte verschreiben können. Auch Pheromon-Verdampfer in Form von Halsbändern, die beruhigend wirken, werden angeboten.

Vor einer anderen Beruhigungsmethode warnt die Tierärztin jedoch: In sozialen Medien zeigen Hundebesitzerinnen und -besitzer seit einigen Jahren, wie sie ihren Tieren Eierlikör geben. „Damit machen sie ihre Hunde betrunken“, sagt Fritsche. „Tiere können Alkohol nicht gut verstoffwechseln und die Leber wird stark belastet“. Deshalb gilt an Silvester zumindest für das Haustier: Finger weg vom Eierlikör!

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