Baby und Familie

Eigentlich ist Verlass auf das System, das sich die Natur beim Stillen ausgedacht hat: Je öfter das Baby an der Brust saugt, desto mehr Nachschub produziert sie. „Bei den aller­meisten Müttern funktioniert das Prinzip von Angebot und Nachfrage auch hervorragend“, sagt ­Lysann Redeker, Hebamme aus Leipzig und Beauftragte für Stillen und Ernährung des Sächsischen Hebammenverbandes. Die Milchmenge passt sich auf diese Weise optimal an den Appetit des Babys an. In den ersten ein, zwei Wochen nach der Geburt können sich die Brüste noch ­etwas voll anfühlen. In der Regel verschwindet das Gefühl nach ­einigen Tagen.

Spannen und schmerzen sie aber weiterhin, liegt das manchmal daran, dass die Brüste zu viel Milch produzieren. Das Kind schafft es nicht, sie leer zu trinken. Oft spritzt die Milch auch beim Stillen mit hohem Druck aus der Brustwarze hinaus. Oder die Brust läuft aus, obwohl das Baby gerade nicht trinkt.

„Eine übermäßige Milchproduktion, die über die ersten paar Tage hinausgeht, kommt tatsächlich aber eher selten vor“, meint Redeker. Und nicht ­immer ist es mit körperlichen Problemen verbunden. Doch manche Frauen haben Schmerzen und empfinden ein starkes Druckgefühl in der Brust.

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Durch die Überproduktion bleibt zudem nach dem Stillen häufig ­etwas Muttermilch in den Milchgängen zurück. Das kann zu einem Milchstau oder einer Brustentzündung führen. Auch dem Baby bereitet ein prall gefüllter Busen manchmal Probleme: Es tut sich schwer, an der Brust zu saugen, oder der starke Milchstrahl überfordert es. Die Hebamme erklärt: „Die Kinder verschlucken sich, sind unzufrieden, verweigern die Brust oder drücken die Brust­warze schmerzhaft mit dem Mund zusammen, um den Milchfluss zu verringern.“

Dr. Cornelia Hösemann, Gynäkologin aus Großpösna, rät, die Brust vor dem Anlegen etwas auszustreichen, wenn sie stark spannt. Und zwar bis der Druck nachlässt. An der weicheren Brust kann das ­Baby besser trinken. „Sind die Brustwarzen auf der prallen Brust glatt gezogen, hilft ein trichterförmiger Brustwarzenformer sie wieder hervorzuholen“, ergänzt Ca­rola Lubitz, Apothekerin aus Düsseldorf.

Betroffene Mütter sitzen beim Stillen am besten etwas zurückgelehnt, um dem Baby mehr Kontrolle über den Milchfluss zu geben. Ist das Baby mit dem Strahl überfordert, kann man ihn in ein Tuch laufen lassen, bis er nachlässt. „Und wenn beim Stillen an der anderen Brust Milch ausläuft, können Sie diese mit einem Gefäß aus Silikon auffangen, das sich mit Unterdruck an der Haut fest­saugt, ­einem sogenannten Milchauffänger“, empfiehlt Lubitz. Die überschüssige Milch kann für spätere Baby­mahlzeiten eingefroren werden.

Nach dem Stillen wirken gekühlte Wasch­lappen auf der Brust der erneuten Milchbildung und einem drohenden Milch­stau entgegen. Es gibt auch spezielle Coolpacks mit einer Aussparung für die Brustwarze. „Ich emp­fehle die Brust etwa 15 bis 20 Minuten zu kühlen“, sagt Lubitz.

Wenn das Stillen durch die Milchüberproduktion Probleme bereitet, lohnt es sich, gemeinsam mit einer Hebamme, der Gynäkologin oder dem Gynäkologen mögliche Ur­sachen zu besprechen. „Einige ­Frauen haben ­einen erhöhten Spiegel des Hormons Prolaktin im Blut, das hauptsächlich für die Milchproduk­tion verantwortlich ist. Es kann etwa bei Schild­drü­sen­erkrankungen oder durch die Einnahme von Medikamenten ansteigen“, sagt Hösemann. Wichtig ist dann, die Grunderkrankung zu behandeln oder die Medikation eventuell anzupassen.

Milchüberschuss besser ohne Pumpe regulieren

Nicht selten haben Mütter die Produktion selbst ungewollt angekurbelt, etwa durch exzessives Abpumpen zusätzlich zum Stillen. Auch hier funktioniert nämlich das Prinzip von Nachfrage und Angebot: Pumpt eine Frau sehr viel ab, bildet sich entsprechend mehr Muttermilch.

Meist hilft es schon, die ­Pumpe wegzulassen. Alle anderen Maßnahmen sollten durch eine Hebamme oder ­eine Stillberaterin begleitet werden. Manche Frauen setzen auf milchhemmenden Salbei- oder Pfefferminztee (ein bis drei Tassen täglich). Andere profitieren von einer bestimmten Stilltechnik, dem Blockstillen. Dabei wird dem ­Baby über ­einen festen Zeitraum, etwa drei oder vier Stunden, ­immer nur eine Brust angeboten. Das Baby kann in dieser Zeit trinken, so oft es will, aber nur einseitig. Danach wird die Brust gewechselt. „Nach 24 bis 48 Stunden sollte sich die Milchmenge reduziert haben“, sagt Redeker.

Bringen alle Maßnahmen nichts und ist der Leidensdruck sehr hoch, sind verschreibungspflichtige Abstill­tabletten das letzte Mittel der Wahl. „Es gibt bestimmte Präparate, die sehr niedrig dosiert und kurzfristig eingesetzt werden und die Milchproduk­tion nicht ganz zum Versiegen bringen“, sagt Gynäkologin Cornelia Hö­se­­mann. Hebamme Re­deker rät, sich schon vor der Geburt gut über das Stillen zu informieren. „­Bitte nicht vorbeugend abpumpen aus Angst, zu wenig Milch zu haben“, warnt sie. ­Ruhe und Hautkontakt mit dem Baby in den ersten Tagen sind hingegen wichtig – und die beste Basis für eine glück­liche Stillzeit.

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