Welche Werte gemessen werden

Die Schilddrüse bildet die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Diese beeinflussen unter anderem den Energiestoffwechsel, die Herzleistung und die Darmaktivität. Über das Blut gelangen die Hormone, gebunden an Transporteiweiße, zu den Organen. Dort werden sie freigesetzt und entfalten in den Zellen ihre vielfältigen Wirkungen. Ein übergeordnetes Hormon aus der Hirnanhangdrüse kontrolliert dabei die Aktivität der Schilddrüse. Das sogenannte Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) regt das Organ dazu an, die zwei Hormone T3 und T4 zu bilden.

Bestimmt wird meist zunächst nur der TSH-Wert. „Liegt dieser im Normalbereich, kann man relativ sicher sein, dass das auch für die beiden Schilddrüsenhormone gilt“, sagt Professor Matthias Weber, Leiter des Schwerpunktes Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Universitätsmedizin Mainz und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Bei Abweichungen vom Normalbereich wird das zunächst durch eine zweite TSH- Bestimmung überprüft. Erst dann werden die Blutwerte für die zwei Schilddrüsenhormone getestet. Es werden die aktiven Formen nachgewiesen, die nicht an ein Transporteiweiß gebunden sind: das freie T3 (fT3) und freie T4 (fT4).

Wann gemessen wird

Bei Neugeborenen werden die Schilddrüsenwerte routinemäßig bestimmt. Schwangeren wird dies oft empfohlen. „Die Hormone sind für die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes sehr wichtig. Man will auf keinen Fall eine Unterversorgung haben“, so Weber.

Generell überprüfen Ärztinnen und Ärzte die Schilddrü­senwerte bei einem Hinweis auf eine Erkrankung des Organs. „Findet man dort beispielsweise einen Knoten, wird überprüft, ob das mit einer Hormonstörung verbunden ist“, erkärt Weber. Der Knoten bildet womöglich Schilddrüsenhormone in großen Mengen und verursacht so eine Überfunktion.

Einen wichtigen Anhaltspunkt liefern auch die von Patientinnen und Patienten berichteten Symptome. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Empfindlichkeit gegenüber Kälte sowie Hautblässe könnten auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hindeuten. Nervosität, Zittern, Schlaflosigkeit und Schweißausbrüche sind Symptome einer Überfunktion. Doch für all diese Beschwerden kommen viele weitere Ursachen infrage.

Bei auffälligen TSH-Werten führen Ärztinnen und Ärzte weitere Untersuchungen durch, um zu einer Diagnose zu kommen. So überprüfen sie etwa, ob die Patientin oder der Patient an einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse leidet. Im Blut befinden sich dann Abwehrstoffe (Antikörper), die sich gegen das Hormonsystem richten. So geht beispielsweise bei der Hashimoto- Thyreoiditis Schilddrüsengewebe zugrunde, was langfristig zu einer Unterfunktion führt. Bei der Basedowschen Krankheit wiederum liegt eine Überfunktion vor.

Diese Werte sind günstig

Die Schilddrüsenwerte werden im zellfreien Anteil des Blutes gemessen, dem sogenannten Blutserum. Dies sind die Normalbereiche für die drei Hormone:

Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH):

zwischen 0,4 und 4,2 Milli-Einheiten pro Liter (mU/l)

freies Trijodthyronin (fT3):

zwischen 2,5 und 4,4 Nanogramm pro Liter (ng/l)

freies Thyroxin (fT4):

zwischen 9,9 und 16,2 Nanogramm pro Liter (ng/l)

Der Normalbereich variiert je nach Labor, das die Untersuchung durchführt. Es gelten die Werte auf dem Laborzettel. Meist sind dort Auffälligkeiten gekennzeichnet.

Möglichkeiten zur Therapie

Bei einer Überfunktion verordnen Ärzte und Ärztinnen in erster Linie Medikamente, welche die Produktion oder Freigabe von Schilddrü­senhormonen drosseln. Zudem versuchen sie, die Ursache der Überfunktion zu beheben, indem sie etwa einen Knoten entfernen.

Doch sehr viel häufiger haben Patientinnen und Patienten eine Unterfunktion. In diesem Fall kommen Tabletten mit synthetischem Thyroxin zum Einsatz, um den Hormonmangel zu beheben. Der Wirkstoff heißt Levothyroxin – oder kurz L-Thyroxin. Es handelt sich um eine Dauertherapie. Oft müssen die Präparate ein Leben lang eingenommen werden.

Liegen die Blutwerte für fT3 und fT4 noch im Normal- bereich, doch die Werte für TSH sind erhöht, liegt eine latente (stumme) Unterfunktion vor. Die Hirnanhangdrüse produziert in diesem Fall vermehrt TSH, weil die Schilddrüse wahrscheinlich schon schwächelt.

Eine stumme Unterfunktion kommt gerade bei älteren Menschen häufig vor, ohne dass sie darunter leiden würden. „Ob eine Therapie sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab“, sagt Experte Weber. Die genaue Höhe des TSH-Werts, das Alter, die Beschwerden und weitere Befunde spielen hier eine Rolle.

Komplexer Regelkreis

Das Wechselspiel von Gehirn und Schilddrüse hält die Hormonspiegel stabil:

1. Die Hirnanhangdrüse gibt das Thyreoidea-stimulierende Hormon, kurz TSH, ins Blut ab. TSH bindet an Zellen in der Schilddrüse.

2. Die Schilddrüse bildet auf dieses Signal hin die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) und setzt diese ins Blut frei. Die Hormone aktivieren den Stoffwechsel.

3. T3 und T4 drosseln die Freisetzung von TSH und begrenzen so die Menge an TSH im Blut. Als normal gelten in der Regel Werte von 0,4 bis 4,2 Milli-EInheiten pro Liter Blut.

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Darauf ist bei der Medikation zu achten

Es kommt auf die richtige Einnahme von L-Thyroxin an. Patientinnen und Patienten sollten ihre Tabletten jeweils morgens 30 Minuten vor dem Frühstück zusammen mit Wasser schlucken. Lebensmittel wie Kaffee und Milchprodukte können die Aufnahme des Hormons über die Darmschleimhaut ins Blut beeinflussen.

Patientinnen und Patienten haben Anspruch auf das passende Schilddrüsen-Präparat. Es soll nicht durch das eines anderen Herstellers ausgetauscht werden. Weber: „Die Zusammensetzungen unterscheiden sich leicht. Das kann beeinflussen, wie schnell der Körper das Hormon aufnimmt.“ Bei einem Wechsel sind für die richtige Dosis erneute Bluttests nötig.

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