Welche Werte werden gemessen?

Um gezielt Werte wie die Nüchtern-Plasmaglukose zu messen, also den Gehalt an Glukose (Traubenzucker) im Blutplasma (Blut ohne Zellen), entnimmt der Arzt Blut aus einer Vene.

Glukose bindet dauerhaft an den Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb) in den Erythrozyten (roten Blutkörperchen) – umso mehr, je mehr Glukose im Blut zirkuliert. Weil Erythrozyten eine Lebensdauer von durchschnittlich rund vier Monaten haben, lässt sich damit ein Rückschluss auf den Blutzuckergehalt in den zurückliegenden Monaten ziehen, der sogenannte HbA1c-Wert.

Unter Gelegenheits-Plasmaglukose versteht man einen zu einer beliebigen Tageszeit gemessenen Blutzuckerwert, für den der Patient nicht nüchtern sein muss.

Beim oralen Glukosetoleranztest (OGTT) trinken Patienten innerhalb von fünf Minuten 300 Milliliter Wasser, in dem 75 Gramm Glukose aufgelöst wurde. Direkt vor sowie zwei Stunden später wird der Plasmaglukose- Wert gemessen.

Je nach Arztpraxis und Bundesland werden die jeweiligen Werte in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder in Millimol pro Liter (mmol/l bzw. mmol/mol Hb) angegeben. Um die Laborwerte zu erheben, müssen Patienten nüchtern erscheinen. Das heißt: etwa acht bis zwölf Stunden vorher nichts mehr essen und trinken.

Wer sollte diese Werte überprüfen?

Patienten, die an Typ-1-Diabetes leiden, müssen ihre Blutzuckerwerte etwa vier- bis siebenmal täglich messen, um den Bedarf an Insulin zu ermitteln – am besten vor den Mahlzeiten, vor dem Schlafengehen oder bei Verdacht auf eine Unterzuckerung.

Ähnliches gilt im Prinzip für Typ-2-Diabetiker, die Insulinspritzen benötigen. Von der Krankenkasse bezahlt bekommen sie allerdings nur 50 bis 200, in Einzelfällen bis zu 400 Teststreifen pro Quartal. Typ-2-Diabetiker, die mit Tabletten behandelt werden, bekommen Messgerät und Teststreifen nur in Ausnahmefällen erstattet, etwa direkt nach der Diagnose oder bei sehr schlechten Langzeit-Blut­zuckerwerten.

Auch für sie kann jedoch eine regelmäßige Selbstmessung sinnvoll sein, etwa um zu erkennen, wie sich Essen oder Bewegung auswirken oder um eine Blutzuckerentgleisung frühzeitig zu bemerken.

Viele Patienten piksen sich nicht mehr in die Fingerkuppe, sondern haben auf ein System mit Sensoren am Oberarm umgestellt, das den Zuckergehalt im Unterhautgewebe alle paar Minuten misst und den Verlauf besonders genau wiedergibt.

Um die Kosten von der Kasse erstattet zu bekommen, muss ein Antrag gestellt werden, den der Medizinische Dienst überprüft. Am ehesten übernimmt die Versicherung die Kosten, wenn die Behandlungsziele anders nicht erreicht oder Unterzuckerungen nicht rechtzeitig erkannt würden. Dies aber nur bei Patienten, die Insulinspritzen benötigen.

Wann sollte man die Werte messen lassen?

Zur Diagnose: Wer Risikofaktoren wie starkes Übergewicht aufweist, sollte den Blut­zucker beim Arzt messen lassen. Obligatorisch ist das beim Check-up ab 35 Jahren. Um das persönliche Risiko zu ermitteln, kann ein Fragebogen wie der Deutsche Diabetes-Risiko-Test oder der FINDRISK-Test helfen.

Auch Symptome wie starker Durst, häufiges Wasserlassen und Gewichtsverlust ohne klaren Grund sollten abgeklärt werden. Zur Diagnose werden in der Regel sowohl die Nüchtern-Plasmaglukose als auch der HbA1c gemessen.

Der Stellenwert des OGTT ist umstritten. Diabetes-Experten wie Professor Rüdiger Landgraf, Mitverfasser der Nationalen Versorgungsleitlinie zu Diabetes, empfehlen ihn vor allem, wenn die beiden genannten Standardwerte nicht eindeutig sind oder sich widersprechen. Zudem dient der OGTT bei schwangeren Frauen ab Woche 24 als Test auf Schwangerschaftsdiabetes.

Zur Verlaufskontrolle und um die eingeschlagene Therapie zu beurteilen, dient zum einen die Selbstmessung, zum andern die regelmäßige Kontrolle des HbA1c-Werts beim Arzt. Er sollte etwa alle drei Monate ­bestimmt werden.

Der HbA1c -Wert spiegelt zwar wider, wie gut die Blutzuckerwerte im Schnitt eingestellt sind, gibt aber nicht die Schwankungen an. „Die Oberarmsensor-Messgeräte gewinnen deshalb an Bedeutung“, sagt Landgraf.

Was sind Normalwerte?

Nüchtern-Plasmaglukose: kleiner als 100mg/dl (5,6 mmol/l). Bei höheren Werten bis zu 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l) spricht man von Prädiabetes, das Diabetes-Risiko ist erhöht.

Diabetes liegt vor bei einer Nüchtern-Plasmaglukose ab 126 mg/dl (7 mmol/l) oder einer Gelegenheits-Plasmaglukose von mehr als 200 mg/dl (11,1 mmol/l) mit einem HbA1c-Wert von mindestens 6,5 Prozent (48 mmol/mol Hb). „Dies muss aber durch eine wiederholte Messung bestätigt werden“, betont Landgraf.

Ist zur Abklärung noch der OGTT nötig, gilt ein Glukosewert von mehr als 200 mg/dl (11,1 mmol/l) zwei Stunden nach dem Trinken als Hinweis auf Diabetes.

Beim HbA1c-Wert müssen Arzt und Diabetespatient über den Zielwert immer individuell entscheiden. Dabei spielen Faktoren wie das Alter sowie Begleiterkrankungen eine wichtige Rolle. Zum einen soll der Blutzuckergehalt möglichst niedrig sein, um Folgeschäden zu vermeiden. Zum anderen steigt bei einem zu niedrigen Wert das Risiko für Unterzuckerungen, die lebensgefährlich sein können.

Allgemein liegt der HbA1c-Zielkorridor zwischen 6,5 Prozent (48 mmol/mol Hb) und 7,5 Prozent (58 mmol/mol Hb). Bei älteren Menschen werden oft höhere Werte toleriert.

Was, wenn die Werte abweichen?

Einen wichtigen Faktor können Patienten mit Diabetes Typ 2 selbst beeinflussen: Wenn sie Übergewicht abbauen, sprechen die Zellen besser auf das körpereigene Hormon Insulin an und entziehen dem Blut Traubenzucker. Das mildert den Diabetes oder drängt ihn völlig zurück.

Doch Abnehmen ist nicht einfach. Deshalb ist eine Ernährungsberatung samt langfristiger Umstellung auf eine ausgewogene Ernährung empfehlenswert. Viel Bewegung, Entwöhnungsprogramme für Raucher und Programme zur Stressbewältigung können den Diabetes und das Herz-Kreislauf-Risiko ebenfalls positiv beeinflussen.

Greifen diese Empfehlungen nicht oder erscheinen sie unrealistisch, wird der Arzt in enger Absprache mit dem Diabetes-Typ-2-Patienten Medikamente verordnen. Zunächst Tabletten, oft Metformin.

Erst wenn damit die Therapieziele nicht erreicht werden, sind Kombinationen mehrerer Wirkstoffe nötig. Von Ausnahmen abgesehen, stehen Insulinspritzen ganz am Ende der Behandlungsoptionen. Bei Typ-1-Diabetes sind diese allerdings sofort nötig. In diesen Fällen hat das Immunsystem die sogenannten Beta-Zellen zerstört. Darum produziert die Bauchspeicheldrüse nur noch sehr wenig oder gar kein Insulin mehr.

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