Borderline: Symptome

Menschen mit Borderline-Störung können ihre Gefühle nur schwer kontrollieren. Sie leiden an extremen Stimmungsschwankungen, Störungen des Selbsterlebens, Leere- und Spannungszuständen
von Sandra Schmid, aktualisiert am 02.07.2014

Emotional instabil: Borderline-Betroffene haben Schwierigkeiten, mit ihren Emotionen und Impulsen umzugehen sowie ihr Selbstwertgefühl zu regulieren

Thinkstock/Creatas

Jeder Mensch ärgert sich ab und zu, ist traurig oder hat einfach mal einen schlechten Tag. Solchen Alltagsfrust bewältigen wir normalerweise ohne größere Probleme. Die negativen Gefühle bewegen sich in erträglichen Grenzen und flauen irgendwann wieder ab. Anders bei Menschen mit Borderline-Störung: Bei ihnen gerät das emotionale Gleichgewicht sehr leicht aus der Balance.

Gefühle außer Kontrolle

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung haben zunächst Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu spüren und einzuordnen. Sie merken gar nicht, dass sie sich über etwas ärgern oder traurig sind. So baut sich eine innere Anspannung auf. Schon minimale Anlässe genügen dann, und die Gefühlslage kippt. Von einem Moment auf den anderen überfällt die Betroffenen plötzlich überwältigende Wut, Angst bis hin zur Panikattacke oder völlige Verzweiflung. Sie sind nicht in der Lage, diese rasch wechselnden Empfindungen und ihre Impulse zu kontrollieren. Ihre Stimmungsschwankungen sind extrem.

Die angestaute innere Spannung kann sich augenblicklich entladen ohne Rücksicht auf mögliche Folgen – zum Beispiel in heftigen Aggressionen und Wutanfällen aus scheinbar minimalem Anlass. So reicht ein verschütteter Kaffee oder ein falsches Wort, und es folgt ein Gefühlsausbruch. Dieses impulsive Verhalten wirkt auf die Umgebung befremdlich und irritierend. Betroffene gelten als aggressiv, launisch und unberechenbar.

Doch wann handelt es sich tatsächlich um Borderline-Symptome – und nicht einfach nur um eine etwas exzentrische, aufbrausende Persönlichkeit? Der Leidensdruck macht den Unterschied, sagen Experten: Auffällige Verhaltensweisen bei Exzentrikern haben oft etwas mit Lustgewinn zu tun. Das ist bei Menschen mit Borderline nicht der Fall.

Ritzen, brennen, schlagen: Leiden bis zur Selbstverletzung

Menschen mit Borderline-Syndrom leiden unter ihrer Störung – viele von ihnen so sehr, dass sie drastische Mittel nutzen, um die unerträgliche innere Spannung abzubauen. Sie verletzen sich selbst, schneiden ("ritzen") sich zum Beispiel immer wieder mit einem Messer oder einer Rasierklinge in den Unterarm. Oder sie drücken brennende Zigaretten auf ihrer Haut aus, schlagen sich selbst.

Eine solche Selbstverletzung ist eine Art "Notlösung" des Organismus – ein Versuch, das quälende Gefühlschaos unter Kontrolle zu bringen, sich selbst wieder zu spüren. Manchmal ist selbstverletzendes Verhalten aber auch ein versteckter Hilferuf an Freunde und Familie.

Nicht wenige Betroffene gefährden oder schädigen sich zudem auf andere Weise. Sie nehmen Drogen, fahren zu schnell, trinken zu viel Alkohol, praktizieren riskanten Sex oder gefährliche Sportarten. Etliche leiden an weiteren psychischen Störungen wie Essstörungen, Depressionen, Suchterkrankungen oder ADHS.

Manche empfinden ihr Leben mit Borderline-Störung als unerträglich, so dass sie sogar daran denken, sich das Leben zu nehmen. Ohne rechtzeitige Therapie sterben mehr als fünf Prozent der Betroffenen durch Suizid.


  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages