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Coronavirus: Wann kommt die Impfung?

Wann mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus zu rechnen ist und wie er entwickelt wird – über Schwierigkeiten und Herausforderungen, aber auch positive Nachrichten

von Eva Tenzer, aktualisiert am 18.03.2020

Das Coronavirus (SARS-CoV-2) ist neu und gerade erst vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Unser Immunsystem muss sich erst dagegen wappnen. Bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19, wie die durch das Virus ausgelöste Erkrankung heißt, gibt es viele Schwierigkeiten und Herausforderungen, aber auch positive Nachrichten.

Fertiger Impfstoff wohl frühestens 2021

Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einer Impfung; doch das braucht Zeit. Denn selbst wenn die Forschung schnell Erfolge meldet, rechnen Experten wie der Vorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery oder der Präsident des Robert Koch-Institutes Lothar Wieler frühestens im kommenden Jahr mit einem Impfstoff.

Erste Tests eines Impfstoffkandidaten am Menschen sind angeblich in den USA angelaufen. Auch ein Tübinger Unternehmen forscht an einer Impfung gegen das Coronavirus. Bis jedoch feststeht, ob beispielsweise der Impfstoffkandidat aus den USA tatsächlich wirkt, wird es allerdings Monate dauern. Selbst wenn das der Fall wäre, könnte die Impfung noch nicht sofort einfach eingesetzt werden. Ein mehrstufiges und langwieriges Verfahren aus präklinischen und klinischen Studien muss bei Impfstoffen garantieren, dass sie nicht nur wirksam, sondern auch sicher sind.

Vorarbeit an anderem Impfstoff hilft

Stephan Becker ist Virologe an der Universität Marburg und Koordinator des Forschungsbereichs "Neu auftretende Infektionskrankheiten" am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF): "Wir arbeiten derzeit an einem Mers-Impfstoff (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus, kurz MERS-CoV, ein anderer Virus aus dem Corona-Stamm, Anm. d. Red.) gegen das neue Coronavirus. Durch die Forschungen an anderen Impfstoffen haben wir eine gute Grundlage für diese Arbeiten."

Ihre Vorarbeit spielt den Entwicklern nun in die Hände. Die nahe Verwandtschaft von SARS-CoV-2 und MERS-CoV ermöglicht es, teilweise auf bereits vorhandene Verfahren und Impfstoff-Bauteile zurückzugreifen. Außerdem ist der Druck hoch, Forschung und Zulassungsverfahren zu beschleunigen, da die Corona-Epidemie gravierende medizinische und wirtschaftliche Folgen hat.

Die internationale Impfstoff-Allianz Cepi (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) unterstützt Forschungsprogramme von Universitäten und Biotechunternehmen. Die Europäische Union (EU) will die Tübinger Firma, die an einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus forscht, mit 80 Millionen Euro bei der Entwicklung unterstützen, so EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in einem Kurznachrichtendienst. Zudem arbeiten weitere von Cepi unabhängige Unternehmen und Forschungsinstitute an einem Impfstoff. Und sie verfolgen dabei sehr unterschiedliche Methoden.

Verändertes Virus als Impfbasis

Die Forscher des DZIF versuchen, ein harmloses Virus, das nicht krank macht, mit Bruchstücken des Corona-Virus zu vermischen. Der Plan: Wenn man das so veränderte Virus einem Menschen als Impfung verabreicht, kann dieser zwar nicht erkranken - doch das Immunsystem bildet Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Corona-Teile dieses "Impfvirus". So lernen die Immunzellen das neue Virus kennen und merken es sich als Ziel. Antikörper könnten den Betroffenen künftig vor einer Infektion mit dem richtigen Corona-Virus schützen. Auch künstlich hergestellte Masernviren werden als Impfstoff-Basis getestet.

Typische Eiweiße zur Bildung von Abwehrstoffen

Vielleicht geht es aber auch viel schneller? Denn die Forscher kennen den genetischen Bauplan des Coronavirus bereits. Würde man einem Menschen gezielt bestimmte Teile des Corona-Gens in Form einer Boten-RNA verabreichen, würden sich in dessen Körper bestimmte, für das Corona-Virus typische Eiweiße bilden, die zwar harmlos sind, gegen die der Körper aber sofort Antikörper bilden würde. Man leitet damit den menschlichen Körper quasi an, seinen eigenen Impfstoff zu produzieren. "Auf diese Weise ahmen wir die natürliche Virusinfektion nach und aktivieren den körpereigenen Abwehrmechanismus", erklärt Mariola Fotin-Mleczek, Technologie-Vorstand der Tübinger Firma: "Wir erreichen damit eine sehr starke Aktivierung des Immunsystems und sind optimistisch, innerhalb der nächsten Monate einen Impfstoffkandidaten klinisch am Menschen erproben zu können."

Vom Test zur klinischen Studie

Ist ein Kandidat gefunden, prüfen Forscher im Tiermodell, ob tatsächlich Antikörper gebildet werden und ob diese das Virus hemmen. Anschließend prüfen sie, ob der Impfstoff vor einer Ansteckung schützt, erst danach wird er in großen Mengen produziert. Verläuft alles gut, können Forscher den Antrag auf eine klinische Studie stellen und ihn an gesunden Probanden testen.

Risikopatienten aufgepasst!

Derweil raten Experten übrigens für Risikogruppen zur Grippe- und Pneumokokken-Impfung, unter anderem damit Patienten mit Fieber und Husten, möglicherweise sogar Atemnot, deren Ursache sowohl Covid-19, eine Influenza oder eine Lungenentzündung durch Pneumokokken sein kann, nicht Ressourcen beanspruchen, die dringend für Corona-Fälle gebraucht werden. Außerdem kann zu einer Influenza theoretisch eine Corona-Infektion hinzukommen, was vor allem für Risikopatienten gefährlich werden kann.

Wer zu einer Risikogruppe gehört (bei Pneumokokken sind dies bei den Erwachsenen vor allem Personen ab 70 Jahren, mit einer Immunschwäche oder chronischen Atemwegskrankheiten) und sich noch impfen lassen will, sollte aber vorher unbedingt in der Arztpraxis anrufen, um zu klären, ob Impfstoff verfügbar ist und wie gewährleistet wird, dass er bei der Impfung nicht mit Personen mit einem Atemwegsinfekt oder gar einem Verdacht auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus in Kontakt kommt.