Was ist ein Knalltrauma?

Plötzlicher Lärm kann ein Knalltrauma auslösen. Typische Symptome sind Ohrgeräusche und Hörverlust. Mehr zu Diagnose und Therapie sowie weiteren Formen des akustischen Traumas

von Dr. Dagmar Schneck, aktualisiert am 05.11.2015
Knalltrauma

Ein plötzlicher Knall, dann pfeift es im Ohr, es fühlt sich verstopft an. Diagnose Knalltrauma?


Ein platzender Autoreifen, ein explodierender Silvesterböller, ein lauter Schuss – starker Lärm kann unser Gehör schädigen, ein akustisches Trauma auslösen.

Ärzte definieren verschiedene Formen von akustischem Trauma – je nach Dauer, Begleitumständen und Intensität des Lärms. Das Knalltrauma zählt dazu. Weitere Formen sind zum Beispiel das Explosionstrauma sowie das akute Lärmtrauma.

Hintergrund: Wie funktioniert unser Gehör?

Schallwellen, die auf das Ohr treffen, bringen das Trommelfell in Schwingungen. Die Schwingungen werden über die Gehörknöchelchen im Mittelohr zum Innenohr, der Hörschnecke (Cochlea), geleitet. Einen Überblick über die Anatomie im Ohr bietet die folgende Grafik.

Schematische Darstellung des Ohres

Im Inneren der Hörschnecke gerät eine Membran (die Basilarmembran) in Schwingungen. Auf der Basilarmembran sitzt das Hörorgan (Corti-Organ) mit Haarzellen. Diese Haarzellen wandeln die Schwingungen in bioelektrische Energie um. Sie wird über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet. Es gibt die inneren Haarzellen, die die Sinnesinformation selbst übermitteln und die äußeren, die sie verstärken oder dämpfen.

Wie kann Lärm das Gehör schädigen?

Lärm schädigt vor allem das Innenohr. Es kommt zu einer Überlastung der Haarzellen, die letztlich zu einer Störung ihrer Funktion führt. Betroffen sind zunächst vorwiegend die äußeren Haarzellen, also die, die die eigentlichen Sinnesreize modulieren können.

Sehr großer Lärm (über 150 Dezibel, lauter als ein Düsenjet) kann das Ohr zusätzlich mechanisch beschädigen. Es entstehen zum Beispiel Risse an der Basilarmembran oder die äußeren Haarzellen werden zerstört.

Dr. med. Frank Waldfahrer

Symptome eines akustischen Traumas

Typisches Symptom eines akustischen Traumas ist ein akuter Hörverlust (sogenanntes Vertäubungsgefühl) nach einer Lärmexposition. Je nach Auslöser sind eines oder beide Ohren betroffen. Fast immer tritt begleitend ein hochfrequentes Ohrgeräusch – ein Tinnitus – auf.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

In der Gehörprüfung (Audiometrie) stellt der Arzt eine Innenohrschwerhörigkeit im Hochton-Bereich fest, also vorwiegend im Bereich um 4000 Hertz (sogenannte C5-Senke).

Weil die schallmodulierende Funktion der äußeren Haarzellen wegfällt, kommt es einerseits zu einer Hörminderung bei leisen Signalen, andererseits zu einer sehr lauten und unbehaglichen Wahrnehmung von lautem Schall. Man spricht auch von "Recruitment" oder Lautheitsausgleich, der ebenfalls ein Kennzeichen einer Innenohrschwerhörigkeit ist.

Formen des akustischen Traumas – und ihre Therapie:

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen:  
Behrbohm, Kaschke, Nawka Kurzlehrbuch HNO-Heilkunde 2. Auflage, Thieme-Verlag 2012
Strutz, Mann, Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie, 2. Auflage, Thiemeverlag 2010
Liedtke: Akute Gehörschäden durch extrem hohe Schalldruckpegel, HNO 2010; 58: 106-109
Feldmann, Brusis: Das Gutachten des HNO-Arztes, 7. Auflage, Thieme 2012