Hausstaubmilbenallergie: Was tun?
Hausstaubmilbe: Ihr Kot bereitet Allergikern Probleme.
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Was ist eine Hausstaubmilbenallergie?
Dabei handelt es sich meist um eine allergische Reaktion auf Ausscheidungen und Körperreste der sogenannten Hausstaubmilben. Der häufig verwendete Begriff "Hausstauballergie" ist damit medizinisch nicht korrekt. Denn allergieauslösend wirkt üblicherweise nicht Staub, sondern eben die Eiweiß-Bestandteile aus dem Kot und dem Körper der Hausstaubmilben, die darin enthalten sind.
Diese winzigen Lebewesen zählen zu den Spinnentieren und lassen sich mit bloßem Auge kaum erkennen, da sie nur zirka 0,1 bis 0,5 Millimeter groß sind[1]. Hierzulande handelt es sich meist um die Arten Dermatophagoides pteronyssinus oder Dermatophagoides farinae.
Hausstaubmilben halten sich bevorzugt auf Matratzen auf, aber auch auf Polstermöbeln oder Teppichen. Das Bett bietet Milben beste Überlebensbedingungen, da sie sich vorwiegend von Hautschuppen ernähren, die der Mensch jeden Tag verliert. Außerdem benötigen die Spinnentiere Wärme und eine relativ hohe Luftfeuchte – beides spenden Schlafende jede Nacht. Da Hausstaubmilbenallergiker und -allergikerinnen die ganze Nacht dem allergieauslösenden Stoff ausgesetzt sind, haben sie morgens häufig die stärksten Beschwerden.
Ursachen für eine Hausstaubmilbenallergie
Allergisch reagieren empfindliche Personen auf Eiweißstoffe im Kot und Körper der Milben. Dazu gehören die Allergene "Der p 1", "Der p 2" und "Der p 23[2]".
Die Milben- und Kotbestandteile reichern sich zwar auf der Matratze an, gelangen aber auch in den Hausstaub und werden so etwa auf Teppichen, Böden, Vorhängen und Sofas verteilt. Bei jeder Bewegung, die der Mensch macht, wenn er Staub saugt oder die Kissen ausschüttelt, wird Staub aufgewirbelt. Dabei zerfällt das getrocknete Material in feine Partikel, gelangt kurzzeitig in die Raumluft und kann sich auf den Schleimhäuten des Auges, der Nase und in den tiefen Atemwegen ablagern.
Das körpereigene Immunsystem von Menschen mit einer Hausstaubmilbenallergie erkennt die Allergene und stuft sie als gefährlich ein. Das Abwehrsystem bildet den Antikörper Immunglobulin E (IgE), der an spezielle Immunzellen andockt, den sogenannten Mastzellen. Werden sie aktiviert, schütten sie Botenstoffe am Ort des Geschehens aus – in diesem Fall in den Schleimhäuten der Atemwege, etwa der Nasen- oder Bronchialschleimhaut. Es kommt innerhalb kurzer Zeit – teilweise schon in Minuten – zur allergischen Reaktion und Entzündung mit ihren typischen Beschwerden.
Wie es zu einer Allergie gegen Hausstaubmilben kommt, ist noch nicht ganz geklärt. Grundlage ist einerseits die ererbte Allergiebereitschaft von den Eltern oder Großeltern. Daneben spielen Umwelteinflüsse und der Lebensstil eine Rolle. Studien weisen zudem darauf hin, dass Kinder, die nur wenig mit Krankheitserregern und Allergenen in Kontakt kommen, später eher zu einer Allergie neigen.[3]
Symptome: Wie äußert sich eine Hausstaubmilbenallergie?
Manche Menschen reagieren allergisch auf Hausstaubmilben, ohne dass die Allergie Beschwerden bereitet. Bei einem Teil der Betroffenen macht sie sich jedoch durch typische Symptome bemerkbar. Sie unterscheiden sich kaum von denen, die ein Heuschnupfen hervorruft.
Allerdings: Während der Wintermonate – besonders bei Einsetzen der Heizperiode – leiden Menschen mit einer Hausstaubmilbenallergie meist mehr als in der warmen Jahreszeit. Der Grund: Während des Sommers vermehren sich die Hausstaubmilben, da die Bedingungen für sie ideal sind. Im Herbst, wenn die Heizperiode beginnt und geringe Luftfeuchtigkeit herrscht, sterben sie größtenteils ab[4]. Ihre Bestandteile, die sich in größeren Mengen angesammelt haben, trocknen aus und werden über die trockene Heizungsluft mit dem Hausstaub verteilt. Heuschnupfen bereitet dagegen vor allem im Frühling und Sommer Probleme.
Zu den Symptomen einer Hausstaubmilbenallergie können zum Beispiel gehören:
- verstopfte, laufende Nase, Niesattacken (allergische Rhinitis)
- juckende, tränende oder gerötete Augen (allergische Bindehautentzündung)
- Husten
- erschwertes Atmen oder pfeifende Atemgeräusche
- manchmal auch Hautreaktion mit Juckreiz, Rötung der Haut und Auftreten von sogenannten Quaddeln, also kleinen juckenden Erhebungen der Haut
Die Symptome treten vor allem in der Nacht und morgens auf, weil der Allergiker im Schlaf am stärksten den Allergenen auf der Matratze ausgesetzt ist.
Aber auch Saugen oder Staubwischen kann die Beschwerden auslösen. Denn dabei werden Staub und die Allergene in die Luft gewirbelt und können auf die Schleimhäute gelangen. Je mehr Milben in der Wohnung vorkommen, desto heftiger kann die Allergie ausbrechen.
Chronische Beschwerden bei langjähriger Allergie
Wer langjährig unter einer Allergie gegen Hausstaubmilben leidet, kann dauerhafte Beschwerden entwickeln. Diese stellen sich nicht nur im Schlafzimmer nachts oder morgens ein, sondern auch an anderen Orten und zu anderen Zeiten.
Zum einen können sich die Nasenschleimhaut und Nasennebenhöhlen durch die permanente Allergenbelastung chronisch entzünden, was vorwiegend zu häufig verstopfter Nase, verminderter Schlafqualität und dumpfen Kopfschmerzen führen kann. Manchmal stellen sich auch immer wiederkehrende Niesanfälle ein.
Zum anderen kann sich die Bronchialschleimhaut entzünden. So entwickelt sich bei nicht wenigen Betroffenen schleichend ein allergisches Asthma sowie eine allgemeine Überempfindlichkeit der Atemwege. Mediziner bezeichnen dies als "unspezifische bronchiale Hyperreaktivität". Letzteres äußert sich durch lästigen Reizhusten oder kann gelegentlich zu einem Engegefühl in der Brust führen.
Der Prick-Test kommt bei Hausstaubmilbenallergie häufig zum Einsatz.
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Diagnose: Welche Tests helfen, die Allergie zu erkennen?
Wer vermutet, dass er auf Hausstaubmilben allergisch ist, sollte einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen – am besten einen Allergologen oder eine Allergologin (Fachärzte und -ärztinnen mit Weiterbildung in Allergologie). Er oder sie kann den Verdacht überprüfen und anhand spezieller Allergietests die Diagnose stellen.
Zunächst fragt der Arzt oder die Ärztin, ob die Symptome zu einer bestimmten Tages- oder Jahreszeit vermehrt auftreten. Dadurch ergeben sich erste Hinweise, ob eine Allergie gegen Hausstaubmilben vorliegen könnte. Dann untersucht der Arzt oder die Ärztin die Nase und hört die Lunge ab, um den Gesundheitszustand und das Ausmaß der Beschwerden einzuschätzen. Anschließend überprüft der Arzt oder die Ärztin seinen Verdacht anhand spezieller Allergietests.
Prick-Test
Dieser Allergietest kommt bei Hausstaubmilbenallergie am häufigsten zum Einsatz. Der Arzt träufelt dabei verschiedene Testlösungen mit potenziellen Allergenen auf die Innenseite des Unterarms. Anschließend pikt (englisch: "prick") er die Stellen oberflächlich mit einer feinen Nadel an, sodass die Lösungen in die Haut eindringen können. Nach zirka 15 bis 20 Minuten überprüft der Facharzt das Ergebnis. Ist zum Beispiel an der Stelle, die mit Hausstaub-Allergen getestet wurde, eine Quaddel (wie nach einem Mückenstich) entstanden, die juckt und gerötet ist, spricht dies für eine Allergiebereitschaft.
Blutuntersuchung
Anhand einer Blutprobe lässt sich die IgE-Konzentration im Blut bestimmen. Antikörper (Immunglobuline, abgekürzt Ig) der Klasse E (also IgE) können gegen Allergene der Hausstaubmilbe gerichtet sein. Dies löst dann die allergische Reaktion bei Hausstaubmilbenallergikern aus. Ist der Wert erhöht, weist dies auf eine erhöhte Allergiebereitschaft (=Sensibilisierung) hin.
Nasaler Provokationstest
Damit kann der Arzt ermitteln, ob die Hausstaubmilbenallergene tatsächlich allergische Beschwerden verursachen.
Er testet die Schleimhaut (zum Beispiel an der Nase) zuerst mit einer harmlosen Kochsalzlösung, die in die Nase gesprüht wird. Erfolgt hierbei schon eine Reaktion mit Niesen oder Naselaufen, ist die Schleimhaut des Betroffenen wahrscheinlich allgemein überempfindlich.
Bleibt eine Reaktion auf die Kochsalz-Kontrolllösung aus, wird ein Hausstaubmilben-Allergenextrakt in die Nase gesprüht. Anschließendes Niesen, Naselaufen und eine verstopfte Nase verraten dem Allergologen oder der Allergologin, dass der Patient wirklich auf die Allergene reagiert.
Therapie: Was tun bei einer Hausstaubmilbenallergie?
Menschen, bei denen eine Überempfindlichkeit gegenüber Hausstaubmilbenallergenen festgestellt wird und die keine Beschwerden haben, bedürfen keiner Therapie. Wer allerdings unter Symptomen leidet, sollte Wohnung oder Haus möglichst von Milben befreien. Hilft dies nur unzureichend, kommt eine Hyposensibilisierung infrage. Bei akuten, aber auch chronischen Symptomen können Antihistaminika wie Ceterizin oder Loratadin und lokal für die Nase anwendbares Kortison (sogenannte topische Glukokortikoide) helfen, die Beschwerden zu lindern.
Allergen meiden: Haus und Wohnung von Milben befreien
Hausstaubmilben lassen sich nicht komplett aus der Wohnung bekommen. Doch wer allergisch auf die winzigen Spinnentiere reagiert, der kann ihnen zu Leibe rücken und die Belastung zumindest reduzieren. Am wichtigsten ist es, das Bett als den bevozugten Aufenthaltsort von Hausstaubmilben möglichst milbenfrei zu bekommen. Diese Tipps helfen dabei.
Hyposensibilisierung
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommt eine Hyposensibiliserung - auch spezifische Immuntherapie oder Desensibilisierung genannt – in Betracht. Mit einer Allergen-Immuntherapie mit Hausstaubmilben-Präparat können Menschen mit einer Hausstaubmilbenallergie zu jeder Jahreszeit beginnen, da die Beschwerden ja ganzjährig auftreten. Ziel ist, dass sich der Körper an die vermeintlich gefährlichen Stoffe gewöhnt und diese toleriert.
Prinzipiell stehen zwei verschiedene Methoden zur Verfügung:
- Subkutane Hyposensibilisierung oder subkutane Immuntherapie (SCIT) oder
- Sublinguale Hyposensibilisierung oder sublinguale Immuntherapie (SLIT)
Bei der subkutanen Immuntherapie spritzt der Arzt oder die Ärztin die Allergenlösung anfangs wöchentlich unter die Haut (subkutan). Während dieser Anfangsphase steigert sich die Dosis von mal zu mal, bis die Maximalmenge erreicht ist. Ab da ist nur noch alle vier, später vielleicht nur alle sechs bis acht Wochen eine Spritze nötig (Erhaltungstherapie).
Bei der sublingualen Immuntherapie bekommt der oder die Betroffene den allergen wirkenden Stoff in Form einer speziellen Tablette oder Tropfenlösung, welche er oder sie selbst unter die Zunge (sublingual) legt beziehungsweise tropft. Insbesonder für Kinder oder Menschen, die keine Spritzen mögen, ist das gut geeignet.
Da die Hyposensibilisierung in das körpereigene Immunsystem eingreift, kommt sie beispielsweise für Menschen, die an einer Immunschwäche oder an einem bösartigen Tumor leiden, unter Umständen nicht infrage. Auch wer schweres Asthma bronchiale hat, wenn eine Herz-Kreislauf-Krankheit vorliegt oder ein Patient oder eine Patientin sogenannte Betablocker einnimmt, muss er oder sie mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen, ob eine spezifische Immuntherpie für ihn eine Möglichkeit ist. Hat jemand eine Erkältung oder macht ihm eine Entzündung im Körper zu schaffen, dann sollte er mit der Therapie erst nach Abklingen der Beschwerden beginnen.
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Quellen:
- [1] Umweltbundesamt: Hausstaubmilbe. https://www.umweltbundesamt.de/... (Abgerufen am 11.11.2024)
- [2] Vrtala S. : Allergens from house dust and storage mites.. In: Allergo J Int 27.09.2022, 31: 267-271
- [3] Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V.: Hausstaubmilbenallergie, Ursachen. https://www.kinderaerzte-im-netz.de/... (Abgerufen am 12.11.2024)
- [4] Deutscher Allergie- und Asthmabund : Hausstaubmilbenallergie. https://www.daab.de/... (Abgerufen am 12.11.2024)



