Springerknie (jumpers knee): Anatomie des Knies

Laufen, Springen, Kicken ­– dazu braucht es kraftvolles Strecken der Beine. Besonders gefordert: das Kniescheibenband
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 15.09.2014

Unentbehrlich, um das Knie zu strecken: die Kniescheibe und ihr Band (Schemazeichnung)

W&B/Szczesny

Das Kniegelenk verbindet den Ober- und Unterschenkel miteinander. Es ist das größte, vermutlich auch komplexeste Gelenk des Menschen.

Das Knie: Mehr als ein Gelenk

Drei Knochen – der Oberschenkelknochen, das Schienbein und die Kniescheibe sowie zwei Menisken (sichelförmige Knorpelscheiben im Kniegelenkspalt) – bilden das Kniegelenk. Es setzt sich aus mehreren Teilgelenken zusammen. Für Stabilität sorgen zahlreiche Muskeln, Bänder und Sehnen. So kann das Knie den enormen Druckbelastungen standhalten, die auf es einwirken: Beim Springen beispielsweise das bis zu Zwanzigfache des Körpergewichtes.

Teil 1 des Knies: Das Kniescheibengelenk

Die Kniescheibe (Patella) sitzt wie eine Kappe vorne am Knie, gut fühl- und sichtbar. Sie ist ein fast dreieckiger, auf der Spitze stehender Knochen, der etwa zwei bis drei Zentimeter dick, ungefähr doppelt so breit und knapp vier Zentimeter hoch ist. Mit ihrer Rückseite ist sie in eine Rinne des Oberschenkelknochens eingelassen und bildet so das Kniescheibengelenk oder Femoropatellargelenk.

Vorne ist sie mit der Sehne des Oberschenkelstreckmuskels verwoben. Mithilfe ihres Knorpelüberzuges auf der Rückseite bewegt sich die Kniescheibe beim Beugen und Strecken des Knies mehrere Zentimeter auf und ab. Sie ist eine Art Abstandshalter und vergrößert die Hebelwirkung des Oberschenkels. Außerdem führt sie wie ein "Reiter" die Kniescheibensehne und erleichtert ihr das Gleiten über den Knochen.

Teil 2 des Knies: Das Kniekehlengelenk oder Femorotibialgelenk

Zwischen Oberschenkelknochen und Schienbeinkopf befindet sich das zweite Teilgelenk des Knies, das Kniekehlengelenk oder Femorotibialgelenk. Es unterstützt aufgrund seiner Mechanik auch Drehbewegungen in Beugestellung.

Weitere Abteile des Knies

Manche Beschreiber unterteilen den zuvor beschriebenen Part noch in einen zur Innenseite und zur Außenseite des Knies liegenden Teil, also zwei Kompartimente. Ein drittes – oder je nach Betrachtung viertes – Gelenk, nämlich zwischen Schienbein und Wadenbein, gehört im weiteren Sinne ebenfalls noch zum Gefüge des Kniegelenks.

Kniescheibenband: Starker Halt vorne

Das Kniescheibenband (Ligamentum patellae) ist etwa zwei Zentimeter breit und sehr kräftig. Als Teil der Kniegelenkkapsel und gewissermaßen Fortsetzung der Sehne des Oberschenkelstreckers verläuft es vom Unterrand der Kniescheibe zum Schienbein. Über die Kniescheibe verbindet es den Oberschenkelstreckmuskel mit dem Schienbein und überträgt die Muskelkraft.

Teamwork fürs Knie

Außerdem stabilisiert und führt ein wichtiger Hilfsapparat das Kniegelenk: die zwei Kreuzbänder und zwei Seitenbänder, die Gelenkkapsel aus Bindegewebe, der Gelenkknorpel, die Gelenkkörper (Menisken, siehe oben) und nicht weniger als 13 Oberschenkelmuskeln, darunter die ebenfalls schon genannten mächtigen Oberschenkelstreckmuskeln (Kniestrecker oder Quadrizeps-Muskeln) vorne sowie die Kniebeuger hinten.

Die beiden Menisken eines jeden Knies – Innen- und Außenmeniskus – bestehen aus Bindegewebe und elastischem Knorpel. Sie  gleichen Formunterschiede an den Gelenkflächen zwischen den Oberschenkelrollen und Schienbeinplateau aus, wirken als Stoßdämpfer und schützen den Gelenkknorpel. Dadurch stabilisieren sie diese wichtigen Anteile des Kniegelenks. Außerdem vergrößern sie die Fläche, auf der Druck übertragen werden kann.

Dank mehrerer Schleimbeutel, die aber nicht bei allen Menschen in gleicher Zahl am Knie vorhanden sind, können Muskeln und Sehnen leichter auf der knöchernen Unterlage gleiten. Die Puffer liegen gelenknah unter der Haut, über Knochenvorsprüngen, so auch über der Kniescheibe, unter Sehnen, Bändern und Muskeln.


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