{{suggest}}


Richtige Händedesinfektion

Desinfektionsmittel gibt es viele, aber nicht alle wirken gegen sämtliche Keime. Welche Unterschiede es gibt und auf was Sie bei der richtigen Händedesinfektion achten müssen, erfahren Sie hier

von Dr. med. Laura Weisenburger, 30.04.2020
Coronavirus Desinfektion richtige Anwendung Spender Krankenhaus Ellbogen Ellenbogen Drücken Desinfektionsmittel

Wichtig beim Händedesinfizieren: wenn möglich Spender oder Flasche nicht mit den Händen berühren


Welche Desinfektionsmittel gibt es?

Desinfektionsmittel können die Keimzahl auf Händen oder Flächen zwar deutlich reduzieren, komplett keimfrei werden diese dadurch aber nicht. Es gibt unterschiedliche Desinfektionsmittel, die gegen verschiedene Erreger wirken. Den Unterschied machen hierbei vor allem die Viren.

Begrenzt viruzid, begrenzt viruzid PLUS und viruzid

Manche Viren haben eine Fetthülle, daher nennt man sie behüllte Viren. Hierzu gehören zum Beispiel Influenza- Masern und Ebolaviren und auch das neuartige Coronavirus, SARS-CoV2. Diese Viren kann man mit Desinfektionsmitteln, die "begrenzt viruzid" (virusabtötend) wirksam sind, bekämpfen. Sie enthalten 60-70 % Alkohol (Enthanol oder Propanol) und wirken gegen Bakterien und Viren mit einer Hülle.

Schwieriger lassen sich Viren ohne Hülle bekämpfen. Für diese Erreger werden "viruzide" Desinfektionsmittel gebraucht.  Viruzide Desinfektionsmittel wirken auch gegen behüllte Viren.

Einige Viren ohne Hülle können mit Desinfektionsmitteln "begrenzt viruzid PLUS" bekämpft werden. Dazu gehören unter anderem Rota-, Adeno- oder Noroviren, häufige Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen. Ihre Außenkapseln haben Eigenschaften, die die Viren empfindlich für diese Mittel macht.

Auf den Flaschen der Desinfektionsmittel ist außen die Einteilung vermerkt. Häufig ist hier nochmals zu lesen, gegen welche Erreger die Mittel nicht wirken.

Desinfektionsmittel gegen Sporen

Sporen sind Teile von Bakterien oder Pilzen, die unter extremen Bedingungen, wie starke Hitze, Kälte oder Trockenheit überleben können. Spezielle Desinfektionsmittel, die gegen Sporen wirken, nennt man sporizid (Sporen abtötend). Hierzu gehören unter anderem Mittel mit Wasserstoffperoxid.

Das richtige Mittel wählen

Man sollte nicht grundsätzlich das Mittel wählen, welches gegen möglichst viele Keime wirkt. Das kann zu erhöhten Resistenzen führen. Das bedeutet, die Keime entwickeln vermehrt Eigenschaften, welche sie widerstandsfähiger gegen das eingesetzte Mittel machen und das Desinfektionsmittel kann nicht mehr so effektiv gegen die resistenten Keime wirken. Für den regulären Gebrauch eigenen sich daher am ehesten "begrenzt viruzide" Desinfektionsmittel. Auch in der aktuellen Situation der Pandemie sind diese ausreichend wirksam gegen das SARS-CoV2 Virus. Viruzide oder sporizide Desinfektionsmittel sollten speziellen Situationen, wie zum Beispiel dem Ausbruch von bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen, vorbehalten sein.

Wichtig: Verwenden Sie für die Desinfektion der Hände nur Handdesinfektionsmittel, nie Flächendesinfektionsmittel. Letzteres kann Hautreizungen und –schäden verursachen und sollte nur mit Handschuhe auf Flächen aufgetragen werden.

Das sollte man für eine sichere Desinfektion beachten

Nach Schema vorgehen

Es gibt verschiedene Schemata, nach welchen eine Händedesinfektion durchgeführt werden kann. Alle sind vergleichbar gut. Wichtig ist, dass Sie bei der Händedesinfektion immer gleich vorgehen, so werden sämtliche Bereiche der Hände sicher desinfiziert und kein Schritt vergessen. Unser Video zeigt einen Vorschlag, in welcher Reihenfolge sie die Desinfektion durchführen können. Bereiche, welche häufig vergessen und deshalb immer besonders aufmerksam gereinigt werden sollten sind:

  • die Fingerzwischenräume
  • Handrücken und Streckseiten der Finger
  • Fingernägel
  • der Daumen
  • die Handgelenke

Ausreichende Mengen und ausreichend Zeit

Die Hersteller empfehlen im Schnitt 3 Milliliter (ml) für eine ausreichend effektive Händedesinfektion. Häufig ist auf den Flaschen vermerkt, wie vielen Pumphüben aus dem Spender das in etwa entspricht.

Achten Sie bei der Desinfektion auch auf die Zeit. Begrenzt viruzide Mittel benötigen mindestens 30 Sekunden, um effektiv gegen die Keime zu wirken. Bei viruziden Desinfektionsmitteln kann sich diese Zeit auf anderthalb Minuten verlängern. In der Zeit, in der die Hände desinfiziert werden, sollten diese stets feucht gehalten und nach einem systematischen Schema gegeneinander gerieben werden. Eine alleinige Benetzung mit Desinfektionsmittel ohne Reibung der Hände reicht nicht aus. Die Desinfektion ist abgeschlossen, wenn die Hände trocken sind. Auch das kann eine kurze Zeit dauern.

Desinfektionsflasche sauber halten

Wenn die Desinfektionsflasche über einen Spender mit Pumpmechanismus verfügt, achten Sie darauf, diesen mit dem Ellenbogen und möglichst nicht mit den Händen zu betätigen. So verhindert man, dass die eigenen Keime auf der Flasche verteilt werden.

Fast alle Krankenhäuser oder Pflegeheime verfügen im Eingangsbereich oder auf Stationsebene über frei zugängliche Spender. Benutzen Sie diese bei Betreten und Verlassen des Bereichs. Achten Sie hier besonders darauf, den Spender nicht mit der Hand anzufassen. Einige Spender funktionieren sogar automatisch mit Bewegungsmelder. Hier ist keine Berührung nötig, es genügt, die Hände unter den Spender zu halten und es wird automatisch die richtige Menge Desinfektionsmittel abgegeben.

Gut zu wissen: Desinfektion ist nicht gleich Sterilisation
Sterilisation meint die komplette Keimfreiheit, auch von Sporen. Das ist auf der Haut quasi nie erreichbar, weil man zu scharfe Mittel einsetzen müsste, um sämtliche Keime abzutöten. Steril können hingegen Verbände, Handschuhe, Kittel oder Instrumente (zum Beispiel für Operationen) sein. Die Sterilisation von Gegenständen erfolgt in speziellen Einrichtungen. Um etwas zu sterilisieren, werden Chemikalien oder große Hitze (Heißluft- oder Dampfsterilisation) eingesetzt.  Alle Gegenstände, die steril sind, sind speziell verpackt.

Quellen:

Bundesgesundheitsbl 2017 · 60:353–363DOI 10.1007/s00103-016-2509-2© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2017

Bundesgesundheitsbl 2017 · 60:1274–1297/ s00103- 017- 2634-6© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2017

M. Exner, P. Walger et al "Häusliche Pflege von Patienten mit Verdacht auf 2019-nCoV-Infektion mit geringgradigen Symptomen und Management von Kontakten Interim-Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, angepasst an die krankenhaushygienischen Erfordernisse in Deutschland" https://www.krankenhaushygiene.de/informationen/fachinformationen/empfehlungen-der-dgkh/735 (letzter Aufruf 30.04.2020)

https://vah-online.de/de/