Alkoholsucht (Alkoholabhängigkeit)

Wie lässt sich Alkoholabhängigkeit erkennen? Welche Symptome treten bei Alkoholmissbrauch auf? Informationen zu Diagnose und Therapie der Alkoholkrankheit

aktualisiert am 12.06.2018

Ob Schnaps, Bier oder Wein: Zuviel davon ist nicht gut


Alkoholsucht - kurz zusammengefasst

Eine Alkoholabhängigkeit kann der Gesundheit extrem schaden. Wer bei sich Probleme im Umgang mit Alkohol feststellt, sollte daher unbedingt das Gespräch mit dem Arzt suchen. Selbsttests wie der CAGE- oder AUDIT-Test können einen kritischen Umgang mit Alkohol aufdecken. Der Hausarzt, Suchtberatungsstellen, Psychiater und Psychologen, entsprechende Fachkliniken oder Selbsthilfegruppen können Betroffenen ebenfalls helfen zu klären, inwieweit bei Ihnen ein schädlicher Alkoholkonsum vorliegt und welche Schritte sinnvoll sind, um eine Veränderung herbeizuführen.

Was bedeutet Alkoholsucht?

Alkoholsucht ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für die Abhängigkeit von Alkohol. Sie ist gekennzeichnet durch körperliche, psychische und soziale Probleme und führt zu einer Reihe von Folgeschäden. Etwa 1,3 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig. Für die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit gibt es bestimmte Kriterien. Erfüllt ein Betroffener eine gewisse Anzahl dieser Kriterien, gilt er als abhängig (siehe Diagnose).

Die Übergänge von "noch normalem" zu risikoreichem oder schädlichen Konsum und Abhängigkeit sind fließend.

Wie wirkt Alkohol?

Der größte Teil des getrunkenen Alkohols wird über die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes in den Körper beziehungsweise den Blutkreislauf aufgenommen. Wie schnell das geschieht, hängt unter anderem davon ab, was gegessen wurde. Bei nüchternem Magen erfolgt die Aufnahme sehr rasch, wohingegen fettreiche Nahrung den Prozess verzögert. Der höchste Alkoholspiegel im Blut ergibt sich im Durchschnitt zirka 45 bis 90 Minuten nach dem Konsum eines alkoholischen Getränkes.

Bei gleicher Alkoholmenge ist die Blutalkoholkonzentration bei Frauen höher als bei Männern. Der Grund: Männer haben selbst bei gleichem Gewicht mehr Muskelmasse als Frauen. Muskeln sind stärker durchblutet als Fettgewebe, daher verteilt sich der zugeführte Alkohol in mehr Flüssigkeit. Abgebaut wird Alkohol zum größten Teil in der Leber. 

Wie Alkohol sich auswirkt, ist abhängig von der konsumierten Menge sowie von der individuellen körperlichen und seelischen Verfassung. Bei regelmäßigem Konsum kommt es außerdem zu einem gewissen Gewöhnungseffekt, der auch Toleranz genannt wird. Durch die Gewöhnung reagiert der Körper weniger empfindlich auf Alkohol. Allein der Promille-Wert sagt also nicht unbedingt etwas darüber aus, wie stark der Einzelne durch den Rausch bereits in seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten beeinträchtigt ist.

Körperliche Reaktionen auf Alkoholkonsum sind zum Beispiel:

  • Koordinations- und Bewegungsstörungen (zum Beispiel Schwanken)
  • undeutliche Aussprache
  • Erweiterung der Blutgefäße (gerötetes Gesicht)
  • vermehrtes Schwitzen
  • gesteigerte Harnbildung ... 

Psychische Reaktionen auf Alkoholkonsum sind zum Beispiel:

  • Enthemmung (Abbau von Schüchternheit oder auch erhöhte Aggressivität)
  • Rededrang
  • gehobene Stimmung
  • Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen
  • Desorientiertheit
  • teilweise aggressives, fremd- oder eigengefährdendes Verhalten
  • manchmal Angst oder depressive Stimmung

Doch immer gilt: Unabhängig davon, ob jemand "viel verträgt" oder schneller betrunken wird, richtet der Alkohol in seinem Körper Schaden an. Denn Alkohol ist ein Zellgift. Das bedeutet, bereits kleine Mengen Alkohol schädigen die Zellen und Organe des Körpers, wie zum Beispiel die Leber oder das Nervensystem. Diese zellschädigende Wirkung entfaltet sich immer, das Ausmaß hängt dabei grundsätzlich und ausschließlich von der Menge an reinem Alkohol ab – egal ob man sich diesen in Form von Schnaps, Bier oder Wein zuführt.

Wann ist Alkoholkonsum gefährlich?

Experten sind sich einig: Risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Auch kleine Mengen Alkohol sind schädlich, das Risiko für Folgeerkrankungen steigt jedoch mit zunehmender Konsummenge. Ab welcher Menge Alkohol definitiv schädlich ist, wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert. In Deutschland gängig ist folgende Einteilung in "Konsummuster" (in Gramm Reinalkohol am Tag):

Risikoarmer Konsum: Frauen bis 12 g /Männer bis 24 g.

Alles darüberhinaus ist ein riskanter Konsum, was bedeutet, dass bei fortgesetztem Konsum das Risiko für schädliche Folgen steigt. Frauen, die regelmäßig mehr als 40 oder sogar 80 Gramm Alkohol zu sich nehmen oder Männer mit einem Konsum von mehr als 60 beziehungsweise 120 Gramm am Tag haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, früher oder später ihren Körper deutlich zu schädigen.

Zur Orientierung: Ein Glas Bier mit 0,33 Liter entspricht etwa 13 g Alkohol. Ein Glas Wein mit etwa 0,2 Liter entspricht ungefähr 16 g.

Bei weniger als zwei konsumfreien Tagen pro Woche gilt Alkoholkonsum immer als riskant. Die oben genannte Einteilung gilt außerdem nur für gesunde Erwachsene und insbesondere nicht für schwangere oder stillende Frauen.

Wieviel Alkohol enthält ein Glas ungefähr?

Symptome

Alkoholkonsum hat eine direkte und unmittelbare Wirkung auf den Körper, die bereits kurz nach dem Konsum auftritt. Ein zu hoher Alkoholkonsum über längere Zeit kann darüber hinaus aber auch Schäden hervorrufen, die erst nach Monaten oder Jahren deutlich werden.

Unmittelbare körperliche und psychischen Symptome nach Alkoholkonsum

Dazu gehören die unter "Wie wirkt Alkohol?" genannten Symptome wie Erweiterung der Gefäße, Koordinations- und Bewegungsstörungen, ...

Körperliche und psychische Folgen der Alkoholsucht

Darunter fallen zum Beispiel verminderter Appetit und Fehlernährung sowie Entzugserscheinungen wie Unruhe oder Übelkeit, Zittern, erhöhte Reizbarkeit, ...

Folgen des Alkoholkonsums und der Alkoholabhängigkeit

Hoher Alkoholkonsum erhöht das Risiko für viele Krankheiten deutlich. Hierzu zählen unter anderem:

  • Leberentzündungen,
  • Leberzirrhose
  • Bauchspeicheldrüsenentzündungen
  • Verletzungen, Unfälle
  • Krebs, insbesondere Tumore der Mundhöhle, des Rachens, der Leber und der weiblichen Brust
  • Erkrankung der Speiseröhre und des Magens (Entzündungen, Geschwüre, Krebs)
  • Erkrankungen von Herz- und Gefäßsystem (Herzrhythmusstörungen, Herzvergrößerung, ...), Bluthochdruck
  • Folsäuremangel und eine daraus folgende Blutarmut
  • Potenzstörungen
  • Immunstörungen
  • Schäden am Nervensystem
  • vorgeburtliche Schädigungen des Embryos, wie unter anderem Minderwuchs, geistige Behinderung oder Herzfehler

Zu den sozialen Folgen gehören oft Schwierigkeiten in der Familie und Probleme am Arbeitsplatz, Verlust von Freunden und Bekannten, Führerscheinentzug oder Konflikte mit dem Gesetz. Alkoholsucht führt in vielen Fällen auch zum sozialen Abstieg und verursacht enorme gesellschaftliche Folgekosten.

Die Phasen der Alkoholabhängigkeit

Eine Alkoholsucht verläuft oft in bestimmten Phasen mit jeweils charakteristischen Verhaltensweisen. Obwohl sich die individuellen Formen der Erkrankung oft sehr unterscheiden, gilt daher folgender Verlauf als typisch:

1) Zunächst wird immer häufiger getrunken, um Probleme zu bewältigen und bestimmte Situationen besser erträglich zu machen. Ein täglicher Alkoholkonsum kann die Folge sein. Zu einem Rausch muss es dabei nicht kommen.

2) In einer nächsten Stufe wird Alkohol immer wichtiger, die Gedanken kreisen fast nur noch um das Thema Trinken und darum, sich Alkohol zu beschaffen und die eigenen Trinkgewohnheiten vor Freunden, Familie und Kollegen zu verheimlichen. Dazu kommt ein fortschreitender Kontrollverlust: Betroffene greifen zwanghaft zur Flasche, später auch zu jeder Tageszeit. Andere Pflichten, Interessen und soziale Kontakte werden wegen des Alkoholkonsums vernachlässigt. Wird weniger Alkohol als sonst getrunken, treten körperliche und psychische Entzugserscheinungen auf.

3) Schließlich beherrscht die Alkoholsucht weitgehend den Tagesablauf und das Verhalten der Betroffenen. Geistige Fähigkeiten wie Kritik- und Urteilsfähigkeit lassen oft nach. In vielen Fällen erfolgt spätestens dann ein rascher sozialer Abstieg.

Diagnose: Alkoholabhängigkeit erkennen

Es gibt eine ganze Reihe von Anzeichen, die auf eine Alkoholsucht hinweisen können. Dazu gehören unter anderem:

  • Ein starkes Verlangen oder eine Art Zwang, Alkohol zu trinken
  • Verminderte Fähigkeit zu kontrollieren, wann und wieviel konsumiert wird
  • Entzugserscheinungen, wenn der Konsum reduziert oder ausgesetzt wird
  • Trinken, um die Entzugssymptome zu mildern
  • Toleranzentwicklung, das heißt, um den gewünschten Effekt zu erreichen, müssen die Betroffenen immer größere Mengen Alkohol konsumieren
  • Eingeengte Verhaltensmuster: So wird zum Beispiel getrunken, ohne dabei die gesellschaftlich üblichen Regeln noch zu beachten
  • Zugunsten des Alkoholkonsums werden immer stärker andere Interessen vernachlässigt. Alkohol zu beschaffen und zu konsumieren erfordert einen erhöhten Zeitaufwand
  • Anhaltender Konsum wider besseren Wissens, also obwohl die schädlichen Folgen im körperlichen und psychischen Bereich bereits deutlich werden. Dazu gehören auch Probleme in Familie, am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld

Nicht alle dieser Symptome müssen zutreffen, um abhängig zu sein! Es gibt Alkoholabhängige, die nicht täglich trinken oder die auch keine Entzugssymptome verspüren, dafür jedoch andere Nachteile in Kauf nehmen.

Der Arzt stellt die Diagnose auf Grundlage eines ausführlichen Gesprächs und einer körperlichen Untersuchung. Dabei werden auffällige Verhaltensweisen, körperliche sowie psychische Symptome des Patienten berücksichtigt. Der Mediziner versucht, sich ein Bild über die Lebenssituation des Betroffenen und über die Entwicklung seines Alkoholkonsums zu machen. Veränderungen bestimmter Blutwerte können dem Arzt einen Hinweis darauf geben, dass möglicherweise ein erhöhter Alkoholkonsum besteht.

Test: Sind Sie alkoholabhängig?

Es gibt auch Fragebögen, die dabei helfen können, abzuschätzen, ob eine Abhängigkeit vorliegt. Dazu gehören unter anderem der AUDIT oder der CAGE-Fragebogen:

CAGE-Fragebogen

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Haben Sie schon einmal daran gedacht, weniger zu trinken?

Therapie: Hilfe für Alkoholiker

Schwerpunkt der Therapie von Alkoholabhängigen ist es, sie in einer Behandlung zu halten, ihre Motivation zur Veränderung zu erhöhen und ihnen und ihren Angehörigen ein Leben in guter Qualität zu ermöglichen. Die meisten Alkoholabhängigen befassen sich dabei früher oder später mit dem Ziel einer dauerhaften Abstinenz oder einer Reduktion der Trinkmenge. Die medizinische Betreuung alkoholbedingter Beschwerden und Erkrankungen erfolgt meist durch niedergelassene Ärzte oder stationär im Krankenhaus.

 

Bei der Behandlung der Alkoholsucht selbst werden mehrere Phasen unterschieden. Die erforderlichen Therapiemaßnahmen erfolgen im allgemeinen entweder ambulant oder stationär. Je nach Symptomatik werden Beratung und Therapie auch durch Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen geleistet. Im Idealfall ergänzen sich verschiedenen Teile des Suchthilfenetzwerks.

Gerade in Krisensituationen ist die Rückfallgefahr für die Betroffenen erhöht. Dann ist es besonders wichtig, dass sie von Angehörigen, Therapeuten und Selbsthilfegruppen Unterstützung erfahren. Insgesamt ist es sehr schwierig bis unmöglich, eine Prognose über den Erfolg der Therapie abzugeben, da der Verlauf im einzelnen immer sehr unterschiedlich und kaum vorhersehbar ist. Wichtig ist dabei, dass ein Misserfolg ("Ausrutscher", "Rückfall") nicht das Versagen der Therapie bedeutet.

Die Therapiephasen

Grundsätzlich werden vier Therapiephasen unterschieden. In jeder Phase wird versucht, die Behandlung der individuellen Situation des Betroffenen anzupassen.

  • Kontaktphase: Die Betroffenen nehmen Kontakt zu Beratungsstellen, einer Selbsthilfegruppe oder einem Arzt auf. Sie – und möglichst auch ihre Angehörigen – werden ausführlich informiert. Wichtig ist es in dieser Phase, das Trinkverhalten des Abhängigen als Problem zu benennen und ihn zu motivieren, selbst an der Lösung mitzuarbeiten, also Verantwortung zu übernehmen.
  • Reduktionsphase: Die Behandlung mit dem Ziel der Trinkmengenreduktion ist für alkoholabhängige Patienten geeignet, die sich zunächst nicht vorstellen können, ganz auf Alkohol zu verzichten. Einige Betroffene ändern ihr Ziel im Laufe der Behandlung und möchten doch die Abstinenz erreichen.
  • Entzugsphase: Falls die Trinkmengenreduktion nicht stabil oder aus medizinischen Gründen nicht sinnvoll erreicht werden kann, ist oft eine körperliche Entgiftung notwendig. Steht der Suchtstoff dem Körper nicht mehr zur Verfügung, sind körperliche (zum Beispiel Verwirrtheit, Schwitzen, Blutdruckerhöhung, beschleunigter Herzschlag, leichte Übelkeit, Zittern) und psychische Entzugserscheinungen (zum Beispiel psychomotorische Unruhe, Reizbarkeit, Ängstlichkeit) die Folge.

Der Alkoholentzug findet meist im Krankenhaus statt, denn im Rahmen einer schweren Entzugssymptomatik, dem sogenannten Delir, drohen unter anderem Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma, Halluzinationen oder auch Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, die ein sofortiges ärztliches Eingreifen nötig machen können. Auch epileptische Entzugsanfälle sind gefürchtet, da der plötzliche Bewusstseinsverlust zu Stürzen mit unter Umständen schweren und lebensbedrohlichen Verletzungen führen kann.

•    Entwöhnungsphase: Ist der Körper von der Droge Alkohol entgiftet, müssen noch weitere wichtige Hürden genommen werden, um die Alkoholabhängigkeit zu behandeln. Eine Entwöhnungsbehandlung erfolgt meist über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten in einer Fachklinik, kann aber oft auch ambulant, teilstationär oder als Kombination dieser Möglichkeiten durchgeführt werden. Der Betroffene soll lernen, den Alltag auch ohne Alkohol wieder zu meistern. Zudem soll sein Wunsch, abstinent zu bleiben, gestärkt und er selbst psychisch soweit gefestigt werden, dass der Abschied vom Alkohol gelingen kann.

•    Nachsorge- und Adaptationsphase: Der Übergang von der oft stationären Entwöhnungsbehandlung zurück in den Alltag kann schwierig sein. Die Betroffenen werden wieder mit ihren alten Problemen und Ängsten konfrontiert, können sich damit überfordert fühlen. Experten befürworten deshalb in dieser Phase eine engmaschige ambulante Nachbetreuung. Hierfür kommen Suchtambulanzen, Suchtberatungsstellen oder Fachärzte infrage. Als weiterer wichtiger Baustein gilt die regelmäßige Teilnahme an Selbsthilfegruppen.

Unterstützend können Medikamente eingesetzt werden. Sie sollen das Verlangen nach Alkohol mindern (zugelassen sind in Deutschland Acamprosat, Naltrexon, Nalmefen). Solche Medikamente können Beratung und Therapie jedoch keinesfalls ersetzen, sondern diese lediglich ergänzen.

Stationäre oder ambulante Entwöhnungstherapie?

Stationäre Entwöhnungstherapien werden in speziellen Fachkliniken durchgeführt. Die Therapiemaßnahmen finden häufig in Gruppen statt. Diverse psycho- und sozialtherapeutische Verfahren kommen hier zur Anwendung. Dazu zählen unter anderem Entspannungstechniken, Partner- und Familien- oder Bewegungstherapie.

Teilnehmer an ambulanten Maßnahmen müssen bereit und fähig sein, ihren Therapieplan einzuhalten. Ein intaktes und unterstützendes soziales Umfeld ist dabei von großem Vorteil. Leiden Betroffene bereits an schweren körperlichen oder psychischen Bergleiterkrankungen, sind ambulante Therapien nicht angezeigt.

Einen Rückfall vermeiden

Es gibt bestimmte Lebenssituationen, die alkoholabhängige Menschen vor besondere Herausforderungen stellen. Dazu zählen:
•    Situationen in denen Alkohol leicht verfügbar ist, also zum Beispiel in Gaststätten oder auf Feiern
•    Situationen, in denen die Gefahr besteht, dass in alte Gewohnheiten zurückgefallen wird: Also etwa die Lust auf das gewohnte Bier am Feierabend
•    Wenn es Stress mit dem Partner gibt
•    Wenn andere Situationen psychischen Druck auslösen, wie etwa Ärger am Arbeitsplatz oder enttäuschte Hoffnungen.
•    Zu große Selbstsicherheit: Betroffene glauben oft, ein kleines Gläschen zwischendurch könne nicht schaden, gefährde nicht die mühsam erkämpfte Abstinenz. Manchen gelingt es anfangs zunächst, den Konsum zu kontrollieren. Meist wird dann die Selbstsicherheit größer, der Konsum wird regelmäßiger und über einen gewissen Zeitraum hat sich wieder das alte Muster eingeschlichen. Andere beginnen gleich ab dem ersten Glas wieder mit der selben Konsummenge wie zuvor.

Angehörige oder Freunde von Alkoholsüchtigen sollten darauf achten, kein Verhalten zu entwickeln, das die Abhängigkeit des Betroffenen eher fördert als überwinden hilft. Dazu gehört der Versuch, dem Alkoholiker alle Probleme abzunehmen, ihn aus der Verantwortung für seine Situation zu entlassen, sein Verhalten zu entschuldigen oder gar zu decken. Es hilft nicht, das Alkoholproblem zu verheimlichen, um Schaden von der Familie abzuwenden. Eine konsequente Behandlung kann hingegen helfen. Die Medizin spricht in solchen Fällen von Co-Abhängigkeit.

Prognose

Eine klare Prognose für den Erfolg oder Misserfolg einer Behandlung ist nur sehr eingeschränkt möglich, denn zu mannigfaltig sind die individuellen Voraussetzungen jedes Betroffenen. Wichtig ist, dass Hilfe und Unterstützung möglichst frühzeitig angenommen werden.

Die Abstinenzrate nach stationären Behandlungen ist besser, als allgemein oft angenommen wird, unterliegt aber auch Schwankungen. Eine Übersicht verschiedener Studien zeigt einerseits, dass nach 12 bis 18 Monaten etwa jeder zweite Patient noch abstinent war. Andererseits gibt es Untersuchungen (unter Berücksichtigung auch internationaler Ergebnisse), wonach im längerfristigen Bereich noch ein Drittel bis ein Viertel der Betroffenen weiter dem Alkohol entsagte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein (kurzer) Rückfall nicht automatisch bedeutet, dass alles umsonst war.

Ursachen

Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht keine befriedigende Antwort auf die Frage, warum manche Menschen abhängig werden und andere nicht. Die Ursachen für eine Alkoholabhängigkeit werden meist in einer Wechselwirkung zwischen

  • den individuellen Voraussetzungen eines Menschen (biologische Faktoren, psychologische Einflussgrößen, persönliche Lebensgeschichte)
  • der umgebenden Gesellschaft (Kultur und soziales Umfeld) und
  • der spezifischen Wirkung der Substanz Alkohol

gesehen. Dass Alkoholkonsum in bestimmten sozialen Gruppen oder manchmal auch in Familien gehäuft auftreten kann, erklären sich Experten neben den genetischen Effekten in Familien damit, dass Kinder beziehungsweise Jugendliche das vorgelebte Verhalten der Erwachsenen erlernen oder sich an den Gewohnheiten ihrer Gruppe orientieren.

Vorbeugen

Mediziner raten: Wer wegen seines eigenen Alkoholkonsums ins Grübeln gerät, ihn als zu hoch empfindet oder merkt, dass er immer schwerer auf Alkohol verzichten kann, der sollte eine Beratungsstelle oder einen Arzt aufsuchen. Denn in dieser Phase sind Hilfe und Therapie noch einfacher als später, wenn das soziale und berufliche Leben zunehmend unter dem Konsum leidet. Ein deutliches Warnzeichen ist es auch, wenn Angehörige, Freunde oder Kollegen einen auf den Alkoholkonsum ansprechen.

Beratender Experte

Dr. med. Mathias Luderer studierte Medizin an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg mit Auslandsaufenthalten in Budapest (ERASMUS-Stipendium) und Dublin. Er promovierte zur ambulanten Behandlung der Alkoholabhängigkeit und absolvierte seine psychiatrisch-psychotherapeutische Facharztweiterbildung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim mit dem Schwerpunkt Suchtmedizin. Dr. Luderer ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und ab dem 1. März 2018 als Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Goethe-Universität Frankfurt tätig. Bereits seit vielen Jahren beschäftigt sich Dr. Luderer klinisch und wissenschaftlich mit der Verbindung zwischen ADHS und Abhängigkeitserkrankungen.

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen:

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht): Alkoholbezogene Störungen: Screening, Diagnose und Behandlung, Leitlinie 02/2016. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/076-001l_S3-Leitlinie_Alkohol_2016-02.pdf (Abgerufen am 12.06.2018)

Bundesministerium für Gesundheit: Alkohol - Situation in Deutschland. Online: https://www.drogenbeauftragte.de/themen/suchtstoffe-und-abhaengigkeiten/alkohol/situation-in-deutschland/ (Abgerufen am 12.06.2018)