Noch nie stiegen die Deutschen so gern aufs Rad wie aktuell. Gut so, schließlich hält das umweltfreundliche Fortbewegungsmittel gesund: Radeln trainiert Herz und Kreislauf, schont die Gelenke. Aber was ist mit der Prostata? Leidet diese unter dem Druck auf dem Sattel?

Drückt der Sitz auf die Prostata?

„Man sitzt nicht direkt auf der Prostata, diese liegt mindestens zwei Zentimeter vom Sattel entfernt“, erklärt Dr. Andreas Jungwirth, Urologe und Androloge aus Salzburg. Wenn überhaupt werde die Prostata eher indirekt in Mitleidenschaft gezogen: Der Druck lastet beim Radfahren vor allem auf der Harnröhre. Entzündet sich diese, kann die Entzündung hoch bis zur Prostata steigen. Auch sei es möglich, dass Vibrationen vom Fahrrad bis zur Prostata ausstrahlen. „Kommen Regen und Kälte hinzu, kann dies Entzündungen begünstigen“, so Jungwirth.

Sollten Män­ner also besser vom Rad steigen? Keinesfalls, rät der Urologe: „Der Vorteil für die allgemeine Gesundheit überwiegt bei Weitem das relative Risiko, Prostata-Beschwerden zu bekommen.“ Entscheidend sei für Freizeitfahrer vor allem der passende Sattel und die korrekte Sitzposition, also etwa die Knie nicht durchzudrücken. Dadurch wird der Druck weg vom sensiblen Damm hin zu den stabilen Sitzbeinhöckern gelenkt.

Ein vorübergehendes Fahrverbot gilt nur für Männer, die an der Pros­tata operiert wurden. Wie lange sie pausieren sollen, müssen sie ärztlich abklären lassen. In der Regel können sie wieder in die Pedale treten, sobald die Wunde verheilt ist.

„Radfahren kann den PSA-Wert kurzfristig erhöhen“

Herr Professor Stenzl, was sagt der PSA-Wert aus?

Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein Eiweißkomplex, der von Prostatadrüsen gebildet wird. Es ist für die Fortpflanzung wichtig, weil es den Samen verflüssigt, sodass Spermien besser vorwärtskommen. Ins Blut gelangt das PSA normalerweise nur in sehr geringen Mengen. Sollte dieser Wert jedoch erhöht sein, kann das auf einen Tumor in der Prostata hinweisen – muss es aber nicht! Es gibt verschiedene Gründe dafür.

Unter anderem Radfahren?

Genau. Durch die mechanische Belastung kann es den PSA-Wert kurzfristig anheben. Wenn also ein Bluttest zur Bestimmung des PSA-Werts ansteht, sollte man drei Tage zuvor kein Fahrrad fahren. So lange dauert es in etwa, bis sich der PSA-Wert wieder normalisiert. Fahrradfahren kann das Testergebnis verfälschen.

Bedeutet das auch: Wer regelmäßig Rad fährt, hat einen ständig erhöhten PSA-Wert?

Nein. Es ist nicht so, dass das PSA zwangsläufig durchs Radfahren ansteigt. Außerdem: Wer häufig fährt und gut trainiert ist, dessen Prostata reagiert oft weniger empfindlich und nicht direkt mit einer Erhöhung des PSA-Werts.

Darauf sollten Freizeitradler beim Sattel achten

Übt der Sattel Druck auf den Damm aus, kann dies auch die Prostata mechanisch belasten.

Übt der Sattel Druck auf den Damm aus, kann dies auch die Prostata mechanisch belasten.

Wichtig ist, dass das Körpergewicht auf den Sitzbeinhöckern lastet. Der hintere Teil des Sattels sollte breit genug sein. Um den Abstand der Höcker zu messen, einfach auf ein Stück Karton oder Wellpappe setzen. Den Sattel horizontal einstellen oder die Nase leicht nach unten neigen lassen (bis zu fünf Grad).

Sitzbeinhöcker sollten belastet werden

Sitzbeinhöcker sollten belastet werden

Fazit

Radfahren hat deutlich mehr Vorteile für die Gesundheit als Risiken für die Prostata. Lastet aber zu viel Druck auf dem Damm, kann dieser bis zur Prostata wirken. Davor schützt ein passender Sattel. Vor einem Test zur PSA-Bestimmung beachten: Radfahren kann den Wert eventuell kurzzeitig erhöhen.

Haben auch Sie eine Frage, die Sie umtreibt? Schreiben Sie uns einfach! Per Post an Redaktion Apo­theken Umschau, Konradshöhe 1, 82065 Baierbrunn, oder per E-Mail an leserfrage@apotheken-umschau.de

-