Auf dem Friseurstuhl will ich am liebsten einen Rückzieher machen. Zu spät! Die Friseurin schneidet meine vier 40 Zentimeter langen Zöpfe ab. Vier Jahre habe ich die Haare wachsen lassen. Nun sind sie in weniger als einer Minute weg. Ich möchte damit Menschen helfen, die wegen einer Krankheit ihre eigenen Haare verloren haben.

Diese Idee hege ich, seit ich im Schaufenster eines Friseursalons einen Aufruf zur Spende gelesen habe. Davon sollen zum Beispiel krebskranke Menschen nach einer Chemotherapie profitieren. Oder Personen mit kreisrundem Haarausfall. Dieser verläuft oft in Schüben und trifft häufig Kinder. Bei jedem Fünften wachsen die Haare an den kahlen Stellen nicht mehr nach. Viele der Betroffenen leiden sehr unter ihrem Aussehen.

Zwischen 1500 und 4500 Euro kostet eine Echthaarperücke. Bei Kindern übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen davon einige Hundert Euro. Erwachsene müssen die Kosten für eine Perücke komplett aus der eigenen Tasche bezahlen. Meine Haare sind also kostbar. Ich will wissen, was mit ihnen passiert.

Abgeschnitten und weggeschickt

Gesund und lang muss das Haar sein. Nur dann kommt es für eine Spende infrage. Es kann bequem per Post verschickt werden.

Und das geht so:

1. Eine Organisation auswählen (siehe unten) und deren Vorgaben beherzigen

2. Vor dem Schneiden die Haare waschen und trocknen

3. Das Haar kämmen und dann zu einem oder mehreren Zöpfen flechten

4. Den Zopf oben und unten mit einem Haargummi zusammenbinden

5. Das Haar über dem Gummi abschneiden

6. Den Zopf in einen Briefumschlag legen und das Formular aus dem Internet dazulegen

7. Brief an die Organisation schicken

Mit frischer Frisur besuche ich deshalb die Manufaktur, die meine Haare verarbeiten wird, und bringe meine Zöpfe gleich mit. Perückenmacher Max Rieswick (Interview sie unten) erklärt mir dort ausführlich sein Handwerk.

Kinder bis 18 Jahre, die aus medizinischen Gründen ihre Haare verlieren, bekommen von ihm gratis Echthaarperücken. Ermöglicht wird das durch die vielen Haarspenden, die seine Manufaktur erhält. Meine Zöpfe finden sofort eine Empfängerin: die 13-jährige Carla, die an kreisrundem Haarausfall leidet. Meine schokobraunen Haare passen perfekt zu ihr. Zusammen mit drei weiteren Zöpfen wird Rieswick daraus ihre neue Haarpracht knüpfen – als Ersatz für ihre alte, ausgeblichene Perücke.

Kurz geschnitten: Vier Jahre ließ Helena Salamun, 26, ihr Haar wachsen. Dann flocht sie sich vier lange Zöpfe und ging damit zu ihrer Friseurin. In weniger als einer Minute war die Haarpracht weg. Salamun haderte eine Weile mit ihrer neuen Kurzhaarfrisur. Mittlerweile hat sie sich an ihre veränderte Erscheinung gewöhnt

Kurz geschnitten: Vier Jahre ließ Helena Salamun, 26, ihr Haar wachsen. Dann flocht sie sich vier lange Zöpfe und ging damit zu ihrer Friseurin. In weniger als einer Minute war die Haarpracht weg. Salamun haderte eine Weile mit ihrer neuen Kurzhaarfrisur. Mittlerweile hat sie sich an ihre veränderte Erscheinung gewöhnt

„Ich brauche 200 bis 250 Stunden für eine Perücke“

Herr Rieswick, was machen Sie mit den Haaren, die Sie bekommen?

Ich beurteile zuerst die Qualität des Zopfes. Dann sortiere ich zu kurze und kaputte Haare aus. Die gesunden bringe ich ins Haarspendelager. Dort suche ich zusammen mit der Kundin oder dem Kunden passende Zöpfe für die Perücke aus.

Wie viele Menschen versorgen Sie mit Ihren Perücken?

Jeden Tag kommen bei uns etwa 60 Spenden an. Wir können nicht alle verwerten, denn die Qualität der Haare ist wichtig. Circa 100 Kinder erhalten von uns jedes Jahr zuzahlungsfrei eine Perücke. Hinzu kommen noch etwa 100 Perücken monatlich für Erwachsene.

Was kosten Ihre Produkte?

Eine Echthaarperücke kostet normalerweise zwischen 1500 und 4500 Euro. Da wir viele Haarspenden erhalten, können wir die Perücken unter dem marktüblichen Preis abgeben. Minderjährigen bieten wir unsere Perücken sogar zuzahlungsfrei an.

Bei ihnen beteiligen sich die Kassen in der Regel an den Kosten. Wie lange brauchen Sie für eine Perücke?

Zwischen 200 und 250 Stunden. Dazu knüpfe ich 20.000 bis 50.000 Haare. Pro Perücke brauchen wir drei bis fünf Spenden – je nach Menge der Haare.

Adressen für Haarspenden

Sie können Ihre Haare versenden oder bei einem Partner-Friseursalon der unten genannten Organisationen abgeben. Der Salon kümmert sich um den Versand. Den Haarschnitt müssen Sie allerdings immer selbst bezahlen.

1. www.bvz-info.de

Der Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten versteigert bei seiner Aktion „Rapunzel“ Zöpfe und spendet den Erlös an eine gemeinnützige Organisation.

2. ​​www.haare-spenden.de

Die Manufaktur Rieswick knüpft mithilfe von Haarspenden kostenfreie Echthaarperücken für Minderjährige. Den Geldwert der Haare spendet die Manufaktur.

3. www.diehaarspender.at

Der Verein produziert für Kinder in Deutschland, Österreich und Ungarn.

4. www.vereinhaarfee.at

Der Verein stellt Kinder-Perücken her.

7204917_8ec40cec0e.IRWUBPROD_408Z.jpeg

Erblicher Haarausfall: Kahle Köpfe mit Ansage

Geheimratsecken oder eine blanke Stelle am Hinterkopf: Viele Männer belastet es, wenn ihr Haar lichter wird. Wer aktiv gegensteuern will, sollte möglichst früh damit anfangen

Mann mit Haarausfall

Haarausfall: Was Männern hilft

Wenn die Geheimratsecken auftauchen, lassen sich Männer auf allerlei zweifelhafte Mittelchen ein. Nachweislich wirksam sind aber nur drei Methoden