Vor allem früher verzierte ein Kropfband so manchen Frauenhals. Es war – und ist – Bestandteil der weiblichen Tracht im Alpenraum. Mit diesem Schmuckstück kaschierten Frauen einen Kropf oder Narben am Hals.

Auch heute noch kommt ein Kropf, von Medizinern als Struma bezeichnet, häufig vor. Mindestens 20 Millionen Menschen leiden in Deutschland laut Statistiken daran.

Kropf meistens durch Jodmangel bedingt

Bei einer Struma handelt es sich um eine vergrößerte Schilddrüse. Das schmetterlingsförmige Organ befindet sich im vorderen Teil des Halses und liegt der Luftröhre auf. Die Schilddrüse bildet Hormone und beeinflusst darüber zahlreiche Stoffwechselvorgänge und Organe im Körper. Dafür benötigt die kleine Drüse das Spurenelement Jod. Das Problem: Der Organismus kann Jod nicht selbst herstellen, es muss mit dem Essen aufgenommen werden. Da sich Jod nur in sehr wenigen Lebensmitteln findet, kann es zu einem Mangel im Körper kommen.

"Jodmangel ist die häufigste Ursache eines Kropfes", sagt Professor Jochen Kußmann, Schilddrüsenspezialist und Leiter der Klinik für Endokrine Chirurgie an der Schön Klinik Hamburg Eilbek. Bekommt die Schilddrüse zu wenig Jod, kann sie nicht mehr genügend Hormone bilden. Sie versucht, dieses Defizit auszugleichen, indem sie sich vergrößert. Wächst das Organ gleichmäßig in allen Bereichen, liegt eine Struma diffusa vor. Viel öfter werden aber nur einzelne Areale größer. Es entstehen Schilddrüsenknoten, Mediziner sprechen von einer Struma nodosa. In beiden Fällen wird die Vergrößerung des Organs ab einem gewissen Volumen von außen sichtbar.

Kropf kann Schluckstörung verursachen

Erfüllt die Schilddrüse, trotz Vergrößerung, alle Aufgaben normal, bemerkt der Betroffene oft lange Zeit nichts davon. Erst ab einer gewissen Größe ruft ein Kropf Symptome hervor. "Der Patient hat dann zum Beispiel Schluckbeschwerden, der Hemdkragen wird zu eng oder er bemerkt ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen", erklärt Kußmann. Geht die Struma mit einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse einher, können sich die dafür typischen Beschwerden einstellen. Diese können Sie hier nachlesen: Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenunterfunktion.

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Steht die Diagnose Kropf fest, muss er in der Regel behandelt werden.  Prinzipiell stehen drei Therapiemethoden zur Verfügung: die Einnahme  von Medikamenten, eine Behandlung mit radioaktivem Jod  (Radiojodtherapie) oder eine Operation an der Schilddrüse. Welches  Verfahren wann zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab –  unter anderem davon, ob gleichzeitig eine gestörte Schilddrüsenfunktion  besteht, wie groß der Kropf ist und ob Knoten vorliegen.

Doch soweit muss es nicht kommen. Wer genügend Jod mit der Nahrung zu  sich nimmt, kann damit einem Kropf und verschiedenen  Schilddrüsenproblemen vorbeugen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung  rät Gesunden, Jodsalz zu verwenden und ein- bis zweimal pro Woche  Seefisch zu essen. Schilddrüsenpatienten sollten ihren Jodbedarf mit dem  Arzt klären. Schwangere und Stillende, die einen erhöhten Bedarf haben,  sollten mit Ihrem Arzt über eine eventuell notwendige Nahrungsergänzung  sprechen.

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Der Experte

Unser Experte: Professor Jochen Kußmann, Chefarzt der Klinik für endokrine Chirurgie an der Schön Klinik Hamburg Eilbek

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