Die ständige Impfkommission empfahl die dritte Impfung allen immungesunden Menschen ab 18 Jahren zunächst sechs Monate nach der zweiten Impfung. In Einzelfällen oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden waren, konnte die Auffrischungsimpfung auch schon nach fünf Monaten erfolgen.

Wegen Omikron früherer Booster sinnvoll

Ab 21.12.2022 gilt: Wegen der Omikron-Variante ist eine Auffrischungsimpfung schon ab drei Monate nach der Grundimmunisierung gegen Covid-19 möglich und empfohlen. Denn: Der Schutz gegen die Omikron nimmt bereits drei bis vier Monate nach den ersten beiden Impfungen deutlich ab. Durch die Auffrischung soll er wieder erhöht werden. Die Stiko nimmt auch an, dass der Schutz vor schweren Verläufen durch eine Infektion mit der Omikron-Variante damit ebenfalls zunimmt.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA stellte schon vor kurzem fest, dass eine Auffrischungsimpfung bereits nach drei Monaten nach den derzeit verfügbaren Daten sicher und wirksam möglich wäre, wenn das „unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Gesundheit wünschenswert ist“.

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Fragen und Antworten zur Auffrischungsimpfung

Die Ständige Impfkomission empfiehlt eine Auffrischung der Impfung gegen Covid-19 jetzt für alle Erwachsenen. Wer wann dran ist und was für bestimmte Personengruppen gilt

Das Bundesland Nordrheinwestfalen wollte Auffrischungsimpfungen zwischenzeitlich bereits nach vier Wochen anbieten, ist aber nun zurückgerudert. Vier Wochen, drei Monate oder fünf bis sechs - da fragt sich so mancher: Was ist denn nun sinnvoll - und wieso?

So funktioniert die Antwort des Immunsystems

Zu unserem Immunsystem gehört eine angeborene Immunantwort und eine erworbene Immunantwort. Die Impfung trainiert die erworbene Immunantwort: Sie soll im Ernstfall, also bei Kontakt mit dem echten SARS-CoV-2-Virus, reagieren.

An der erworbenen Immunantwort sind unter anderem bestimmte weiße Blutkörperchen, die sogenannten B-Zellen und T-Zellen beteiligt.

  • B-Zellen können sich in Plasmazellen verwandeln und als solche bestimmte Abwehrstoffe, die Antikörper, produzieren. Diese Antikörper binden an das SARS-CoV-2-Virus und können es so blockieren, dass es nicht mehr in Körperzellen eindringt. Plasmazellen überleben nur kurze Zeit im Blut. Aber B-Zellen, die zu einem bestimmten Erreger oder Antigen passen, können auch zu B-Gedächtniszellen werden. Diese bleiben länger im Körper vorhanden und können bei einem erneuten Kontakt mit dem Keim schnell die Antikörperproduktion einleiten.
  • Zu den T-Zellen gehören T-Helferzellen und T-Killerzellen. Die T-Helferzellen steuern und dirigieren andere Immunzellen. T-Killerzellen zerstören Körperzellen, die etwa mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert sind. Auch bei den T-Zellen können sich T-Gedächtniszellen bilden. Sie reagieren dann bei einem erneuten Kontakt mit dem Keim viel schneller als beim ersten Kontakt, etwa durch die Impfung.

Antikörper-Spiegel im Blut sind also nicht allein aussagekräftig dafür, ob die Immunreaktion ausreichend ist. Denn auch die T-Zellen tragen ihren Teil zur Abwehr von Infektionen bei.

So wirken die Impfungen auf das Immunsystem

So wirken die Impfungen auf das Immunsystem

Besonderheiten bei Menschen mit Immunschwäche

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem funktioniert diese Reaktion auf die Impfung teilweise weniger gut oder sogar gar nicht. Deswegen empfiehlt die Stiko, dass Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem schon vier Wochen nach der zweiten Impfung eine dritte angeboten bekommen sollen.
„Das bezieht sich aber nur auf Menschen mit geschwächtem Immunsystem, die auf die ersten beiden Impfungen nicht oder kaum reagiert haben“, erklärte Professor Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. „Mit der dritten Impfung wird deren Immunität nicht geboostert - ich muss sie erst einmal herstellen.“ Also: Bei stark immungeschwächten Personen ist die dritte Impfung quasi Teil der Grundimmunisierung.

Die meisten Menschen haben aber ein intaktes Immunsystem. Bei ihnen ist die dritte Impfung tatsächlich eine Auffrischungsimpfung, hier „möchte ich mit der dritten Impfung eine Verstärkung der Immunität erreichen“, sagt Watzl. „Dafür müssen bestimmte Prozesse erst abgeschlossen sein.“

 Nach vier Wochen noch zu früh für den Booster

Die Auffrischungsimpfung soll unter anderem die Antikörperspiegel im Blut wieder erhöhen. Selbst wenn die Antikörper schon einige Monate nach der zweiten Impfung schon wieder weniger werden, besteht nach Auffassung von Experten für die Delta-Variante von Sars-CoV-2 mindestens für die nächsten vier bis sechs Monate ein robuster Schutz vor schwerer Erkrankung und Hospitalisierung. Dafür sind auch die anderen Komponenten des Immunsystems mitverantwortlich. Bei Omikron scheint es anders auszusehen - daher die aktuelle Anpassung der Empfehlung auf einen Mindestabstand zwischen Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfung von drei Monaten.

Viel früher erscheint eine Auffrischung auch nicht sinnvoll: „Eine „Boosterimpfung“ wirkt nur dann wirklich verstärkend auf die angestrebte Schutzwirkung, wenn sie nicht in eine noch laufende Immunantwort hinein erfolgt.“, erklärt Professor Christian Bogdan, Mitglied der Stiko und Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen. „Bei einem Impfabstand zwischen der zweiten und dritten Impfung von nur vier Wochen ist diese Voraussetzung nicht erfüllt. Durch einen zu kurzen Impfabstand wird ein Großteil des möglichen Boostereffekts verschenkt“, so der Experte.