Eigentlich hatte FC-Bayern-Spieler Alphonso Davies Glück. Zwar infizierte sich der 21-Jährige Anfang Januar mit SARS-Cov-2, doch der Verlauf war milde – wie häufig bei jungen Menschen. Die böse Überraschung kam hinterher, als der Fußballprofi nach dem Abklingen der Symptome wieder voll ins Training einsteigen wollte: Bei einer Nachuntersuchung stellten die Ärzte eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) fest und verordneten zunächst eine vierwöchige Sportpause.

Der Fußballer ist kein Einzelfall, weiß Professor Martin Halle, Ärztlicher Direktor der Präventiven Sportmedizin und Sportkardiologie an der Technischen Universität München. Seit Beginn der Pandemie hat der Sportkardiologe Freizeit- und Leistungssportler begleitet, die an SARS-CoV-2 erkrankt waren: „Es kommen zahlreiche, eigentlich gesunde Aktive zu uns, die sagen: „Ich hatte Corona und komme seitdem nicht mehr auf die Beine.“

Schnelle Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Luftnot unter Belastung, Herzstolpern oder Herzrasen sind nur einige Symptome, die sein Team bei Sportreibenden nach einer Covid-19-Erkrankung festgestellt hat. „Bei der Untersuchung zeigen sich dann oft Veränderungen an Lunge oder Herz“, so Halle – etwa eine Herzmuskelentzündung, Herzrhythmusstörungen oder Gefäßverschlüsse. Um solche Veränderungen und negative Auswirkungen durch sie so gut es geht zu vermeiden, sollte man nach einer Infektion mit dem Coronavirus für eine gewisse Zeit auf Sport verzichten.

Entzündung der Gefäßinnenwand

Wie genau sich das Coronavirus beispielsweise auf das Herz auswirkt, ist noch Gegenstand der Forschung. „Covid-19 befällt nicht nur die Atemwege, sondern führt auch zu einer Entzündung der Blutgefäße, genauer: zu einer Endotheliitis, also einer Entzündung der Gefäßinnenwände“, erläutert Professorin Stefanie Dimmeler, Direktorin des Instituts für Kardiovaskuläre Regeneration im Zentrum für Molekulare Medizin an der Goethe-Universität Frankfurt. Das sogenannte Endothel ist die innerste Wandschicht in den Gefäßen und regelt verschiedene Prozesse in den kleinen Gefäßen.

Ist dieser Regelungsprozess gestört, kann dies zum Beispiel Durchblutungsstörungen verursachen, die Herzmuskelgewebe absterben lassen und Organe wie das Herz schädigen. Direkt in das Herzmuskelgewebe dringe das Corona-Virus dagegen nur selten ein, denn das Pumporgan ist in der Regel gut vor solchen Angriffen geschützt, so Stefanie Dimmeler, die auch Vorstandssprecherin des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung ist: „In den meisten Fällen löst also nicht das Virus selbst die Herzbeschwerden aus, sondern die durch das Virus verursachte Entzündungsreaktion.“

Impfungen verringern die Gefahr

40 von einer Million coronainfizierten Personen erkranken zusätzlich zu den statistisch sowieso in einer zufällig ausgewählten Personengruppe erwartbaren Myokarditis-Fälle an einer Herzmuskelentzündung. Das Risiko dafür besteht auch nach einer Impfung gegen Covid-19. Doch es liegt deutlich niedriger. Nach einer Million Impfungen kommt zu ein bis sechs zusätzlichen Fällen von Myokarditis. Es trifft überwiegend junge Männern nach der zweiten Impfung. „Der Nutzen der Impfung übersteigt das Risiko für eine Myokarditis um das Sechs- bis Zehnfache. Die Impfung kann eine Covid-19-Erkrankung verhindern und mindert damit auch die Gefahr, Herzschäden zu erleiden“, resümiert Dimmeler die Ergebnisse. Die Myokarditis heilt in den meisten Fällen folgenlos aus, wie auch die Gefäßentzündung bei vielen Corona-Infizierten.

Der Heilungsprozess bei der Gefäßentzündung dauert allerdings länger als die eigentliche Viruserkrankung. Covid-19-Erkrankte gelten als genesen, wenn die Symptome abgeklungen sind und der PCR- oder Antigen-Schnelltest negativ ausfällt. „Aber erst 14 Tage nach Ende der Corona-Erkrankung können Genesene mit einem leichten Verlauf davon ausgehen, dass auch die Endotheliitis ausgeheilt ist. Traten dagegen Symptome auf, dauert der Heilungsprozess meist länger – vor allem bei Patientinnen und Patienten, deren Endothel schon durch Bluthochdruck, Diabetes, Herzschwäche oder die koronare Herzkrankheit vorgeschädigt ist“, sagt Sportkardiologe Halle.

Mindestens zwei Wochen auf anstrengendes Training verzichten

Oft merken Genesene nichts von der noch schwelenden Entzündung. Sie fühlen sich gesund, wollen endlich wieder intensiv Sport treiben. Martin Halle rät davon ab: „Solange die Endothelliitis noch nicht ausgeheilt ist, sollte man Anstrengung vermeiden.“ Körperliche Aktivität bei niedriger Belastungsintensität sei zwar ungefährlich - so das Herz nicht beteiligt ist. Aber jedes Training, bei dem man sich nicht mehr locker unterhalten kann oder schwitzt, belaste den noch kranken Organismus. „Dem Körper können dann die Ressourcen fehlen, um die Entzündung ausheilen zu lassen“, sagt Halle.

Um Komplikationen wie Herzmuskelentzündung, Herzrhythmusstörungen oder Gefäßverschlüsse zu vermeiden, empfiehlt Halle, nach einem symptomfreien Verlauf und negativem Testergebnis für zwei weitere Wochen auf anstrengendes Training zu verzichten. Verlief die Erkrankung mit Krankheitsanzeichen wie Husten und Fieber, sollten Sportler erst zwei bis vier Wochen nach Abklingen der Symptome wieder einsteigen, bei Lungenentzündung nach einem Monat. „Bei einer Herzmuskelentzündung müssen sich Sportreibende mindestens drei Monate schonen. Eine Kardiologin oder ein Kardiologe sollte den Verlauf kontrollieren“, so der Experte.

Sportmedizinische Untersuchung ist oft sinnvoll

Wer nach der Schonphase und einem langsamen Wiedereinstieg trotzdem unerklärliche Müdigkeit, Herzstolpern, Schwindel oder Druck auf der Brust verspürt, sollte ebenfalls den Hausarzt und dann gegebenenfalls einen entsprechenden Spezialisten aufsuchen. Dieser prüft mittels EKG, Ultraschall, Blutuntersuchung und Lungenfunktionsmessung, ob Herz und Lunge wieder belastbar sind oder noch geschützt werden müssen. „Bei Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck sowie bei Älteren empfiehlt sich ohnehin eine sportmedizinische Untersuchung, bevor sie wieder mit dem Training beginnen“, so Halle. Nach einer Corona-Erkrankung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen dafür in der Regel die Kosten. Erkundigen Sie sich aber vorab bei Ihrer Kasse unter welchen Bedingungen und was sie genau zahlt!

Auch Linksverteidiger Alphonso Davies werde sich einem Sporttauglichkeitstest unterziehen, wenn die Zwangspause vorbei ist, kündigte FC-Bayern-Trainer Julian Nagelsmann jüngst an: „Dann sehen wir, was die Bildgebung hergibt.“ Im Klartext: Die Untersuchungen werden zeigen, ob und wann eine Rückkehr auf den Rasen möglich ist.

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