Henning Baum ist „Der letzte Bulle“: „Ich wäre fast bei der Polizei gelandet“
Ein Millionenpublikum kennt Henning Baum in der Rolle als „Der letzte Bulle“ – dabei wäre er selbst fast Polizist geworden.
© cinematic photography by Christian Angerer
Schauspieler Henning Baum, 53, war bereits in zahlreichen TV- und Kinoproduktionen zu sehen, etwa in „Der letzte Bulle“ und „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Im Interview mit der Apotheken Umschau spricht er über seine Erfahrungen als Rettungssanitäter, wie er beinahe bei der Polizei gelandet wäre und schließlich doch zur Schauspielerei kam.
Herr Baum, laut einer Umfrage des Magazins Playboy sind Sie der männlichste Prominente Deutschlands …
Henning Baum: Ja, das habe ich mitbekommen. Sehr amüsant!
Wieso amüsant? Freuen Sie sich denn gar nicht darüber?
Baum: (lacht) Doch, na klar. Ich nehme das in Demut an und freue mich! Aber sagen wir mal so: Clint Eastwood und Chuck Norris waren nicht im Rennen, sonst hätte ich wahrscheinlich verloren.
Keine falsche Bescheidenheit, bitte! Ihre Muskeln können sich ja wirklich sehen lassen.
Baum: Also ich habe ja nicht mehr Muskeln als jeder andere Mensch auch. Da sind auch keine neuen dazugekommen. Die sind nur an der ein oder andere Stelle sichtbar. Und wenn man mich jetzt mit einem Bodybuilder vergleicht, bin ich sogar relativ unauffällig. Es ist allerdings auch ein offenes Geheimnis, dass im Bodybuilding mit weniger natürlichen Mitteln gearbeitet wird. Das ist aber nicht mein Weg.
Okay. Bitte verraten Sie uns: Was muss man tun, um so auszusehen wie Sie?
Baum: Ich will jetzt gar nicht den Eindruck erwecken, dass ich ein Rezept habe, das für alle passt. Aber man muss natürlich eine bestimmte Art des Trainings machen. Was ich versuche, ist, auf natürliche Weise gesund und stark zu bleiben. Da spielt auch die Ernährung mit rein: möglichst unverarbeitetes Essen, wenig Zucker. Das alles muss man wie Zähneputzen zur Routine machen.
Und wie muss man sich diese Routine bei Ihnen vorstellen?
Baum: Es beginnt schon damit, wenn ich morgens meinen Tee koche, der zieht genau vier Minuten. Da kann man sich wunderbar einen Timer stellen. In der Zeit mache ich schon mal die wichtigsten Übungen: zwei Minuten Bauch, zwei Minuten unterer Rücken. Wenn man das jeden Tag macht, hat man ein gesundes Grundgerüst.
Das erklärt jetzt aber nicht Ihre Statur.
Baum: Dazu kommt natürlich noch das Training: dreimal die Woche, ungefähr eine Stunde. Ich habe zu Hause ein Power-Rack, das ist im Grunde eine Ablage für eine Langhantel, an der man auch noch Klimmzüge machen kann. Wenn ich nicht zu Hause bin, gehen auch Freiübungen, Liegestütze zum Beispiel. Und an den Ruhetagen mache ich Gymnastik. Oder Schattenboxen.
Sylvester Stallone. Götz George. Sehr männliche Typen, die muskulös waren. Es war so ein Männlichkeitsideal, was für uns junge Burschen schon ansprechend war.
Waren Sie immer schon so ambitioniert?
Baum: Ich bin schon als kleiner Kerl gerne rumgeklettert. Die Spielplätze waren damals ja noch anspruchsvoller als heute. Und ich weiß noch, wie mich das immer gefuchst hat, wenn ich etwas nicht geschafft habe. Ich hatte ältere Freunde, die haben zu mir gesagt: „Wenn du Kraft haben willst, brauchst du Nüsse in den Armen. Hast du Nüsse oder hast du Pudding?“ Da habe ich angefangen zu trainieren.
Das ging schon als Kind bei Ihnen los?
Baum: Ja! Und dann kam ja die Zeit der Achtzigerjahre, wo Arnold Schwarzenegger populär wurde. Sylvester Stallone. Götz George. Sehr männliche Typen, die muskulös waren. Es war so ein Männlichkeitsideal, was für uns junge Burschen schon ansprechend war. Und irgendwann merkt man natürlich auch, dass man mit mehr Kraft nahezu jede Anforderung im Leben besser meistern kann.
Nämlich?
Baum: Das fängt ja schon damit an, wenn man einen Kasten Wasser kauft und den zum Auto tragen muss. Das geht alles besser, wenn man eine gesunde Grundmuskulatur hat. Gartenarbeit, Bergwandern: Quasi jede Sportart fällt einem leichter. Es gibt doch diesen alten Spruch: „Turne, turne bis zur Urne.“ Der gilt immer noch, auch wenn das heute oft vergessen wird. Krafttraining stärkt die Gesundheit insgesamt.
Und das motiviert Sie?
Baum: Natürlich. Wenn wir träge sind, zahlen wir irgendwann den Preis dafür. Wir sind ja keine Jäger und Sammler mehr. Wir laufen heute nicht mehr den ganzen Tag durch die Gegend oder müssen plötzlich einen Sprint machen, weil wir mit einem Speer ein Wildschwein erlegen oder so. Also müssen wir uns diese Art von Bewegung selbst auferlegen, sonst wird der Körper krank.
Das Thema Gesundheit scheint Ihnen ja sehr am Herzen zu liegen.
Baum: Ja, das fasziniert mich. Der Mensch ist ein Wunderwerk der Schöpfung. Ich habe nach dem Abitur tatsächlich überlegt, Medizin zu studieren. Mein Vater ist auch Arzt.
Und Sie selbst sind ausgebildeter Rettungssanitäter?
Baum: Richtig. Ich habe die Ausbildung damals im Rahmen des Zivildienstes gemacht und zwei Jahre in dem Job gearbeitet. 2023 habe ich dann auch noch mal eine Dokumentation über den Rettungsdienst gedreht. Da bin ich wieder auf einem Wagen mitgefahren und habe mich noch mal richtig in die Notfallmedizin reingearbeitet.
Wie haben Sie Ihre Zeit als Rettungssanitäter in Erinnerung?
Baum: Das ist ein spannender Beruf und da sind gute Leute. Es gibt halt immer dieses Überraschungsei. Man ist auf der Wache. Dann kommt der Alarm: hilflose Person. Man weiß aber nur bedingt, was jetzt ist. Vielleicht eine Überdosis Drogen. Vielleicht ein Herzstillstand. Ich hatte damals auch Leute, denen wurde der Schädel eingeschlagen.
Ich bin ja damals im Zivildienst nicht irgendwo in Schlumpfhausen eingesetzt gewesen, sondern am Brennpunkt, Hauptbahnhof Essen.
Klingt jetzt nicht nach einem Traumjob.
Baum: Mir liegt das ja: ruhig bleiben, die Nerven behalten. Das muss man vielleicht auch lernen. Aber ich bin von Natur aus jemand, der nicht einfach dasteht und abwartet. Ich gehe auf die Menschen zu, die in Not sind, und packe mit an. Das mag ich.
„Der letzte Bulle“ kehrt zurück: Acht neue Folgen mit Henning Baum laufen ab 31.10. bei Prime Video und ab 24.11. in Sat.1.
© Imago/Sebastian Konopka / WAZ FotoPool
Man hört immer wieder auch von Aggressionen gegenüber Rettungskräften. Haben Sie so etwas auch erlebt?
Baum: Ja, klar, volle Möhre. Ich bin ja damals im Zivildienst nicht irgendwo in Schlumpfhausen eingesetzt gewesen, sondern am Brennpunkt, Hauptbahnhof Essen. Da war damals eine große, offene Drogenszene. Ein kriminelles, dreckiges, gefährliches Umfeld. Aggressiv, bösartig. Nichts für schwache Nerven. Da musste man sehr aufpassen, da wurde man beschimpft. Aber ich konnte gut zurückschimpfen (lacht). Und ich war damals richtig gut trainiert!
Und das hat Eindruck gemacht?
Baum: Klar! Ich weiß noch, dass die Kollegen oft gesagt haben: „Baum, übernimm du das!“ Man musste sich in dem Job durchsetzen und Aggression auch zurückgeben können. Dazu war ich bereit.
Wieso sind Sie am Ende dann doch Schauspieler geworden?
Baum: Weil es immer meine innere Sehnsucht war, künstlerisch zu arbeiten. Zu diesem Weg habe ich mich entschlossen und bin den ja jetzt auch 30 Jahre gegangen. Wobei ich auch mal fast bei der Polizei gelandet wäre.
Im Ernst?
Baum: Ja! Während des Rettungsdienstes hatte ich ja auch oft mit Polizisten zu tun, und da gab es welche, die haben gesagt: „Du solltest zu uns kommen! Einen wie dich könnten wir bei uns gebrauchen.“ So ein Polizist braucht ja auch eine gewisse Robustheit.
Und dann?
Baum: Dann hatte ich ein sehr langes Bewerbungsgespräch. Das ging bestimmt zwei oder drei Stunden. Da habe ich gesagt: „Ich will ganz ehrlich zu euch sein. Ich habe den Wunsch und ich habe vor, die Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule zu machen.“
Wie war die Reaktion?
Baum: Der Polizist hat gesagt: „Machen Sie das! Ich drücke Ihnen die Daumen. Wenn Sie’s nicht bestehen, kommen Sie zu uns, zur Polizei. Und wenn Sie’s bestehen, werden Sie Schauspieler, und dann spielen Sie später einen Bullen.“ (lacht) Und genau so ist es gekommen!


