Thomas Raphael ist Referent beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik e.V. (VDE) und Wanderer. Wir haben ihn gefragt:

Herr Raphael, angenommen, es ist ein wolkenfreier Tag. Die Wetterapp verspricht bis zum Nachmittag kein Gewitter, kann ich unbesorgt los?

Vorsicht! Videos in Wetterapps zeigen die Zugbahnen von bereits existierenden Gewitterfronten recht anschaulich, so kann ich gut erkennen, ob und wann ein Unwetter naht. Aber neben diesen Gewitterfronten gibt es gerade im Sommer örtlich entstehende Gewitter. Die werden in der App manchmal nicht angezeigt.

Kann man das Entstehen solcher lokaler Gewitter erkennen?

Ich empfehle, unterwegs den Himmel im Blick zu behalten. Zu den Alarmsignalen, bei denen man eine Wanderung so rasch wie möglich abbrechen und Schutz suchen sollte, zählen: Sich auftürmende Wolken, die oben manchmal wie gegen eine unsichtbare Grenze stoßen. Dunkle Wolken, Wetterleuchten, einzelne Blitze, Donnergrummeln in der Ferne, aufkommender, starker Wind und Regen.

Bietet ein Unterstand, eine Hütte oder überdachte Bushaltestelle denn Schutz?

Den besten Schutz bieten Gebäude mit einer Blitzschutzanlage oder ein geschlossenes Auto. Es gibt auch Unterstände, die bereits mit einer Blitzschutzanlage ausgerüstet wurden. Auch Bushaltestellen mit Metallstützen und Metalldach bieten einen gewissen Schutz vor Blitzen.

Was hilft, das Risiko unterwegs vom Blitz getroffen zu werden, zu minimieren?

Exponierte Stellen, etwa Grate sowie Klettersteige, umgehend verlassen. Wir raten, wenn das möglich ist, die Nähe einer Felswand oder eines Metallmasts, etwa für Mobilfunk- oder Stromleitungen, aufsuchen. Dort ist die Wahrscheinlichkeit eines direkten Blitzeinschlages tatsächlich gering. Mindestens einen Meter Abstand halten, um einen Überschlag des Blitzes zu vermeiden und die Beine eng zusammenzustellen – das reduziert die Gefahr der Schrittspannung. Als Gruppe sollte jeder getrennt stehen. Wer sich setzen möchte: eine Isomatte oder ein Sitzkissen nutzen. Den Rat, in die Hocke zu gehen, geben wir heutzutage nicht mehr, weil er eine falsche Sicherheit vermittelt.

Das Gewitter geht los, man ist im Wald, was nun?

Anders als Metallmasten bieten Bäume keinen Schutz. Im Gegenteil: Wird ein Baum vom Blitz getroffen, explodiert häufig der Baum und Teile fliegen über größere Entfernungen. Im Wald besteht also wie im Freien Lebensgefahr bei Gewitter.

Sie sind häufig in den Salzburger Alpen unterwegs. Was beachten Sie bei Ihren Wanderungen?

Auch wenn es eine Binsenweisheit ist: Morgens so früh wie möglich los, sodass man am frühen Nachmittag wieder den Ausgangspunkt im Tal oder die nächste Hütte erreicht. Wenn wie derzeit viel Feuchtigkeit in der Atmosphäre vorhanden und somit die Gewittergefahr groß ist, sollte man seine Tourenplanung anpassen. Dann sind kürzere Touren klüger, bei denen man unterwegs zur Not sichere Unterstellmöglichkeiten, etwa einen Gasthof, hat. In vielen Wandergebieten lassen sich Etappen oder der Rückweg bei Bedarf auch mit dem Wanderbus zurücklegen. Zudem sollte man stets den Wetterbericht verfolgen oder Einheimische fragen, die kennen die Wetterentwicklung im Ort ganz gut. Man braucht nicht unbedingt eine App – es reicht schon, morgens im Radio den lokalen Wetterbericht zu hören.

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