Diabetes Ratgeber

Ein hoher Blutzuckerspiegel in der Schwangerschaft kann sich negativ auf die Schwangere und das ungeborene Kind auswirken und zu Komplikationen vor, während und nach der Geburt führen. Rechtzeitig erkannt, lässt sich Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) sehr gut therapieren. Meistens behebt bereits eine Ernährungsumstellung oder eine entsprechende Diät das Problem mit den Blutzuckerwerten. Lediglich in 20 bis 30 Prozent aller Fälle bleiben die Werte trotzdem so hoch, dass nur Insulinspritzen sie ausreichend senken, so die Zahlen aus der ärztlichen Leitlinie zur Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes. Bislang waren auch keine anderen Diabetesmedikamente in Tablettenform für schwangere Frauen offiziell zugelassen, weil die Sicherheit der Behandlung nicht vollständig geklärt und die Studienlage noch unzureichend war. Das hat sich nun geändert. Drei Metformin-Präparate haben kürzlich eine Zulassungserweiterung erhalten und dürfen nun auch Schwangeren verschrieben werden.

Kein erhöhtes Risiko für angeborene Fehlbildungen

Grundlage der Zulassung ist eine größere finnische Studie. Im Zeitraum zwischen 2004 und 2016 wurden Schwangerschaften beobachtet, bei denen die Mütter aufgrund von Typ-2-Diabetes oder Gestationsdiabetes mit Insulin (5273 Schwangerschaften), Metformin (3967 Schwangerschaften) oder einer Kombination aus beiden (889 Schwangerschaften) behandelt wurden. Die Frauen und Kinder wurden 11 Jahre nachbeobachtet. Es zeigte sich, dass die Behandlung mit Metformin in der Schwangerschaft kein erhöhtes Risiko für angeborene Fehlbildungen birgt. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch andere unabhängige wissenschaftliche Publikationen, die bei der Zulassung berücksichtigt wurden.

Typ2-Diabetikerinnen sollten bisher Metformin meist absetzen

Metformin gilt schon seit Längerem als Medikament der Wahl vor allem bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes, wenn sich die Blutzuckerwerte durch Ernährung und Bewegung nicht ausreichend bessern lassen. Für die Anwendung in der Schwangerschaft war das Arzneimittel aber bisher nicht zugelassen. Typ-2-Diabetikerinnen, die vor ihrer Schwangerschaft mit Metformin eingestellt waren, sollten daher eine Schwangerschaft planen und auf Insulin umgestellt werden. Nur selten wurde bisher bereits Metformin auch in der Schwangerschaft eingesetzt: „Nur in ausgewählten Fällen, insbesondere bei der Notwendigkeit der Gabe von hohen Insulindosen aufgrund einer ausgeprägten Insulinresistenz“, so Professor Dr. Michael Hummel, von der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Patientinnen mussten aber darauf hingewiesen werden, dass es sich um einen sogenannten „Off-Label-Use“ handelt, also dass noch keine Zulassung für Schwangere vorliegt. „Nun würde man natürlich die Metformin-Präparate vorziehen, für die die Zulassung besteht“, sagt Hummel.

Die Entscheidung wird weiterhin individuell getroffen

Auch wenn die Einnahme von Tabletten vermutlich vielen betroffenen Schwangeren angenehmer erscheint als Insulinspritzen: welche Behandlungsform im Einzelfall am sinnvollsten für Mutter und ungeborenes Kind ist, entscheidet immer die behandelnde Diabetologin oder der Diabetologe. Grundsätzlich gelte weiterhin Insulin als Therapie der Wahl, so Hummel: „Im Regelfall wird neben der Basisbehandlung mit Ernährung und Bewegung Insulin vorrangig als medikamentöse Therapie eingesetzt werden.“ Die ärztliche Leitlinie zur Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes wird derzeit aktualisiert, die bisher zurückhaltende Empfehlung zu Metformin in der Schwangerschaft wird dabei neu bewertet und eventuell angepasst.

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