Baby und Familie

Wie liebte ich als Neumama das Schmusen mit meinem Kind. Die Baby­haut war so kuschelzart! Umso irritierter war ich, als sich bei meinem Kind plötzlich Pickel und Pusteln bildeten. Heute weiß ich, diese sind völlig normal. Kinderdermatologe Dr. Marc Pleimes aus Heidelberg sagt: "In den ersten acht Lebenswochen gehören Haut­irri­ta­tionen zur normalen Entwicklung des Säuglings."

Eigentlich logisch, denn das Neugeborene wechselt vom Wasser an die Luft, das verlangt der Haut eine ­enorme Anpassungsleistung ab. Zudem ist es im Mamabauch weitgehend steril. Doch schon während der vaginalen Geburt treffen mütterliche Mikro­organismen auf das größte mensch­liche Sinnes­­organ. Sobald ein Kind auf der Welt ist, kommen zahlreiche Umwelteinflüsse hinzu. Nach und nach besiedeln unzählige Mikro­organismen wie Pilze und Bakterien die Haut. Während dieser Phase können Babys mit Rötungen, Pickeln oder Pusteln reagieren – insbeson­dere im Gesicht. "Die Pickel sind meist harmlos und bedürfen keiner Behandlung", klärt Pleimes auf. Verschwinden die Irritationen aber nicht nach wenigen Wochen oder sind sie sehr ausgeprägt, empfiehlt er einen Expertenblick.

Die Haut ist noch unreif

Baby- und Erwachsenenhaut sind im Grundaufbau gleich, die Unterschiede finden sich im Detail. So ist die Oberhaut ­eines Säuglings deutlich dünner, die Hornschicht darauf sogar um 30 Prozent. Zudem haben ­Babys weniger Lipide (Fette), die die Hornzellen zusammenhalten. Ihre Schweißdrüsen arbeiten noch auf Sparflamme. Das macht empfindlich: Bei manchen Babys genügt das Reiben des Bodys, damit sich die Haut rötet. Auch die Barrierefunktion ist noch nicht ausgereift. "Babys Haut speichert Feuchtigkeit deshalb schlechter", sagt der Kinderdermatologe. "Ihre Haut ist in den ersten zwei bis drei Lebensmonaten oft ­trocken." Trockene Stellen können ­jucken. Jetzt braucht es gute Pflege:

  • Säuglinge nicht zu warm baden, 
  • nur seifenfreie Waschlotion und Shampoo ohne Duftstoffe wählen,  
  • nach dem Baden mit einer duftstofffreien Creme eincremen.

Bilden sich an den trockenen Stellen intensiv rote, nässende oder schuppende Flecken, handelt es sich oft um Ekzeme. Meist treten sie im Gesicht, hinter den Ohren und am Hals, mitunter aber auch in anderen Bereichen auf. Diese Ekzeme können auf eine Neurodermitis hinweisen. Ein Kinderarzt oder -dermato­loge verschreibt dann eine Therapiecreme, ­etwa auf Kortisonbasis. Pleimes: "­Ekzeme lassen sich meist gut behandeln, und bei vielen Kindern verwachsen sie sich im Kindergarten­alter."
Eine Übersicht über die gängigsten Hautirritationen bei Babys:

Baby-Akne

Plötzlich sind da kleine, gelbe Pusteln im Gesicht, manchmal auch auf der Brust. Der Grund: In Mamas Bauch produzierte das Kind Talg für die sogenannte Käse­schmiere, eine körper­eigene Schutzcreme, die verhindert, dass das Fruchtwasser die Haut strapaziert. Nach der Geburt lässt der Talg­­überschuss Pickel sprießen, angeheizt auch von Mamas Hormonen, die noch kurze Zeit im Blut des Kindes zirkulieren.

Das sagt der Experte: "Abwarten. Baby-­Akne verschwindet von allein, nur sehr ausgeprägte Verläufe sollten behandelt werden. Hände weg von fettigen Cremes und Zinksalben, und bloß nicht aus­drücken. Das gilt auch für weißliche Talg­knötchen, zum Beispiel auf der Nase."

Hitzepickel

Überhitzt Babyhaut, etwa durch Fieber oder zu warme Kleidung, können sich auch Hitzebläschen bilden. Diese enthalten eine klare Flüssigkeit und können platzen.

Das sagt der Experte: "Linderung bringt eine nicht fettende Creme, wetterent­sprechende Kleidung ist Pflicht."

Windeldermatitis

Das feuchtwarme Milieu im Windelbereich und der Kontakt mit Kot und Urin sind für die Babyhaut eine He­rausforderung. Ist der Popo flächenhaft rot, entzündet oder nässt sogar: ab zum Arzt! Das gilt auch, wenn ­weiße Pusteln sprießen, die auf Windelsoor (Hautpilz) deuten und mit ­einer anti­­mykotischen Salbe behandelt werden.

Das sagt der Experte: "Bei wundem Po helfen Zinkpasten. Nach dem Stuhlgang unmittelbar mit Wasser und ­etwas Öl oder sensitiven Feuchttüchern reinigen. Häufig die Windel wechseln und so oft wie möglich windelfrei strampeln lassen."

Neugeborenen-Exanthem

Nur dem Namen nach einem Ekzem ähnlich. Bei einem Neugeborenen-­­Exanthem hingegen handelt es sich um einen harmlosen Hautausschlag, der  in den ersten zehn Lebenstagen oft auftritt. Er zeigt sich als rote Flecken mit kleinen, hellen Stellen in der Mitte, vermutlich ­eine Reaktion des nach der Geburt massiv geforderten Immun­systems.

Das sagt der Experte: "Ist das Exanthem nach wenigen Tagen nicht verschwunden, ­bitte zum Kinderarzt gehen."

Kopfgneis und Milchschorf

Bei gelblich-braunen Schuppen auf der Kopfhaut sprechen Mediziner von Kopfgneis, bei entzündeten, nässend-krus­tigen Stellen von Milchschorf, ­­einem Neurodermitis-Vorboten.

Das sagt der Experte: "Eltern nennen Schuppendes auf der Kopfhaut meist Milchschorf, sehr häufig hat ihr Baby aber Kopfgneis, der innerhalb weniger Monate von allein heilt. Juckt die Haut, hilft zum Beispiel ein medizi­nisches Shampoo. Bitte mit dem Kinderarzt absprechen. Echter Milchschorf muss behandelt werden. Den Unterschied er­kennen Hebammen und Kinder­ärzte."

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