Smartphones sind aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Auf dem Markt gibt es auch eine Vielzahl an Gesundheits- und Medizin-Apps (in der Fachsprache auch mHealth genannt). Das Angebot ist breit gefächert und reicht von Wellness-Apps oder Fitness-Helfern über komplexe Anwendungen zur Diagnose bis zu digitaler Unterstützung in der Nachsorge einer Erkrankung.

Laut Statista Global Consumer Survey nutzen bereits 21 Prozent der 18 bis 64-Jährigen regelmäßig Gesundheitsapps. Allerdings wollen die wenigsten Geld dafür ausgeben. Hier kommt das Digitale-Verordnung-Gesetz (DVG) sehr gelegen: Mit dem Inkrafttreten des (DVG) zum 19.12.2019 wurde das Fundament für eine "bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation" in Deutschland gelegt.

Unter anderem können Apps auf Rezept verordnet und Sprechstunden per  Video abgehalten werden. Damit ist Deutschland weltweit der erste Staat,  welcher Apps als reguläre Leistung der Krankenkasse einführt.  Verschrieben werden können nur Apps, die als sogenannte digitale  Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen sind.

Digitale Hilfe für Menschen mit Krebs

Chronisch  Kranke zählen zur wichtigsten Zielgruppe für mHealth-Anwendungen und  können am stärksten davon profitieren. Zum Beispiel Menschen mit  Brustkrebs. Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen mit fast 30 Prozent aller Krebsneuerkrankungen in Deutschland.

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, ihr Anteil ist mit  0,3 Prozent aber  sehr gering. Besonders häufig betroffen sind Frauen ab  dem 50.  Lebensjahr. Die höchste Erkrankungsrate liegt bei 65 bis 69  Jahren, ab  dem Alter von 70 Jahren sinkt das Brustkrebsrisiko wieder  leicht. Doch  auch jüngere Frauen können erkranken.

Entscheidungshilfen für die Wahl der richtigen App

Doch  wie können Patient:innen und auch Ärzt:innen erkennen, ob eine  App  qualitativ hochwertig ist oder sogar als DiGA zugelassen ist? 

Ein   Blick ins DiGA-Verzeichnis zeigt:  Bisher  sind nur zwei Apps für Menschen mit Krebs als App auf Rezept  verfügbar. Schwierig ist die Beurteilung der Qualität von Apps.  Hier fehlt es  bisher an Transparenz und Orientierung. Es ist oft nur  möglich, sich in  den App-Stores oder auf den Anbieter-Webseiten zu  informieren.

So  bleibt vielfach unklar, welchen Qualitätskriterien eine App genügt; ob  sie zum Beispiel zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse I oder IIa  sind, und damit höhere Anforderungen erfüllen muss als eine   Lifestyleapp  oder ein Wellnessprodukt.

Eine Initiative, die hier Orientierung geben möchte, ist die Weisse Liste der Bertelsmann-Stiftung. Die Bertelsmann-Stiftung will Standards für die Beurteilung der Qualität von medizinischen Apps entwickeln und darüber hinaus Informationen für die verschiedenen Zielgruppen anzubieten.

Die aktuelle Beta-Version der Weissen Liste basiert  auf freiwilligen   Selbstauskünften von Herstellern, wobei zur  Orientierung der   Nutzer:innen die Erfüllung der sogenannten  "AppQ-Kriterien", die   neun Themenbereiche umfassen, bewertet wird.  Zukünftig sollen   Gesamtbewertungen von Apps erfolgen und das Siegel  "Trusted Health App" vergeben werden, sodass für Patient:innen sofort  ersichtlich ist, welche App qualitative Standards erfüllt. Zusätzlich  sollen weitere Angebote auch speziell für Ärzt:innen folgen.

Therapiebegleitende Apps bei Brustkrebs

Betrachtet  man das App-Angebot speziell für Krebspatient:innen in   den App-Stores  auf dem deutschen Markt, gibt es bei über 40 verfügbaren   Apps stand  heute (Juli 2021) nur zwei, die bereits zertifiziertes   Medizinprodukt  sind: Cankado und Mika. Beide Apps wurden kürzlich in   das Verzeichnis  für digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen und können demnach auf  ärztliches Rezept verordnet werden.

Während Cankado für die Anwendung  bei Brustkrebs verschrieben werden kann, ist Mika  für alle Krebsarten  zugelassen.

Cankado: Tagebuch-App für Brustkrebspatient:innen

Die Cankado-App ermöglicht es Krebspatient:innen, täglich Symptome, Schmerzstatus sowie  Medikamenteneinnahme zu dokumentieren und sich diese Informationen  anschließend im Tagebuch als Monats- oder Jahresverlauf anzeigen zu  lassen. Diese dokumentierten Daten können bei Bedarf von Ärzt:innen eingesehen werden. Weiterhin kann die App Patient:innen an die Medikamenteneinnahme erinnern und erlaubt es, medizinische Dokumente  hochzuladen.

Um allerdings individuelle Empfehlungen auf Basis  von Fragebögen     nach dem Prinzip der Patient Reported Outcomes (durch die  Patient:innen dokumentierte Therapieerfolge) zu erhalten, ist die   kostenpflichtige Vollversion notwendig. In den App-Stores erhalten  die  Nutzer:innen  die   kostenlose Basisversion, welche durch die  Eingabe eines  vom Arzt  oder   der Ärztin erhaltenen Lizenzschlüssels  erweitert werden  kann.

Mika: Die App als interaktive Therapieassistentin

Die zweite App für Krebspatient:innen nennt sich Mika und ist eine interaktive Therapieassistentin. Hier erhalten Krebspatient:innen individuell auf die persönliche Erkrankung zugeschnittene Informationen zum Selbstmanagement. Auch in der Mika-App werden Symptome und Befinden täglich mithilfe eines einfachen Check-ups   dokumentiert und über einen Monats- oder Jahresverlauf angezeigt.

Zusätzlich  zu Informationen, Bewegungsübungen und praktischen Tipps für den Alltag  mit Krebs bietet Mika sogenannte Themenreisen an. Diese Themenreisen  wurden mit Psychoonkolog:innen entwickelt und sollen dem Krebspatient:innen helfen, mit den seelischen und   psychischen Folgen der   Krebserkrankung besser umzugehen. Die Mika-App ist in jeder Behandlungsphase einsetzbar und kann kostenlos in den App-Stores  heruntergeladen werden.

Fazit

Das Potenzial von mHealth  ist groß und auch Menschen mit Krebs können durch Apps wertvolle  Unterstützung erfahren. Aktuell ist es aufgrund der mangelnden  Transparenz sowohl für Laien als auch für Ärzt:innen oder  Therapeut:innen schwer, qualitativ hochwertige Apps als solche zu  erkennen. Eine Orientierungshilfe von Seiten  unabhängiger oder  staatlicher Institutionen wäre wichtig, um die  Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben.

Über die Autorinnen:

Dieser Gastbeitrag ist im Rahmen der Masterarbeit von Laura Teetz an der Universität Bamberg (Studiengang Master Betreibswirtschaftslehre) zum Thema "Potenziale von mHealth für die positive Beeinflussung der Adhärenz von Brustkrebspatienten/-innen" entstanden. Nach Abschluss der Masterarbeit absolvierte Laura Teetz ein Traineeprogramm im Pharmahandel. Aktuell vertritt sie als Gebietsleiterin eine Apothekenkooperation.

Betreut wurde die Masterarbeit von Prof. Dr. Stefanie Scholz. Sie ist Professorin für Sozialwirtschaft an der SRH Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Förderung von Patienten-Empowerment durch Patient Journey-orientierte Informationen sowie die Verbesserung intersektoraler Versorgungskonzepte

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