Tardive Hämangiome (Senile Hämangiome)

Am Oberkörper bilden sich winzige rote Flecken und Knötchen? Im Laufe der Jahre kommen ständig weitere hinzu? Das deutet auf tardive Hämangiome hin. Mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie
von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 17.10.2016

Zahlreiche tardive Hämangiome am Oberkörper, auch senile Hämangiome genannt

Your Photo Today/Phanie

Was sind tardive oder senile Hämangiome?

Ein tardives Hämangiom zeigt sich als hellroter, rubinroter Fleck oder als intensiv gerötetes, kirschrotes Knötchen. Daher spricht man auch von Rubinfleck oder Kirschangiom. Bevorzugt bilden sich diese Flecken oder Knötchen am Oberkörper.

Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen. Tardive Hämangiome verursachen weder Schmerzen noch Juckreiz und sind völlig ungefährlich.

Im Laufe der Lebensjahre entstehen immer mehr dieser Hautveränderungen: Bei den meisten älteren Menschen sind unzählige solcher Flecken und Knötchen sichtbar. Deshalb erhielten tardive Hämangiome weitere Krankheitsbezeichnungen: Sie heißen eruptive Hämangiome – vom lateinischen Wort eruptio "Ausbruch". Manchmal werden sie auch senile Hämangiome genannt – vom lateinischen Wort senilis "greisenhaft". Allerdings kommen die Knötchen auch schon im mittleren Erwachsenenalter vor. Der Begriff ist also ein wenig irreführend.

Ursache: Wie kommt es zu einem tardiven Hämangiom?

Unter einem Hämangiom versteht man allgemein einen gutartigen Tumor, der von den Blutgefäßen ausgeht. Bei einem tardiven "Hämangiom" handelt es sich jedoch gar nicht um einen echten Tumor mit Gewebsneubildung, sondern um eine Erweiterung bereits bestehender Blutgefäße. Daher ist die Bezeichnung "tardives Hämangiom" eigentlich nicht ganz zutreffend.

Ein tardives Hämangiom entsteht, wenn sich innerhalb eines umschriebenen Hautareals oberflächlich gelegene, kleine Blutgefäße erweitern. Begünstigt wird das vermutlich durch eine bestimmte erbliche (genetische) Veranlagung. Die Gefäßschlingen bilden typischerweise ein Knäuel und füllen sich prall mit Blut.

Symptome: Wie zeigt sich ein tardives Hämangiom?

Bei Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung entstehen ab dem mittleren Erwachsenenalter immer mehr tardive Hämangiome. Diese verteilen sich vor allem über den Oberkörper. Gelegentlich ist auch das Gesicht betroffen; dann finden sich die Flecken und Knötchen vor allem an der Nase und am Kinn.

  • Roter Fleck: In seinem Frühstadium zeigt sich ein tardives Hämangiom als Rubinfleck. Dabei handelt es sich um einen kleinen, scharf begrenzten, kräftig hellrot gefärbten Fleck. Der Durchmesser beträgt zwischen einem und vier Millimetern.
  • Knötchen: Wenn die Gefäßschlingen in der Haut sich noch stärker erweitern, beginnt die Veränderung das Hautniveau zu überragen, und es entsteht ein weiches, flaches Knötchen (Papel). Dieses ist zunächst intensiv hellrot und nimmt später einen kräftigen dunkelroten Farbton an.
  • Knoten: Die meisten tardiven Hämangiome wachsen bis zu einer Größe von etwa vier Millimetern an und bleiben anschließend unverändert bestehen. Nur selten vergrößert sich ein Knötchen weiter. Dann entsteht ein weicher, schwammartiger, flach erhabener Knoten mit einer pflastersteinartigen Oberflächenstruktur und einem Durchmesser von höchstens einem Zentimeter.

Tardive Hämangiome verursachen keine Beschwerden, können aber den Betroffenen ästhetisch stören.

Schwarze Verfärbung – was steckt dahinter? Gelegentlich führen tardive Hämangiome zur Besorgnis. Wenn ein Angiom mechanisch gereizt wird, können sich in den erweiterten Gefäßschlingen kleine Blutgerinnsel bilden und das Knötchen ganz oder teilweise schwarz verfärben. Der Hautarzt kann ein tardives Hämangiom mit relativ einfachen Methoden von der knotigen Form des schwarzen Hautkrebses (noduläres malignes Melanom) unterscheiden und damit den Betroffenen rasch von der Sorge befreien.

Frau Angela Unholzer

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie

W&B/Privat

Diagnose: Wie stellt der Hautarzt ein tardives Hämangiom fest?

Der Arzt untersucht die Haut mit dem bloßen Auge. Dabei fahndet er auch nach Angiom-Knötchen an anderen Stellen des Oberkörpers. Mit einem Glasspatel oder einem anderen durchsichtigen Gegenstand drückt er das Blut aus den Gefäßschlingen heraus. Solange er den Druck aufrechterhält, erscheint die Veränderung hautfarben. Anschließend füllen sich die Gefäßschlingen mit Blut und färben sich wieder rot. Bei den meisten Betroffenen kann der Arzt auf diese Weise die Diagnose stellen.

Im Zweifelsfall nimmt er das Auflichtmikroskop (Dermatoskop) zur Hilfe. Dabei handelt es sich um eine Lupe mit eingebauter Beleuchtung. Ein tardives Hämangiom stellt sich meist so typisch dar, dass diese Untersuchung endgültige Klarheit bringt.

In äußerst schwierigen Fällen, in denen eine andere Hauterkrankung nicht sicher ausgeschlossen werden kann, entnimmt der Arzt in örtlicher Betäubung eine Hautprobe (Biopsie) zur mikroskopischen Untersuchung.

Behandlung: Was hilft gegen ein tardives Hämangiom?

Da ein tardives Hämangiom völlig harmlos ist, muss es aus ärztlicher Sicht nicht zwingend behandelt werden. Falls die erweiterten Gefäßschlingen für den Betroffenen ein ästhetisches Problem darstellen, können sie mit Hilfe eines Lasers verödet werden. Besonders große Knoten kann der Arzt alternativ in örtlicher Betäubung herausschneiden.

Ganz wichtig: Rote Flecken und Knötchen an der Haut können zahlreiche Ursachen haben. Nicht immer handelt es sich um tardive Hämangiome. Veränderungen an der Haut deshalb grundsätzlich vom Arzt abklären lassen!

Quellen:
Altmeyer, P.: Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin. Springer, Berlin 2010
Kutzner, H.: Gefäßtumoren der Haut. In: Kerl, H., Garbe, C., Cerroni, L., Wolff H.H. (Hrsg.): Histopathologie der Haut. Springer, Berlin 2003
Stolz W., Braun-Falco, O., Bilek P., Burgdorf W., Landthaler M.: Farbatlas der Dermatoskopie. Blackwell, Berlin 2002
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2012


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Your Photo Today/Phanie, W&B/Privat

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