Kehlkopfspiegelung: Blick in den Rachen

Bei einer Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) beurteilt der Arzt Aufbau und Funktion des Kehlkopfes. Man unterscheidet die indirekte von der direkten Laryngoskopie

von Dr. med. Dagmar Schneck, aktualisiert am 10.04.2017

Sogenannte indirekte Kehlkopfspiegelung mit einem Lupenlaryngoskop


Was ist der Kehlkopf?

Der Kehlkopf gehört zu den Atemwegen. Er sitzt an der Stelle, wo sich Luft- und Speiseweg voneinander trennen. Beim Schluckakt verschließt er mit Hilfe des Kehldeckels die unteren Atemwege gegen den Rachenraum. Außerdem spielt er eine entscheidende Rolle bei der Stimmbildung.

Welche Gründe gibt es für eine Kehlkopfspiegelung?

Anlass für eine Kehlkopfspiegelung sind Beschwerden, die Hinweise auf eine Erkrankung oder Störung des Kehlkopfes vermuten lassen. Dazu gehören Heiserkeit, ein typisches pfeifendes Atemgeräusch, das Mediziner Stridor nennen, sowie ein hartnäckiger Reizhusten, Probleme beim Sprechen oder Beschwerden beim Schlucken, eventuell verbunden mit hartnäckigem Mundgeruch.

Auch innere oder äußere Verletzungen des Kehlkopfs sind ein Grund. Ursache für eine Verletzung kann beispielsweise eine Strangulation sein, also wenn jemand gewürgt wurde oder einen Schlag auf den Kehlkopf bekam. Bei inneren Verletzungen kann es sich zum Beispiel um die Inhalation von heißen Dämpfen handeln oder um das Verschlucken eines festen Gegenstandes, der im Kehlkopf hängen bleibt.

Bei Rauchern ist die Kehlkopfspiegelung besonders wichtig, insbesondere wenn langanhaltende Heiserkeit besteht, um Kehlkopfkrebs bereits im Frühstadium zu entdecken.

Wie unterscheiden sich direkte und indirekte Laryngoskopie?

Die direkte Laryngoskopie kann im Gegensatz zur indirekten nur in Narkose durchgeführt werden. Sie erfolgt mit einem Intubationsspatel oder einem röhrenförmigen Operationslaryngoskop.

Bei der indirekten Laryngoskopie beurteilt der Arzt am wachen Patienten mit Hilfe eines Spiegels, eines starren oder flexiblen Endoskops den Kehlkopf. Im Gegensatz zur direkten Laryngoskopie kann er bei der indirekten auch die Funktion der Stimmlippen beurteilen.

Abgesehen von der Benutzung eines Spiegels kann bei allen anderen Methoden der Befund auf einem Bildschirm dargestellt werden. Wird davon ein Film aufgezeichnet, sprechen Ärzte von einer Videolaryngoskopie. Um die exakte Schwingung der Stimmlippen darzustellen, setzt der Arzt die Stroboskopie ein: Im schnell flackernden Licht kann er einzelne Bewegungsabschnitte der Stimmlippen erkennen.

Was ist die einfachste Methode für eine Kehlkopfspiegelung?

Die einfachste und älteste Methode ist die Untersuchung mit einem Kehlkopfspiegel. Der Patient öffnet den Mund und streckt die Zunge vor. Der Arzt hält mit einer Hand vorsichtig die Zunge fest und zieht sie sanft mit Hilfe einer Kompresse nach außen. Danach schiebt er mit der anderen Hand einen kleinen runden Spiegel an Zunge und Gaumenzäpfchen vorbei in den Rachen und beleuchtet diesen mit einer Stirnlampe.

So sieht der Arzt zunächst den Kehldeckel, die sogenannte Epiglottis. Sagt der Patient "hi", stellt sich der Kehldeckel auf und gibt den Blick auf die Stimmlippen frei. Der Arzt kann das Spiegelbild des Kehlkopfeinganges mit den Stimmlippen betrachten und sowohl die Struktur als auch deren Bewegung beurteilen.

Wie funktionieren neuere Arten der Laryngoskopie?

Eine neuere Methode der indirekten Laryngoskopie ist die Lupenlaryngoskopie. Der Arzt verwendet ein starres Endoskop. Am Ende des Endoskops befindet sich ein Prisma, das die optische Achse um ca. 70 bis 90° umlenkt, so dass der Arzt quasi um die Kurve nach unten sehen kann. Mit diesem Verfahren ist die beste Ausleuchtung, Detailauflösung und Vergrößerung des Kehlkopfes möglich. Daher lassen sich damit Veränderungen an der Struktur der Stimmlippen oder der Kehlkopfumgebung besonders gut darstellen. Oft zeichnet man die Untersuchungsergebnisse mit Hilfe einer Kamera digital auf.

Beide Verfahren sind nicht schmerzhaft, erfordern aber eine gewisse Zusammenarbeit mit dem Patienten und eine ausreichend gute Mundöffnung. Ein starker Würgereiz kann die Untersuchung erschweren oder gar unmöglich machen.

Verschiedene Arten der Kehlkopfspiegelung

Kann der Arzt den Kehlkopf auch bei ausgeprägtem Würgereiz spiegeln?

Besteht bei einem Patienten ein extremer Würgereiz, oder sind Unterkiefer oder Zunge unbeweglich, gibt es die Möglichkeit, den Kehlkopf mit Hilfe eines flexiblen Endoskops zu beurteilen. Dieses Verfahren heißt flexible Laryngoskopie. Hier befindet sich die Optik an einem biegsamen Glasfaserkabel, das der Arzt über den unteren Nasengang einführt und durch den Nasenrachen bis in den Rachen vorschiebt.

Diese flexible Kehlkopf-und Rachenspiegelung bietet einen guten Überblick über den gesamten Schlund und den Kehlkopf. Auch den Schluckakt kann der Arzt mit dieser Methode sehr gut beurteilen. Seit einiger Zeit gibt es auch Endoskope, die eine Kamera an ihrer Spitze besitzen, genannt "Chip-on-the-tip", mit deren Hilfe das Bild des Kehlkopfes direkt auf einem Monitor dargestellt werden kann.

Beratender Experte: Professor Dr. Friedrich Bootz ist Hals-Nasen-Ohrenarzt. 1991 habilitierte er sich. Ab 1995 war er Universitätsprofessor und Klinikdirektor in Leipzig und anschließend ab 2002 an der Universität Bonn. Im Jahre 2007 war er Präsident und von 2009 bis 2012 war er Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. 2010 wurde ihm von der Universität Timisoara in Rumänien die Ehrendoktorwürde verliehen, seither hat er dort auch eine Gastprofessur inne.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.