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Intubation: Sicherung der Atemwege

Kann der Patient die Atmung nicht selbst aufrecht erhalten, sichert der Arzt per Intubation die Atemwege – entweder mit einem Tubus (Schlauch) oder einer Larynxmaske

von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 19.06.2020
Intubationsverfahren

Intubation und Beatmung übt das medizinische Personal an Simulator-Puppen


Was ist eine Intubation?

Eine Intubation hält die Atemwege offen, indem den Betroffenen über Mund oder Nase ein Schlauch eingeführt wird. Sie ist ein nicht mehr wegzudenkendes Hilfsmittel bei Notfällen und auf der Intensivstation. Auch bei Operationen oder diagnostischen Eingriffen setzt die Medizin die Intubation ein.

Schon im Jahre 1543 berichtete der flämische Anatom Vesalius das erste Mal von einer Intubation bei Tieren. Er erkannte bereits, dass diese Maßnahme lebensrettend sein kann. Seine Methode blieb jedoch lange unbeachtet. Erst 1869 nahm der deutsche Chirurg Friedrich Trendelenburg per Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) eine Intubation am Menschen vor. 1878 intubierte der schottische Arzt William Macewen dann erstmals einen Patienten über den Mund.

Wann ist eine Intubation nötig?

Der häufigste Grund für eine Intubation sind Operationen unter Narkose. Bei einer Vollnarkose ist das Bewusstsein des Menschen ausgeschaltet und die Funktion des Atemzentrums im Gehirn beeinträchtigt. Medikamente wie starke Schmerzmittel, die während einer Operation nötig werden können, dämpfen das Atemzentrum zusätzlich. Eine künstliche Beatmung ist auch deshalb meistens notwendig, weil Medikamente die Muskeln entspannen und damit die Atmung behindern.

Anders als bei einer Sauerstoff- oder Beatmungsmaske verhindert eine Intubation, dass Fremdstoffe aus dem Magen in die Luftwege gelangen und hier schwere Entzündungen auslösen. Vor allem der Rückfluss von Nahrungsresten und Verdauungssäften ist gefährlich. Desweiteren können über den Schlauch (Tubus) auch Medikamente und Narkosegase verabreicht werden.

Abgesehen von Operationen ist eine Intubation immer dann nötig, wenn die Atmung eines Patienten oder einer Patientin und damit die Sauerstoffversorgung des Körpers gestört ist und eine einfache Sauerstoffmaske nicht ausreicht. Zum Beispiel, wenn die Atemwege anschwellen oder verletzt sind oder es zu einer Blutung kommt. Auch wenn die Betroffenen zum Beispiel durch Schock, Vergiftungen oder im Koma das Bewusstsein verlieren, ist eine Intubation nötig.

Intubationsverfahren

Wie funktioniert eine Intubation?

Es gibt verschiedene Arten der Intubation. Die sicherste, aber auch aufwendigste ist die Intubation in die Luftröhre, auch endotracheale Intubation genannt. Sie wird normalerweise bei größeren Operationen durchgeführt. Bei Eingriffen in Körperhöhlen (Bauch, Brustkorb) sowie im Hals-Nasen-Ohren-Bereich ist fast immer die endotracheale Intubation nötig.

Endotracheale Intubation

Bei der endotrachealen Intubation wird ein dünner, biegsamer, in etwa 25 bis 30 Zentimeter langen Kunststoffschlauch (Endotrachealtubus) über den Kehlkopf in die Luftröhre eingeführt. Dies kann, je nach Eingriff, über den Mund oder die Nase erfolgen. Als Hilfsmittel dient ein Laryngoskop – ein Metallspatel samt Lampe – über den das Fachpersonal den Tubus führen und den Kehlkopf des Patienten oder der Patientin einsehen kann. Zunehmend kommt auch eine sogenante Videolaryngoskopie zum Einsatz. Hierbei ist der Spatel neben einer Lichtquelle auch mit einer Kamera ausgestattet, die mittels Videoübertragung den Eingang der Luftröhre (die Stimmritzen) auf einem Bildschirm darstellen kann. Die Vidoelaryngoskopie erleichtert damit das Einführen des Schlauchs insbesondere bei einer Intubation eines schwierigen Atemwegs (siehe unten) und erhöht die Sicherheit.

Sitzt der Tubus richtig, wird er mit Hilfe einer aufblasbaren Manschette (Cuff) "geblockt". Der Cuff verhindert, dass der Tubus in der Luftröhre verrutscht und dichtet den Eingang der Luftröhre ab. So kann die Luft nicht seitlich entweichen oder Fremdstoffe wie Mageninhalt in die Lunge gelangen. Am mundseitigen Ende des Tubus werden das Beatmungsgerät oder der Beatmungsbeutel angeschlossen.

Die Intubation erfolgt im Normalfall nach der Einleitung der Narkose, die Inturbierten bekommen also davon nichts mit.

Intubationsverfahren

Was ist eine Larynxmaske, Guedel-Tubus und Wendl-Tubus?

Larynxmaske

Wenn ein kurzer Eingriff bei einem nüchternen Menschen erfolgt, kann unter Umständen eine Larynxmaske benutzt werden. Dies ist ein Plastikschlauch mit einer weichen Maske an einem Ende, die direkt über den Kehlkopf (Larynx) gestülpt wird. Das Operationsteam führt sie wie den Tubus über den Mund ein, braucht dazu aber kein Laryngoskop. Eine Larynxmaske ist schonender, da sie nicht an den Stimmbändern vorbei muss. Allerdings ist sie auch weniger dicht und kann leichter verrutschen. Sie eignet sich daher weniger gut für längere Eingriffe oder Notfälle, in denen die Betroffenen nicht nüchtern sind.

Guedel-Tubus und Wendl-Tubus

Bei der Beatmung mit einem Maskenbeutel kann auch der Guedel-Tubus (Oropharyngealtubus) über den Mund eingeführt werden. Dieser Tubus ist kürzer und reicht bis zum unteren Rachen. Er hält die oberen Atemwege frei und verhindert, dass die Zunge auf die Rachenhinterwand zurücksinkt, was zu einer Behinderung der Atmung führen würde. Allerdings schützt er nicht davor, dass Mageninhalt in die Atemwege gelangt. Eine ähnliche Funktion hat der Wendl-Tubus (Nasopharyngealtubus), den man jedoch über die Nase einführt. Wenn er korrekt liegt, löst er einen geringeren Würgereiz aus als der Guedel-Tubus.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Die häufigsten Nebenwirkungen nach einer Intubation in die Luftröhre sind Halsschmerzen und eine heisere Stimme, da die Reibung des Schlauchs den Kehlkopf und die Stimmbänder reizen kann. Meist verschwinden diese Symptome nach einigen Tagen, selten werden die Stimmbänder verletzt. Manchmal können, besonders bei schwierigen Intubationen, Zähne beschädigt oder herausgebrochen werden. Dies geschieht vor allem bei vorgeschädigten Zähnen. Daher sollte der Zustand des Gebisses vor einer Narkose begutachtet werden.

Unbedingt nüchtern

Die am meisten gefürchtete Komplikation einer Intubation ist die sogenannte Aspiration. Darunter versteht man das Eindringen von Magensaft, Nahrungsresten oder sonstigen Flüssigkeiten in die Atemwege. Wurde kurz vor der Intubation etwas gegessen oder getrunken, können während der Intubation saurer Nahrungsbrei und Säfte aus dem Magen in die Luftröhre und die Lunge eindringen und dort starke Entzündungsreaktionen bis hin zu einer Lungenentzündung hervorrufen.

Im Vorgespräch sollten Sie daher genauestens darüber informiert werden, wie lange sie vor dem Eingriff nüchtern sein müssen und was sie zu sich nehmen dürfen.

Sind Patient oder Patientin nicht nüchtern, werden Operationen, die nicht dringend sind, meist verschoben. Wenn ein Notfall vorliegt, gibt es verschiedene Techniken wie die sogenannte Blitzeinleitung, die das Risiko einer Aspiration verringern.

Was ist eine schwierige Intubation?

Bei manchen Menschen ist aufgrund des Körperbaus oder von Vorerkrankungen eine Intubation schwierig. Ist dies bereits von früheren Eingriffen bekannt, erhalten sie einen Ausweis "Schwierige Intubation". Diesen sollten Sie beim Vorgespräch unbedingt vorlegen.

Unsere beratende Expertin:

Dr. med. Julia Sadgorski ist Fachärztin für Anästhesie und arbeitet als Oberärztin am Rotkreuzklinikum München.

Quellen:

  • Stiebel, HW, Die Anästhesie: Band I und II, Schattauer, Stuttgart, 3. Auflage, 2010
  • Bause H, Kochs E, Scholz, J, Duale Reihe: Anästhesie: Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie, Thieme, Stuttgart, 4. Auflage, 2011
  • Schäfer R, Söding P, Klinikleitfaden Anästhesie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, München, 6. Auflage, 2010

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Besuch in der ärztlichen Praxis nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Fachleute ist leider nicht möglich.