Intubation: Sicherung der Atemwege

Kann der Patient die Atmung nicht selbst aufrecht erhalten, sichert der Arzt per Intubation die Atemwege – entweder mit einem Tubus (Schlauch) oder einer Larynxmaske
von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 25.07.2016

Intubation und Beatmung übt das medizinische Personal an Simulator-Puppen

A1PIX/Your Photo Today/BSIP

Eine Intubation hält die Atemwege offen, indem der Arzt über Mund oder Nase einen Schlauch einführt. Sie ist ein nicht mehr wegzudenkendes Hilfsmittel bei Notfällen und auf der Intensivstation. Auch bei Operationen oder diagnostischen Eingriffen setzen Mediziner die Intubation ein.

Schon im Jahre 1543 berichtete der flämische Anatom Vesalius das erste Mal von einer Intubation bei Tieren. Er erkannte bereits, dass diese Maßnahme lebensrettend sein kann. Seine Methode blieb jedoch lange unbeachtet. Erst 1869 nahm der deutsche Chirurg Friedrich Trendelenburg per Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) eine Intubation am Menschen vor. 1878 intubierte der schottische Arzt William Macewen dann erstmals einen Patienten über den Mund.

Wann ist eine Intubation nötig?

Der häufigste Grund für eine Intubation sind Operationen unter Narkose. Bei einer Vollnarkose ist das Bewusstsein des Menschen ausgeschaltet und die Funktion des Atemzentrums im Gehirn beeinträchtigt. Während einer Operation nötige Medikamente wie starke Schmerzmittel dämpfen das Atemzentrum zusätzlich. Eine künstliche Beatmung ist auch deshalb meistens notwendig, weil Medikamente die Muskeln entspannen und damit die Atmung lahm legen. Anders als bei einer Sauerstoff- oder Beatmungsmaske verhindert eine Intubation, dass Fremdstoffe aus dem Magen in die Luftwege gelangen und hier schwere Entzündungen auslösen. Vor allem der Rückfluss von Nahrungsresten und Verdauungssäften ist gefährlich. Desweiteren können über den Schlauch (Tubus) auch Medikamente und Narkosegase verabreicht werden.

Abgesehen von Operationen ist eine Intubation immer dann nötig, wenn die Atmung eines Patienten und damit die Sauerstoffversorgung des Körpers gestört ist und eine einfache Sauerstoffmaske nicht ausreicht. Gründe können zum Beispiel eine Anschwellung, Verletzung oder Blutung der Atemwege sein. Auch bei einer Bewusstlosigkeit zum Beispiel durch Schock, Vergiftungen oder im Koma ist eine Intubation nötig.

Wie funktioniert eine Intubation?

Es gibt verschiedene Arten der Intubation. Die sicherste, aber auch aufwendigste ist die Intubation in die Luftröhre, von Medizinern endotracheale Intubation genannt. Sie wird normalerweise bei größeren Operationen durchgeführt. Bei Eingriffen in Körperhöhlen (Bauch, Brustkorb) sowie im Hals-Nasen-Ohren-Bereich ist fast immer die endotracheale Intubation nötig.

Bei der endotrachealen Intubation führt der Narkosearzt (Anästhesist) einen dünnen, biegsamen, in etwa 25 bis 30 Zentimeter langen Kunststoffschlauch, den Endotrachealtubus, über den Kehlkopf in die Luftröhre des Patienten ein. Dies kann, je nach Eingriff, über den Mund oder die Nase erfolgen. Als Hilfsmittel benutzt der Arzt hierzu ein Laryngoskop – einen Metallspatel samt Lampe – über den er den Tubus führen und den Kehlkopf des Patienten einsehen kann. Sitzt der Tubus richtig, wird er mit Hilfe einer aufblasbaren Manschette (Cuff) "geblockt". Der Cuff verhindert das Verrutschen des Tubus in der Luftröhre und dichtet sie ab, damit die Luft nicht seitlich entweichen kann oder Fremdstoffe wie Mageninhalte in die Lunge gelangen können. Am mundseitigen Ende des Tubus werden das Beatmungsgerät oder der Beatmungsbeutel angeschlossen.

Die Intubation erfolgt im Normalfall nach der Einleitung der Narkose, der Patient bekommt also davon nichts mit.

Intubation mit einer Larynxmaske (lila)

W&B/Jörg Neisel

Larynxmaske und Larynxtubus

Wenn ein kurzer Eingriff am nüchternen Patienten erfolgt, kann unter Umständen eine Larynxmaske benutzt werden. Dies ist ein Plastikschlauch mit einer weichen Maske an einem Ende, die direkt über den Kehlkopf (Larynx) gestülpt wird. Der Nakosearzt führt sie wie den Tubus über den Mund ein, braucht dazu aber kein Laryngoskop. Eine Larynxmaske ist schonender für den Patienten, da sie nicht an den Stimmbändern vorbei muss. Allerdings ist sie auch weniger dicht und kann leichter verrutschen. Sie eignet sich daher weniger gut für längere Eingriffe oder Notfälle, in denen der Patient nicht nüchtern ist.

Der sogenannte Larynxtubus wird vor allem in der Rettungsmedizin und im Notfall verwendet, wenn eine Intubation in die Luftröhre nicht möglich ist. Der Larynxtubus wird wie die Larynxmaske ohne Spatel, also blind, durch den Mund eingeführt. Er ist so gebogen, dass sein Ende üblicherweise in der Speiseröhre landet. Der Larynxtubus besitzt zwei Manschetten, wobei die eine am unteren Ende des Tubus die Speiseröhre abdichtet, die andere etwas höhere den Rachen. Die Öffnung des Larynxtubus befindet sich zwischen den beiden Manschetten und liegt auf Höhe des Kehlkopfs, wenn er richtig positioniert ist. Dann strömt die Luft in die Lunge, weil die anderen Wege abgedichtet sind.

Beide Intubationstechniken werden am bewusstlosen Patienten oder in Narkose durchgeführt.

Guedel-Tubus und Wendl-Tubus

Bei der Beatmung mit einem Maskenbeutel kann auch der Guedel-Tubus (Oropharyngealtubus) über den Mund eingeführt werden. Dieser Tubus ist kürzer und reicht bis zum unteren Rachen. Er hält die oberen Atemwege frei und verhindert ein Zurücksinken der Zunge auf die Rachenhinterwand. Allerdings bietet er keinen Schutz davor, dass Mageninhalt in die Atemwege gelangt. Eine ähnliche Funktion hat der Wendl-Tubus (Nasopharyngealtubus), den man jedoch über die Nase einführt. Wenn er korrekt liegt, löst er einen geringeren Würgereiz aus als der Guedel-Tubus.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Die häufigsten Nebenwirkungen nach einer Intubation in die Luftröhre sind Halsschmerzen und eine heisere Stimme, weil die Reibung des Schlauchs den Kehlkopf und die Stimmbänder reizen kann. Meist verschwinden diese Symptome nach einigen Tagen, selten werden die Stimmbänder verletzt. Manchmal können, besonders bei schwierigen Intubationen, Zähne beschädigt oder herausgebrochen werden. Dies geschieht vor allem bei vorgeschädigten Zähnen. Daher begutachtet der Anästhesist vor Narkosen den Zustand des Gebisses.

Die endotracheale Intubation kann die Stimmbänder reizen

W&B/Jörg Neisel

Ist ein Patient nicht nüchtern, werden Operationen, die nicht dringend sind, meist verschoben. Wenn ein Notfall vorliegt, gibt es verschiedene Techniken wie die sogenannte Blitzeinleitung, die das Risiko einer Aspiration verringern.

Unbedingt nüchtern

Die am meisten gefürchtete Komplikation einer Intubation ist die sogenannte Aspiration. Darunter versteht man das Eindringen von Magensaft, Nahrungsresten oder sonstigen Flüssigkeiten in die Atemwege. Ist ein Patient nicht nüchtern, können während der Intubation saurer Nahrungsbrei und Säfte aus dem Magen in die Luftröhre und die Lunge eindringen und dort starke Entzündungsreaktionen bis hin zu einer Lungenentzündung hervorrufen.

Der Anästhesist informiert daher im Vorgespräch die Patienten genauestens darüber, wie lange vor dem Eingriff sie nüchtern sein müssen und was sie zu sich nehmen dürfen.

Was ist eine schwierige Intubation?

Bei manchen Patienten ist auf Grund des Körperbaus oder von Vorerkrankungen eine Intubation schwierig. Ist dies bereits von früheren Eingriffen bekannt, erhalten sie einen Ausweis "Schwierige Intubation". Diesen sollten sie dem Anästhesisten beim Vorgespräch unbedingt vorlegen.

Beratende Expertin: Dr. med. Julia Sadgorski, Fachärztin für Anästhesiologie, Rotkreuzklinikum München

Quellen:
1. Stiebel, HW, Die Anästhesie: Band I und II, Schattauer, Stuttgart, 3. Auflage, 2010
2. Bause H, Kochs E, Scholz, J, Duale Reihe: Anästhesie: Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie, Thieme, Stuttgart, 4. Auflage, 2011
3. Schäfer R, Söding P, Klinikleitfaden Anästhesie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, München, 6. Auflage, 2010
4. Difficult Airway Society. Guidelines: Strategy for intubation by­ direct laryngoscopy, no predicted­ airway problem, no risk of regurgitation. Online: www.das.uk.com/guidelines/ddl.html (abgerufen am 05.02.2014)
5. Universitätsklinikum Freiburg. Anästhesiologische Universitätsklinik. Patienteninfo Anästhesie. Online: www.uniklinik-freiburg.de/anaesthesie/live/patienteninfo/allgemeinanaesthesie.html (abgerufen am 06.02.2014)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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