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Hörgeräte: Modelle für jeden Geschmack

Über 15 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Schwerhörigkeit. Hörgeräte in vielen Varianten können das Hörvermögen und damit die Lebensqualität verbessern

von Dr. med. Johannes Rückher, aktualisiert am 04.04.2017
Seniorin sucht sich ein Hörgerät aus

Bei Hörgeräten ist die Auswahl groß


Welche Arten von Schwerhörigkeit gibt es?

Normalerweise gelangen Schallwellen über den äußeren Gehörgang zum Trommelfell und bringen es zum Schwingen. Diese Schwingung bewegt die Gehörknöchelchen im Mittelohr. Im Innenohr entsteht daraus dann in einem komplexen Prozess ein Höreindruck. Meist hat die Schwerhörigkeit ihre Ursache im Innenohr, und es handelt sich um eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Die häufigste Störung der Schallempfindung ist die Altersschwerhörigkeit, von Medizinern Presbyakusis genannt.

Manchmal ist ein Hörgerät aber auch notwendig, weil die Schallübertragung über Ohrmuschel, Trommelfell und/oder Gehörknöchelchen nicht richtig funktioniert. Dann handelt es sich um eine Schallleitungsschwerhörigkeit. Das ist beispielsweise bei angeborenen Ohrfehlbildungen, ständiger Ohrsekretion und chronischen Ohrentzündungen der Fall.

Während Erwachsene die Schwerhörigkeit vor allem als störend empfinden, kann sie bei Kindern die Entwicklung beeinträchtigen. Sie brauchen deshalb oft von Spezialisten (Pädakustikern mit Sonderausbildung) angepasste und betreute Hörsysteme, um sprechen zu lernen und sich in ihrer Umwelt zurecht zu finden.

Hörgeräte helfen bei mittleren bis starken Hörverlusten im Bereich von 30 bis 90 Dezibel. Bei noch schlechterem Hörvermögen nützt häufig ein sogenanntes Cochlea-Implantat mehr, das den Hörnerv direkt stimuliert.

Wie funktionieren Hörgeräte?

Heutzutage kommen praktisch nur noch digitale Hörgeräte zum Einsatz. Sie nehmen Schallwellen über ein Mikrofon auf und übersetzen es in ein digitales Signal. Ein Prozessor verarbeitet und verstärkt dieses Signal, um es schließlich erneut in Schallwellen zu übersetzen, die dann dem Träger den Höreindruck vermitteln.

Hörgerät

Hörgeräte bei Schallempfindungsstörung

Die meisten Menschen mit Schallempfindungsschwerhörigkeit tragen ein so genanntes Luftleitungshörgerät. Es leitet das verarbeitete und verstärkte Schallsignal in den Gehörgang. Trommelfell und Gehörknöchelchen müssen also dafür richtig funktionieren.
Es gibt mehrere Varianten von Luftleitungshörgeräten: Bei den Hinter-dem-Ohr-Geräten (HdO) befinden sich Mikrofon, Prozessor und Batterie in einem Bauteil, das hinter der Ohrmuschel liegt. Entweder leitet von dort ein dünner Plastikschlauch mit Silikonstöpseln die verstärkten Schallwellen in den Gehörgang. Oder ein haarfeines Kabel überträgt das empfangene Signal zu einem sogenannten "externen Hörer", auf Englisch Receiver In Canal (RIC), der im Gehörgang in der Nähe des Trommelfells sitzt und die verstärkten Schallwellen produziert. Durch eine ausgereifte Technik können Rückkopplungen weitestgehend digital vermieden werden.

Nur bei sehr hohen Verstärkungen wird ein individuell angepasstes Ohrpassstück benötigt. Das ist eine sogenannte Otoplastik, die den Gehörgang verschließt. Diesen Verschluss des Gehörgangs empfinden viele als unangenehm, weil sie durch den Okklusionseffekt die eigene Stimme und Körpergeräusche lauter und verändert hören. Hier kann eine kleine Belüftungsbohrung durch das Ohrpassstück helfen.
Bei den Im-Ohr-Geräten (IO) und den Completely-in-the-canal-Geräten (CIC, zu deutsch: vollständig im Gehörgang) sitzt das gesamte Hörgerät in der Ohrmuschel bzw. im Gehörgang. Damit sind diese Hörgeräte leichter und unauffälliger. Allerdings kann bei ihnen bei unzureichender Möglichkeit der Belüftung ein Okklusionseffekt auftreten. Bei Kindern kommen die IO- und CIC-Hörgeräte nicht in Frage, weil Ohr und Gehörgang zu klein sind und noch wachsen.

Hörgeräte bei Schalleitungsstörung

Patienten mit einer nicht therapierbaren Schallleitungsschwerhörigkeit benötigen häufig Knochenleitungs- bzw. knochenverankerte Hörgeräte. Knochenleitungshörgeräte verarbeiten das Schallsignal wie andere Hörgeräte auch. Über einen Knochenhörer werden diese dann aber hinter dem Ohr auf die Haut über dem Schädelknochen übertragen. Über diesen Umweg gelangt das Schallsignal dann zum Innenohr. Bei Kindern unter zwei Jahren gelingt das wegen der dünneren Haut besser. Das Hörgerät ist dabei meist an einem Stirnband oder einer Brille befestigt. Bei Erwachsenen muss der Knochenhörer fester aufliegen. Das führt häufig zu unangenehmen Druckstellen. Eine Lösung bieten die knochenverankerten Hörgeräte. Hier ist eine kleine Operation nötig: Zunächst wird eine 3 bis 4 Millimeter lange Titanschraube in den Knochen hinter dem Ohr gedreht. Diese Schraube verbindet der Operateur mit einem speziellen Aufsatz, dem sogenannten perkutanen Pfeiler oder "Abutment". Dieser Aufsatz ragt durch die Haut und lässt sich mit dem Knochenhörer des Hörgerätes über einen Schnappverschluss verbinden.

Eine weitere Alternative können implantierbare Hörgeräte sein. Ärzte setzen sie entweder bei alleiniger Störung der Schallleitung ein. Oder bei einer kombinierten Schwerhörigkeit, wenn zusätzlich auch die Schallempfindung betroffen ist. Dieser Gerätetyp übersetzt das eingehende Schallsignal in mechanische Bewegungen, die je nach Gerätetyp direkt an Trommelfell, Gehörknöchelchen oder Innenohr ansetzen. Man unterscheidet vollimplantierbare und teilimplantierbare Hörgeräte. Bei letzteren sind Mikrofon, Prozessor und Batterie in einem externen Geräteteil hinter dem Ohr untergebracht, dem sogenannten Audioprozessor. Insbesondere die vollimplantierbaren Hörgeräte bieten den Vorteil, von außen kaum sichtbar zu sein und den Gehörgang frei zu lassen. Beide Typen verlangen jedoch eine vergleichsweise aufwendige Operation.

Wie finde ich das passende Hörgerät?

In der Regel verschreibt ein HNO-Arzt das Hörgerät, nachdem er verschiedene diagnostische Tests durchgeführt hat. Der Patient wählt dann zusammen mit einem Hörgeräteakustiker ein Modell aus und lässt es individuell einstellen. Dazu braucht es üblicherweise mehrere Sitzungen. Je nach Preisklasse übernehmen die Krankenkassen unter Umständen nur einen Teil der Kosten. Zwar ist in der Regel bereits ohne Aufzahlung eine gute Versorgung möglich. Wer Wert legt auf erhöhten Komfort beim Hören, bei der Bedienung und der Form des Geräts, muss aber meist in die eigene Tasche greifen. Betroffene sollten sich deshalb frühzeitig mit ihrer Krankenkasse absprechen, um schon im Vorfeld die Kostenfrage zu klären.

Burkhard Stropahl

Beratender Experte: Burkhard Stropahl, Hörgeräteakustiker-Meister und Vizepräsident des Fachverbandes Deutscher Hörgeräteakustiker e.V.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.